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Landschaftsarchitektentag 2015: Klimawandel konkret

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    Diskutierten den Klimawandel (v.l.): Anja Aster (Energieagentur NRW), Ernst Herbstreit (AKNW), Prof. Sören Schöbel-Rutschmann (TU München), Silke Thyßen (Gartenamt Stadt Düsseldorf), Ernst Uhing (AKNW-Präsident), Christian Häckl (Meteorologe), Miriam Pede (Moderatorin), Prof. Uwe Illg (Universität Tübingen) Alle Fotos: Stephan Schütze

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    AKNW-Präsident Ernst Uhing begrüßt die Gäste des Landschaftsarchitektentags 2015 auf der Zeche Zollern in Dortmund - Thema: "Klimawandel Konkret".

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    Anja Aster (Energieagentur NRW) beschäftigte sich mit regenerativer Energiegewinnung in der Praxis.

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    Christian Häckl, Meteorologe, sprach über die Auswirkungen des Klimawandels.

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    Ernst Herbstreit führt in das Thema ein. Der Wittener Landschaftsarchitekt ist nicht nur Vorstandsmitglied der Architektenkammer NRW, sondern auch Vorsitzender des Ausschusses der Landschaftsarchitekten.

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    "Neue Sicht auf veränderte Landschaften" hieß der Vortrag von Prof. Dr. Uwe Illg, Universität Tübingen, Medizinisch-Naturwissenschaftliches Forschungszentrum.

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    Dr. Steffen Lechtenböhmer, Forschungsgruppenleiter des Wuppertaler Instituts für Klima, Umwelt und Energie im Gespräch mit Moderatorin Miriam Pede.

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    Windenergieparks und ihre Gestaltungspotentiale waren das Thema das Vortrags von Prof. Dr. Sören Schöbel-Rutschmann, Landschaftsarchitekt, TU München, Fachgebiet Landschaftsarchitektur regionaler Freiräume.

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    Silke Thyßen vom Gartenamt der Landeshauptstadt Düsseldorf. Ihr Vortrag über Folgen und Chancen thematisierte, was man aus dem Sturmtief Ela lernen sollte.

Ein Jahrhundertsommer mit Rekordtemperaturen, extreme Trockenheit und Waldbrände in Kalifornien - das Thema Klimawandel ist aktueller denn je, auch wenn es in der schnelllebigen Medienlandschaft immer wieder einmal aus dem Fokus gerät. Welche Beiträge Landschaftsarchitekten vor diesem Hintergrund für unsere Umwelt leisten können, war Thema des diesjährigen Landschaftsarchitektentages der Architektenkammer NRW, der ein breites Panorama der heutigen Situation lieferte. Rund 130 Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten trafen sich zu Vorträgen und Diskussionen auf der Zeche Zollern in Dortmund.

Zu einer kritischen Bestandsaufnahme gehört nach Analyse von Ernst Herbstreit, dem Vorsitzenden des AKNW-Ausschusses für Landschaftsarchitektur, die Feststellung, dass bei allen ehrgeizigen politischen Zielen zum Beispiel im Hinblick auf Treibhausgasreduzierung seitens der Politik nach wie vor ein Masterplan fehle, der ökonomische und technischen Faktoren mit den unterschiedlichen Handlungsebenen vom Energieversorger bis zum privaten Bauherrn auf einen gemeinsamen Nenner bringen würde.

Praktisches Beispiel: Ela und die Folgen
Wie eng der Zusammenhang zwischen Klima und den Aufgaben von Landschaftsarchitekten tatsächlich ist, wurde im Vortrag von Silke Thyssen deutlich. Die Landschaftsarchitektin leitet seit einem Jahr eine Task Force, welche die Folgen des Sturms „Ela“ an Pfingsten 2014 aufarbeitet. Der Sturm hatte allein in der Landeshauptstadt Düsseldorf vier Menschenleben gefordert und mehr als 30.000 Bäume zerstört. Von Schadenserfassungen über Nachpflanzungspläne bis hin zur Spendengewinnung reicht das Spektrum der Aufgaben. Gleichzeitig biete, so Thyssen, die Situation auch Chancen für die zukünftige Entwicklung des Stadtgrüns insgesamt. Erstmals nämlich würden systematisch Listen von Bäumen erstellt, die klimatischen Veränderungen besser angepasst sind. Außerdem entwickele man Pläne zur Diversifizierung der Baumarten, führe Standortverbesserungen durch, setzte stärkere Verankerungen für Bäume um und recherchiere auch historische Baumbestände, die für die Gartendenkmalpflege neue Erkenntnisse lieferten.

RTL-Meteorologe Häckl: Kein Zweifel an Handlungsnotwendigkeit
Die Fakten zum Klimawandel liegen heute mehr oder weniger auf dem Tisch. Die Analyse der Klimaveränderungen des Meteorologen Christian Häckl (RTL) bot – bei allen Differenzierungen hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen Sicherheit - keinen Zweifel an der akuten Handlungsnotwendigkeit. Wir müssen angesichts der in Sprüngen sich vollziehenden Entwicklung beispielsweise davon ausgehen, dass eine eisfreie Arktis mit allen Folgen für das Klima in Mitteleuropa für die nicht mehr ferne Zukunft absehbar ist.

Stefan Lechtenböhmer vom Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie forderte im Hinblick auf die Energiewende eine „Systeminnovation“, die technische, soziale und infrastrukturelle Erneuerungen miteinander verknüpft. Langfristig, so seine Analyse, kämen solchen Investitionen wirtschaftlicher, als immer wieder mit den Folgen des Klimawandels reaktiv umgehen zu müssen. Mit privaten und eher kleinteiligen Investitionen befasste sich Anja Aster von der Energieagentur NRW. Sie erläuterte  die derzeit geltenden Kompensationszahlungen für Eingriffe in die Landschaft durch Windkraftanlagen (berechnet werden sie nach Höhenmetern) und zeigte die teilweise guten Möglichkeiten für den Bau von Eigenverbrauchsanlagen auf.

Windkraft und Landschaftsgestaltung
Eine der derzeit wichtigsten Nahtstellen von Klimaschutz und der Arbeit von Landschaftsarchitekten ist die Aufgabe der Gestaltung von Landschaftsbildern, in denen Windenergieanlagen eine zunehmende Rolle spielen. Den Grundlagen für diese Aufgabe ging Uwe Ilg, Professor für Neurologie am Hertie Institut für klinische Hirnforschung in Tübingen, in einer Analyse unserer Wahrnehmungen nach. Wahrnehmung erfolgt aktiv, erläuterte Prof. Ilg seine Forschungsergebnisse, sie selektiere und folge verschiedenen Gesetzmäßigkeiten, bei denen unter anderem Farben und Bewegungen eine Rolle spielen. Die Konsequenz seiner Detailanalyse: Es gibt immerhin Möglichkeiten, eine Landschaft auch mit Windanlagen wahrnehmungsverträglich zu gestalten.

Genau das setzt Sören Schöbel-Rutschmann, Landschaftsarchitekt und Professor an der TU München, in seiner Arbeit konkret um. Schöbel-Rutschmann erarbeitet Vorschläge, wie Windanlagen innerhalb einer umfassenden Landschaftsästhetik angeordnet und gestaltet werden können. Seine zentrale These: Die neuen Anlagen sollten der Morphologie der Landschaft folgen, das heißt als ästhetische Möglichkeit erkannt werden. Sein Fazit lautete: Gerade der Blick auf Nachbarländer wie insbesondere Frankreich zeige, welch großes Aufgabenfeld für Landschaftsarchitekten sich hier eröffne.

Expertise einbringen
Davon zeigte sich auch Ernst Uhing, der Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, überzeugt. „Es geht bei diesem Thema nicht nur um kleinteilige ästhetische Fragen, sondern darum, wie unser Landschaftskulturraum sich unter den aktuellen Herausforderungen, vor die uns der Klimawandel stellt, entwickelt.“ Dazu sei das Know-how der Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten unverzichtbar.

Vorträge des Landschaftsarchitektentags

Neue Sicht auf veränderte Landschaften (PDF) - Prof. Dr. Uwe Ilg (Universität Tübingen)

Auswirkungen des Klimawandels (PDF) - Christian Häckl (Meteorologe, Pulheim)

Regenerative Energiegewinnung in der Praxis (PDF) - Anja Aster (Energieagentur NRW,Wuppertal)

Autor: Dr. Frank Maier-Solgk