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Erfahrungsaustausch mit Wettbewerbsbetreuern im Haus der ArchitektenVergabekultur - Planungskultur - Baukultur
Jan Schüsseler09.07.2010 | Über 30 Architekten und Stadtplaner, die sich auf die Betreuung von Planungswettbewerben spezialisiert haben, diskutierten am 7. Juli im Haus der Architekten in Düsseldorf über ihre Tätigkeit und die Bedeutung von Wettbewerben für die Baukultur. „Ihr Handeln trägt entscheidend dazu bei, dass Wettbewerbsverfahren zielgerichtet und fair durchgeführt werden“, wandte sich AKNW-Präsident Hartmut Miksch in seiner Begrüßung an die Gäste. „Unser gemeinsames Ziel sollte es sein, geregelte Wettbewerbe zur Wahrung der berechtigten Interessen der Auslober und der Teilnehmer zu vereinbaren und dem großen Engagement der Teilnehmer die gebührende Wertschätzung entgegenzubringen!“
AKNW-Vorstandsmitglied Jochen König führte mit einigen Thesen in die Diskussion ein; an dieser beteiligten sich auf dem Podium (v. l.): Prof. Hans-Peter Achatzi, Dr. Holger Matuschak, Christian Jürgensmann, Reinhard Drees und Hartmut Welters - Foto: Christof Rose
Gesprächspartner waren Vergaberechtsexperten, Bauherren und Vertreter des Ausschusses „Wettbewerbs- und Vergabewesen“ der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen sowie der Ingenieurkammer-Bau NRW. Unter der fachkundigen Moderation von Prof. Hans-Peter Achatzi (Berlin/Köln) entwickelte sich eine intensive Diskussion über Teilnehmerzahlen, Leistungsanforderungen und vergaberechtliche Vorschriften.
Jochen König, Vorsitzender des Ausschusses „Wettbewerbs- und Vergabewesen“, ging ausführlich auf die Problematik von Teilnahmebeschränkungen bei Wettbewerben öffentlicher Bauherren ein. Er bedauerte die zu geringe Beteiligungsmöglichkeit einer Vielzahl leistungsfähiger Büros wegen übertriebener formaler und fachlicher Zulassungskriterien und die zunehmende Auslobung von Generalplanerleistungen auch bei kleineren Projekten. Kritisch sah König auch, dass in Verhandlungsverfahren immer häufiger Entwurfsleistungen bis hin zu kompletten Wettbewerbsentwürfen abgefragt werden. „Obwohl hier die HOAI Anwendung finden muss, werden diese Leistungen oft nur mit einem geringen Betrag honoriert“, stellte König fest und sprach sich für die Auslobung von vereinfachten Wettbewerbsverfahren aus.
Öffentliche Auftraggeber müssen Planungsleistungen für größere Objekte in der Regel nach der „Vergabeordnung für freiberufliche Leistungen“ (VOF) vergeben. Die novellierte Fassung der VOF trat im Juni 2010 in Kraft. „Die Novelle stellt das Instrument des Wettbewerbs deutlicher als bisher heraus“, betonte Dr. Holger Matuschak, Justitiar der Hamburgischen Architektenkammer. „Sie ermöglicht eine wesentliche Vereinfachung der Bewerbungsverfahren, da bei gleicher Eignung die Teilnehmer an Wettbewerben nun auch ausgelost werden dürfen“, unterstrich Matuschak.
Christian Jürgensmann, Landschaftsarchitekt aus Duisburg, und Hartmut Welters, Architekt und Stadtplaner aus Dortmund, erläuterten die Praxis der Auswahl der Teilnehmer sowie der Auftragsvergabe nach VOF. Wie viele der Diskussionsteilnehmer regten Jürgensmann und Welters eine Vereinfachung an. Die anwesenden Vertreter öffentlicher Bauherren wiesen ihrerseits auf die gebotene Rechtssicherheit der Vergabe hin.
Reinhard Drees, Architekt und Stadtplaner aus Bielefeld, stellte die große Wirtschaftlichkeit von Wettbewerben zur Diskussion. Er führte aus, dass Wettbewerbsverfahren stets ein Gewinn für Bauherren seien, da in der Regel wirtschaftliche Projekte ausgezeichnet werden und die Kosten lediglich ca. 1 % der Planungskosten betragen. Auch die bei Auslobern oftmals kontroverse Diskussion über die Beteiligung jüngerer Planer wusste Drees überzeugend zu entkräften. „Ihre Teilnahme stellt eine deutliche Bereicherung der Verfahren dar, denn sie sind regelmäßig unter den Preisträgern“, erläuterte Drees anhand einer langjährigen Auswertung der von seinem Büro betreuten Verfahren.
In seinem Schlusswort betonte Jochen König, dass die Architektenkammer in ihrem Engagement für Planungswettbewerbe offen sei für eine weitere Diskussion über das Wettbewerbs- und Vergabewesen. Er sprach sich insbesondere für einen Austausch mit öffentlichen Bauherren wie dem BLB NRW und den Kommunen aus. „Ich bin sicher, dass wir durch gemeinsames Handeln zu einer Wettbewerbskultur finden, die die Ziele der Auslober ebenso berücksichtigt wie die Interessen der Teilnehmer“, so König.
Download: PDF-Dokument Aktuelle Tendenzen und Entwicklungen im Wettbewerbs- und Vergabewesen - Jochen König
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