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Kammer vor Ort in Nettersheim: Transformieren statt Historisieren

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    Rund 100 Kammermitglieder aus der Eifel sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger nahmen an der Veranstaltung teil und beteiligten sich rege an der von Stefan Krapp moderierten Diskussion

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    Landespolitik vor Ort: Auch Mitglieder des NRW-Landtags kamen zur „Kammer vor Ort“-Veranstaltung nach Nettersheim. AKNW-Präsident Ernst Uhing (2. v. l.) begrüßte mit Bürgermeister Wilfried Pracht (l.) und AKNW-Vizepräsident Michael Arns (r.) u. a. MdL Gudrun Zentis (Bündnis 90/Die Grünen) aus Nideggen und Klaus Voussem (CDU, 2. v. r.) aus Euskirchen

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    Prof. Georg A. Poensgen stellte u.a. ein Winkelhaus vor, das sein Büro denzer & poensgen im rheinland-pfälzischen Teil der Eifel in Dorsel transformiert hatte

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    Architekt Markus Ernst präsentierte eine Kirche, die sein Büro in Bad Münstereifel unter Verwendung regionaltypischer Materialien realisiert hatte

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    Elmar Paul Sommer, Architekt und Stadtplaner aus Monschau, führte in die Geschichte des Planens und Bauens in der Eifel ein

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    Großes Interesse an Baukultur in der Eifel

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Die Eifel ist eine Region, in der sich Tradition und Moderne in einer lebendigen Synthese zusammenführen lassen.“ Prof. Georg A. Poensgen, Architekt aus Nettersheim, konnte diese Behauptung im Rahmen der „Kammer vor Ort“-Veranstaltung am 28. Mai in der Eifel mit vielen überzeugenden Beispielen belegen. Rund 100 Kammermitglieder waren der Einladung der Architektenkammer NRW ins Holzkompetenzzentrum Rheinland in Nettersheim gefolgt, um über das Planen und Bauen in der Eifel zu diskutieren.

Die Eifel habe eine über Jahrhunderte gewachsene Baukultur, die ein wertvolles Potenzial darstelle, das es zu nutzen gelte, erklärte Prof. Poensgen. Das Anknüpfen an tradierte Strukturen und die Verwendung regionaltypischen Baumaterials schaffe Identität und könne den Orten in einer Region, die unter starken Schrumpfungstendenzen leide, neue Impulse geben. „Es geht uns nicht um Historisieren, sondern um das Transformieren“, unterstrich Poensgen, dessen ambitionierte Wohnhausbauten zumeist mit den Materialien Bruchstein, Holz und Glas viele Bauherren begeistern.

„Wir befassen uns in diesem Jahr verstärkt mit dem Planen und Bauen in den ländlichen Regionen unseres Bundeslandes“, erklärte Kammerpräsident Ernst Uhing zur Begrüßung in Nettersheim. Denn gerade hier werde der demografische Wandel in den nächsten Jahren dazu führen, dass Städte und Dörfer mit Leerstand und infrastrukturellem Rückbau umgehen müssen. „Eine Herausforderung, die Kommunen und Architekten in gleicher Weise fordert“, stellte Ernst Uhing heraus.

Dem konnte der Bürgermeister der Eifelgemeinde Nettersheim, Wilfried Pracht, nur beipflichten. Die elf Dörfer seiner Gemeinde strebten gegenwärtig kein Wachstum mehr an, sondern betrieben eine intensive Bestandspflege. „Eine attraktive und anspruchsvolle Architektur ist für uns durchaus ein wichtiger Standortfaktor“, betonte Pracht. Der Gemeinderat lege deshalb Wert darauf, dass bei Neubauten und Sanierungen auf tradierte Bauweisen und Materialien abgehoben werde.

Wie diese Tradition in der Eifel aussieht, stellte der Architekt und Stadtplaner Elmar Paul Sommer aus Monschau in einem anschaulichen Vortrag dar. „Unsere Häuser waren stets einfach gehalten in Form, Material und Farbe, das ergab sich fast zwangsläufig aus dem Vorhandenen und der Witterung“, erläuterte Sommer. Die Eifel-Bauten seien auch über die Jahrhunderte immer wieder den wechselnden Bedürfnissen der Generationen angepasst worden. „Es sind intelligente Bauten, die in ihrer klaren Architektur eine große Ästhetik und für mich oft auch Romantik ausdrücken“, pointierte der Monschauer Architekt seine Begeisterung für die regionale Baukultur.
Auch der Zülpicher Architekt Markus Ernst griff das Thema der regionalen Identität auf. Anhand verschiedener Beispiele aus dem Tessin und Bad Münstereifel zeigte er, wie Architektur im ländlichen Raum sich mit der Landschaft verbinden kann, ohne das eigene Gesicht zu verlieren. „Wir müssen dieses über Jahrhunderte gewachsene Wissen fortschreiben und an die nachfolgenden Generationen weitergeben, damit unsere Dörfer und Gemeinden ihre Identität auch künftig wahren können“, appellierte Ernst an den Berufsstand. Vorgaben und Regelwerke seien wichtig, um Wildwuchs zu vermeiden. „Letzten Endes ist die Kompetenz und die Kreativität der Architekten und Stadtplaner gefragt, wenn es darum geht, Bauherren und Gemeinderäte von der Kraft der regionalen Baukultur immer wieder zu überzeugen.“

In der abschließenden Diskussion mit dem Publikum brachte der Vizepräsident der Architektenkammer NRW, Michael Arns, die Frage nach der Einrichtung eines Gestaltungsbeirates für die Eifel ins Gespräch. Prof. Georg Poensgen sprach sich für ein solches Expertengremium aus, das Stadträte und Bauherren fachlich beraten könne und zu einer gesunden Streitkultur und damit zur Baukultur in der Eifel beitragen könne. Der Präsident der Architektenkammer, Ernst Uhing, verwies darauf, dass die AKNW aktiv in vielen Gesprächen mit den Kommunen und den kommunalen Spitzenorganisationen für die Einrichtung von Planungs- und Gestaltungsbeiräten werbe. „Wir beraten die Kommunen dieser Region gerne dabei, wie ein Gestaltungsbeirat für die Eifel aussehen könnte“, bot Uhing dem Nettersheimer Bürgermeister an. 

Die nächste "Kammer vor Ort"-Veranstaltung findet am 02.09.2015 in Rietberg statt. Weitere Info

Vorträge:

Vortrag von Prof. Georg Peonsgen (PDF)

Vortrag von Bürgermeister Wilfried Pracht (PDF)

Vortrag von Elmar Paul Sommer (PDF)

Vortrag von Markus Ernst (PDF)

Autor: Christof Rose