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Förderpreis 2012 verliehen: Kompetenz, Originalität, Mut

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„Gewonnen haben heute nicht nur die fünf Preisträger. Allein die Nominierung für den Förderpreis der Stiftung Deutscher Architekten ist eine große Auszeichnung, auf die Sie alle stolz sein können!“ Mit diesen Worten begrüßte Hartmut Miksch, Präsident der Architektenkammer NRW und Vorsitzender der Stiftung Deutscher Architekten, die 60 Absolventinnen und Absolventen von 13 nordrhein-westfälischen Architekurfakultäten, die von ihren Hochschullehrern für den Förderpreis 2012 vorgeschlagen worden waren. Die Stiftung Deutscher Architekten überreichte die renommierte Auszeichnung für den Architekten-Nachwuchs am 9. April mit einer feierlichen Preisverleihung im Düsseldorfer Künstlerhaus „Malkasten“. Die drei Preise und eine Anerkennung gingen an Absolventinnen und Absolventen der „münster school of architecture“ (msa) und der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen.

Julia Schenke strahlte. „Damit habe ich wirklich nicht gerechnet“, bekundete die Absolventin der msa an der Fachhochschu-le Münster. Ihr Thema „Totenkult(ur)“ überzeugte die Jury nicht nur wegen der gesellschaftlichen Relevanz und der ausführlichen Analyse von Totenritualen in verschiedenen Gesellschaften.  Auch die „Sensibilität und die bemerkenswerte Ausdruckskraft“ ihrer Arbeit habe zu einem einhelligen Votum in der Jury geführt, berichtete Leonore Wolters-Krebs aus der Jury-Sitzung, deren Vorsitz der Düsseldorfer Architekt Christoph Ingenhoven übernommen hatte.

Die Auswahl unter den insgesamt 60 eingereichten Arbeiten sei allerdings nicht einfach gewesen, da alle Bewerberinnen und Bewerber von ihren Professoren als „besonders begabt“ zur Teilnahme an dem Auszeichnungsverfahren vorgeschlagen worden waren. Die Jury hatte die Aufgabe, anhand der Beurteilungen der Professorinnen und Professoren und der eingereichten Masterarbeit das Talent und Potenzial der Bewerber zu beurteilen.

Neben Julia Schenke wurden auch Andreas Klozoris (RWTH Aachen) für seine Arbeit „Re:think Mutrah, Muscat, Oman“ sowie Carla Gertz und Dominik Nüssen (msa Münster) für ihre gemeinsame Mas-terthesis zum „Schalker Verein Gelsenkirchen“ mit einem Förderpreis in Höhe von jeweils 4.500 € ausgezeichnet. Eine Anerkennung erhielt Pentti Marttunen (RWTH Aachen) für sein „Konfirmandencamp“ im finnischen Sulkavankoski. Die Jury attestierte ihnen eine hohe fachliche Kompetenz,  gepaart mit einem Gespür für gesellschaftlich relevante Fragestellungen und dem Mut zu konsequenten und originellen Lösungsansätzen.

Mit Blick auf eine ganze Reihe weiterer eingereichter Arbeiten rief die Jury allerdings nach eingehender Erörterung die Hochschulen dazu auf, den Studierenden „in Zukunft mehr Improvisation, Neugierde, Abstand von überkommenen Typologien, ja durchaus mehr Risikofreude, Entdeckungslust und Beweglichkeit“ zu ermöglichen. Der Juryvorsitzende Christoph Ingenhoven führte dazu aus: „Es erscheint uns wichtig, an die Hochschulen, Professoren und Studenten zu appellieren, sich verstärkt um eine vertiefende inhaltliche Auseinandersetzung mit den brennenden gesellschaftspolitischen, ökonomischen und demografischen Themen zu bemühen, und diese Beschäftigung als unabdingbare Grundlage einer jeden Entwurfsarbeit begreifbar zu machen.“

Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutscher Architekten, Hartmut Miksch, betonte im Rahmen der Preisverleihung in Düsseldorf die Bedeutung einer umfassenden, profunden Hochschulausbildung für Architektinnen und Architekten, deren Berufsbild immer komplexer und anspruchsvoller werde. Neben der Qualität des kreativen Entwurfs und der Perfektion in der technischen Umsetzung müssten Architekten heute zunehmend Aufgaben der Projektsteuerung leisten sowie Kommunikationsprozesse moderieren. „Unser Land braucht gute Architektinnen und Architekten“, unterstrich Hartmut Miksch. „Darum treten die Stiftung Deutscher Architekten und die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen so energisch für Qualität als Leitbild der Architekturausbildung und des Architektenberufes ein.“ Miksch ermutigte die jungen Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner zugleich, sich mit Zuversicht auf den Arbeitsmarkt zu begeben: „Für kreative Ideen und für Qualität beim Planen und Bauen wird es immer eine Nachfrage geben.“

Das bekräftigte auch Stephan Lenzen in seinem Werkvortrag. Der erfolgreiche Landschaftsarchitekt aus Bonn erläuterte, wie er als junger Berufsstarter vor zehn Jahren durch einen „mutigen, vermutlich auch naiven“ Wettbewerbsentwurf für die neuen „Dycker Gärten“ auf Schloss Dyck im Rheinland einen erwarteten Wettbewerbserfolg erzielte, dem viele weitere folgten - u. a. für die Bundesgartenschau in Koblenz 2011. „Seien Sie mutig, trauen Sie sich, radikal und provokativ zu sein“, rief der Inhaber von RMP Landschaftsarchitekten den jungen Kolleginnen und Kollegen zu. Die Anpassung an Erwartungen und Erfordernisse des Marktes erfolge sowieso - und leider oft zu schnell.

Autor: Christof Rose