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Artek - Ein Projekt der Moderne an der Schnittstelle von Design, Architektur und Kunst

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    Ansicht der Ausstellung "Artek" im Haus der Architekten in Düsseldorf

"Alvar Aalto war der erste Architekt, der den Gedanken der Moderne konsequent mit einem menschlichen Antlitz verbunden hat. Das macht bis heute seine Magie aus!" Mit diesen Worten beschrieb Marianne Goebl, Geschäftsführerin der Firma Artek in Deutschland, das Phänomen Alvar Aalto und seines Unternehmens, das der finnische Architekt gemeinsam mit seiner Frau Aino und Freunden im Jahr 1935 gegründet hatte. Anlässlich von Arteks 80. Geburtstag präsentiert die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen die Ausstellung "Artek - Art & Technology - Ein Projekt der Moderne an der Schnittstelle von Design, Architektur und Kunst" bis zum 24. März 2016 im Haus der Architekten in Düsseldorf. Zur Vernissage am 2. Februar kamen mehr als 100 Designfans und Architekten, um Möbel und Leuchten aus der Artek-Manufaktur zu erleben und über "Art & Technology" zu diskutieren.

"Artek griff die Gedanken des Deutschen Werkbundes und des Bauhauses auf und überführte diese in eine Firmenphilosophie", führte der Präsident der Architektenkammer NRW, Ernst Uhing, in die Ausstellung ein. Mit der engen Zusammenarbeit von Architekten mit Designern, Künstlern, Galeristen und Handwerkern nutzten die jungen Finnen den Zeitgeist, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Ziel von Alvar und Aino Aalto, der Kunstmäzenin Maire Gullichsen und dem Kunsthistoriker Nils-Gustav Hahl, war es, mit der Gründung von Artek "Möbel zu verkaufen und mit Ausstellungen und anderen Formen der Vermittlung eine neue Wohnkultur zu fördern" - so die damals formulierte Programmschrift. Wie Marianne Goebl anlässlich der Vernissage darstellte, verbanden die jungen Finnen mit diesem Sendungsbewusstsein von Beginn an aber auch einen starken Geschäftssinn. Eine Grafik der Ausstellung zeigt das Netzwerk und die Handelswege, die Artek-Möbel schon kurze Zeit nach der Gründung pflegten: Australien, Südafrika, Südamerika, USA. "Artek ist sicherlich eines der ungewöhnlichsten und ambitioniertesten Projekte der Möbelgeschichte", so Marianne Goebl. Das Konzept, eine Firma als Plattform für moderne Kunst, Industrie, Inneneinrichtung und "Propaganda" (so der damalige Jargon) zu nutzen, war wirtschaftlich außerordentlich erfolgreich.

Aalto und seine Designer nutzten den in Finnland vorhandenen Werkstoff, nämlich Holz. Ihr Designprinzip gehorchte nicht allein gestalterischen Überlegungen, sondern auch dem technologischen Konzept der Reproduzierbarkeit und des mehrfachen Einsatzes zentraler Grundelemente. "Alvar Aalto entwickelte beispielsweise ein um 90 Grad gebogenes L-Holz, das in drei Größen produziert wurde, aber in 50 Produkten zur Anwendung kam – vom Hocker bis zum Bücherregal", führte Marianne Goebl aus. Die Möbel waren zugleich bequem, attraktiv und praktisch.

Heute besteht die Artek Kollektion aus Möbeln, Leuchten und Accessoires, entworfen von den finnischen Meistern und führenden internationalen Designern. Sie steht für Klarheit, Funktionalität und poetische Schlichtheit. Im radikalen Geist ihrer Gründer entwickelt Artek nach wie vor Neues an der Schnittstelle zwischen Design, Architektur und Kunst.

Die Ausstellung im Düsseldorfer Haus der Architekten findet in Kooperation mit der Architektenkammer NRW statt. Präsentiert werden Klassiker von Alvar und Aino Aalto, Ilmari Tapiovaara, Tapio Wirkkala und Yrjö Kukkapuro sowie zeitgenössische Entwürfe von Ronan und Erwan Bouroullec, Hella Jongerius und Konstantin Grcic. Materialmuster, Zeichnungen, Photos und Hintergrundgeschichten zu Artek und den Kontributoren des internationalen Netzwerks, das sich um die Firma gebildet hat, ergänzen die Präsentation. 

Mo. - Fr. 09.00 - 17.00 Uhr. Haus der Architekten, Düsseldorf. Eintritt frei.

Autor: Christof Rose