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BIM-Veranstaltung: Planen am gemeinsamen Modell

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Building Information Modelling: „BIM“ ist die Planungsmethode der Zukunft. In dieser Feststellung waren sich alle Referenten einig, die in einer Informationsveranstaltung Einblick in die verschiedenen Aspekte der Arbeit an einem gemeinsamen Gebäudemodell gaben. Gut 300 Architekten und Ingenieure folgten Anfang Mai der Einladung ihrer Kammern, die verschiedenen Sichtweisen von Fachkollegen auf ein bislang in Deutschland noch relativ ungenutztes Planungswerkzeug kennenzulernen. Die Veranstaltung sollte Entscheidungshilfen bieten, ob und wann sich Architekten und Ingenieure auf BIM einlassen wollen.

Mit Blick auf die konventionelle Zusammenarbeit der Architekten und Ingenieure stellte Ingenieurkammerpräsident Dr. Heinrich Bökamp einleitend fest, „dass wir noch mit den Methoden der Vergangenheit planen“. Natürlich bleibe auch künftig die jeweilige Planungskompetenz bei den einzelnen Fachdisziplinen - der gemeinsame Planungsprozess werde sich aber ändern. Gerade wegen dieser Gemeinsamkeiten eigne sich das Building Information Modelling „als hervorragendes Thema für eine gemeinsame Veranstaltung der Architektenkammer und der Ingenieurkammer-Bau.“

Basiswissen vermittelte zunächst Dr. Thomas Liebich, seit über zehn Jahren in der BIM-Szene unterwegs. In BIM wird ein digitales, dreidimensionales Gebäudemodell erzeugt, das mit virtuellen Äquivalenten für die realen Bauelemente ausgestattet wird. Dieses Koordinierungsmodell ist dann der Ausgangspunkt für die verschiedenen Fachplanungen und die Grundlage für die spezifischen Fachmodelle. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich Leistungsanteile auf die Vorplanung und die Entwurfsplanung verlagern, weil in diesen Leistungsphasen das BIM-Modell entwickelt wird.

Anders als im europäischen und außereuropäischen Ausland besteht in Deutschland noch kein Regelwerk über die BIM-Anwendung. Allerdings soll künftig über die international genormte IFC-Schnittstelle sichergestellt werden, dass der Informationsaustausch aller Planer unabhängig von der verwendeten Software bei der Arbeit am virtuellen Modell reibungslos funktioniert.

Aus einem BIM-Modell kann sehr rasch eine Visualisierung erzeugt werden, die dem Bauherren bei seinen notwendigen Entscheidungen helfe. Der bayrische Architekt Rainer Hobmaier wies mit diesem Beispiel die Vorteile der Methode für ein kleineres Architekturbüro auf. Planungsvarianten und deren Kostenauswirkungen könnten sehr anschaulich dargestellt werden. Auch den Handwerkern könne man leichter komplizierte Details erläutern und mit ihnen die Fertigung abstimmen. Erforderliche Änderungen aus den Abstimmungsprozessen ließen sich sehr viel einfacher umsetzen als bei konventioneller Planung. Hobmaier zeigte sich überzeugt, dass spätestens bei dem zweiten Projekt nach der Einführung von BIM in den Büroablauf eine erhebliche Beschleunigung bei der Bearbeitung von Projekten möglich sei. Zur Vorsicht mahnte er allerdings bei der automatischen Software-Generierung von Massen für die Ausschreibung der Leistungen.

Aus Datenbanken werden Bilder; Pläne entstehen aus einem Modell, nicht mehr Modelle aus Plänen. So charakterisierte der Oldenburger Tragwerksplaner Hans-Georg Oltmanns die Logik von BIM und stellte fest: „Die Frage ist nicht, ob BIM kommt, sondern wann Sie damit anfangen!“ Kritisch riet er allerdings, sich nicht auf Ergebnisse per Knopfdruck zu verlassen, sondern bei der Tragwerksplanung die Plausibilität des Modells dadurch zu prüfen, ob sich die Bauteile bei der Durchbiegung oder den Querkraft- und Momentenlinien so verhalten, wie es zu erwarten sei. Sein Tipp für den Erwerb einer Software: „Kaufen Sie nur ein Programm, das aus den Gebäudedaten eine Abbildung generieren kann!“ Änderungen der integrierten Datenbanken müssten stets eine direkte Änderung des 3-D-Modells bewirken.

Einen kritischen Umgang mit dem Modell bestätigte auch Sven Kirchhoff aus Sicht eines Energieberaters. Für seine energetischen Planungen ist er auf ein bereits bestehendes Gebäudemodell angewiesen, das er für den EnEV-Nachweis auf die Anforderungen der DIN 18599 spezifiziert. Zugleich kann er mit diesem Fachmodell den Heiz- und Kühlenergiebedarf realistisch ermitteln. Die Informationen seiner Fachplanung können dann wieder in das Koordinationsmodell exportiert werden und stehen somit für die spätere Gebäudebewirtschaftung zur Verfügung.

In den Beiträgen wurde ebenso wie in den Rückfragen der Zuhörer hinterfragt, wer für das Koordinierungsmodell verantwortlich sei. „Der Architekt hat die rechtliche Verantwortung für den Entwurf, also muss er auch der Koordinator sein“, war die eindeutige Antwort des Aachener Professors Peter Russel. In der Praxis bestehe aber für die Architektinnen und Architekten noch Nachholbedarf. Aktuell muss nach Aussage der Fachreferenten zumeist noch die zweidimensionale Planung des Architekten durch einen Fachingenieur in das Gebäudedatenmodell übertragen werden, der es dann den weiteren Fachplanern für deren Belange zur Verfügung stellt.

„Auf jeden Fall erfordert BIM eine neue Qualität der Zusammenarbeit zwischen Architekten und Ingenieuren“, stellte Michael Arns, Vizepräsident der Architektenkammer NRW, in seinem Schlusswort fest. Er plädierte dafür, dass für den BIM-Koordinator kein neues Berufsbild entsteht.

Der Aufbau und die Pflege eines Datenmodells sind aufwendig und werden von der aktuellen Honorarordnung noch nicht als Leistung bedacht. Der Entwurf der HOAI 2013 berücksichtigt dies: Im Leistungsbild „Gebäude und Innenräume“ wird in der Leistungsphase 2 die Gebäudemodellbearbeitung im Building Information Modelling als besondere Leistung aufgeführt. Gerade für den Bauherrn kann es in Zukunft interessant sein, die Planung an einem gemeinsamen Gebäudedatenmodell zu beauftragen. Immerhin bietet ein Gebäudemodell die Chance, im Ergebnis eine umfassende Grundlage für die zukünftige Gebäudedokumentation und Gebäudebewirtschaftung zu erhalten.

Vorträge der Referenten

Dr. Thomas Liebich: BIM - Eine Methode der Projektabwicklung (PDF)
Rainer Hobmaier: BIM- Der Weg zum ganzheitlichen Planungsprozess (PDF)
Sven Kirchhoff: BIM aus Sicht eines Energieberaters (PDF)
Hans-Georg Oltmanns: BIM - Nur ein neuer Player in der Planung? (PDF)
Prof. Peter Russell: BIM-Ausblick (PDF)

Autor: Herbert Lintz