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Gestaltungsbeiräte – Eine baukulturelle Aufgabe

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In Nordrhein-Westfalen gibt es derzeit 15 Städte und Gemeinden mit Gestaltungsbeiräten, in zwei weiteren Städten wurden Beiräte für Entwicklungsmaßnahmen gegründet. Auf Einladung der Architektenkammer trafen sich Anfang Juli die Vorsitzenden und einige Mitglieder der Beiräte zu einem Erfahrungsaustausch im Haus der Architekten in Düsseldorf.

Baukultur kann am besten in der konkreten Projektarbeit vor Ort beeinflusst werden. Von diesem Grundsatz gehen die Gestaltungsbeiräte in Nordrhein-Westfalen aus. Die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen setzt sich seit vielen Jahren mit Nachdruck dafür ein, dass solche fachlich kompetenten, beratenden Gremien in den Städten unseres Landes etabliert werden, wie Michael Arns, Vizepräsident der AKNW, in seiner Begrüßung der Gesprächsteilnehmer im Haus der Architekten erläuterte. Arns führte aus, dass es originäre Aufgabe der Kammer sei, die Baukultur zu fördern und damit ein Impulsgeber für die öffentliche Kommunikation über Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsplanung und Städtebau zu sein. „Planungs- und Gestaltungsbeiräte bieten unseren Kollegen die Möglichkeit, sich konstruktiv in die Entwicklung ihrer Stadt einzubringen.“

Zusammensetzung und Aufgaben

In der Regel gehören den Beiräten von den Verbänden benannte oder durch die Kommune berufene Architekten an; hinzu kommen Landschaftsarchitekten, Stadtplaner, Verkehrsplaner, Künstler, Denkmalpfleger, Heimatpfleger, Bürgerschaft oder Umweltverbände. In vielen Kommunen nehmen an den Sitzungen Vertreter von Politik und Verwaltung teil, vereinzelt mit Sitz und Stimme. „Das Schlimmste verhindern oder die Baukultur fördern" - mit diesen Worten umriss Prof. Frank Werner (Uni Wuppertal), der das Gespräch im Haus der Architekten moderierte, in provokanter Weise das mögliche Aufgabenspektrum eines Gestaltungsbeirats. In der Tat: Die Vorstellungsrunde zeigte, dass die Ansätze und Aufgaben der Beiräte von Kommune zu Kommune durchaus divergieren. Viele Beiräte befassen sich mit Objekten der Innenstadt, stadtbedeutsamen Projekten, denkmalpflegerischen Maßnahmen oder Fällen, die nach § 34 BauGB zu beurteilen sind. Bei den Entwicklungsmaßnahmen liegt der Schwerpunkt in der Qualitätssicherung der einzelnen Baufelder. Nur selten werden die Beiräte bei Großprojekten gefragt, große städtebauliche Themen werden häufig von Rat und Verwaltung sowie Investoren ohne Einschaltung der Gestaltungsbeiräte diskutiert.

Zusammenarbeit mit der Kommune

Vielfach wurde beklagt, dass die Beiräte zu spät von den Projekten erfahren. Nur selten kann der Beirat wie z.B. in Krefeld auf Grund der eingehenden Bauvoranfragen und Bauanträge entscheiden, zu welchen Projekten er Stellung beziehen will. Beiräte großer Städte wie Köln sind da im Vorteil: Nachdem dort früher zu viele Projekte vorgelegt wurden, ist die Anzahl nun nach einem Vorauswahlsystem überschaubar.

In der Regel gibt der Beirat Empfehlungen an die Politik und die Verwaltung, oft werden Gespräche mit den Architekten und Investoren geführt. In Bielefeld hat es sich bewährt, Gespräche im kleinen Kreis zu führen - bestehend aus zwei Mitgliedern des Beirats, der Verwaltung, dem Investor und dem Architekten. Als günstig habe es sich außerdem erwiesen, wenn ein Mitglied des Beirats an den anschließenden Ratssitzungen teilnimmt und die Empfehlung des Beirats selber weitergeben kann.

Von besonderer Bedeutung ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Kommune. Der Rat des Gremiums muss von Politik und Verwaltung wirklich gewünscht sein. Zumindest einige Kommunen – so die Aussagen der Teilnehmer – sind hiervon noch ein ganzes Stück entfernt. Wichtig sei es daher, Erfolge des Beirats auch in der Öffentlichkeit darzustellen, zu vermitteln, dass die Empfehlungen des Beirats zur Planungssicherheit beitragen können.

In der Regel arbeiten die Beiräte ehrenamtlich, teilweise gegen eine geringfügige Aufwandsentschädigung, nur selten werden (wie in Wuppertal) die Mitglieder nach den Modalitäten eines Preisrichters vergütet. Der Beirat in Gütersloh macht aus der Not eine Tugend: Die Sitzungsgelder werden gesammelt, andere Kommunen werden bereist, um so in den Dialog mit anderen Beiräten zu kommen. „Vernetzen Sie sich untereinander“, war der zwangsläufige Rat von Moderator Werner. Ob es günstiger ist, den Beirat mit kommunalen oder externen Architekten zu besetzen, wurde in der Diskussionsrunde unterschiedlich bewertet. Für externe Besetzung spricht die offensichtliche Unabhängigkeit und die Vermeidung von örtlichen Konkurrenzsituationen; Vorteile eines lokalen Gremiums liegen in der Ortskundigkeit und besseren Informationen.

Einmischung gefragt

Einig waren sich alle Teilnehmer, dass das Aufgabenspektrum nicht breit genug sein könne: von der Möblierung des öffentlichen Raums bis zum städtebauliche Rahmenplan, von der Beurteilung einer kleinräumigen Situation bis zum Großprojekt. Wichtig sei, auch dazu gehört zu werden, wie die Planung für wichtige Projekte erfolgen soll. Folgerichtig könne der Beirat dann auch für Wettbewerbe werben. Verstärkt sollten Beiräte frühzeitig auf erforderliche Entwicklungen hinweisen, aber auch Fehlentwicklungen mit deutlicher Sprache aufzeigen und sich in die öffentliche Diskussion zur Stadtentwicklung einmischen.

Die Gemeinschaftsinitiative „StadtBauKultur NRW“ hat zum Thema die Broschüre "Beiräte für Stadtgestaltung in NRW, Beispiele aus der Praxis" erarbeitet. Die Dokumentation beispielhafter Lösungen soll Kommunen zur Einrichtung von Planungsbeiräten anzuregen und gibt praktische Hinweise. Die Broschüre kann bei Initiative StadtBauKultur NRW kostenlos angefordert werden (E-Mail: mbv@gwn-neuss.de).

Städte mit Beirat für Stadtgestaltung in NRW

  • Aachen Architektenbeirat
  • Bielefeld Beirat für Stadtgestaltung
  • Detmold Beirat für Stadtgestaltung
  • Dortmund Gestaltungsbeirat
  • Duisburg Beirat für Stadtgestaltung
  • Gütersloh Gestaltungsbeirat
  • Herford Beirat für Stadtbildpflege
  • Köln Gestaltungsbeirat
  • Krefeld Gestaltungsbeirat
  • Moers Gestaltungsbeirat
  • Münster Beirat für Stadtgestaltung
  • Siegen Beirat für Stadtgestaltung
  • Unna Bauforum für Stadtgestalt
  • Wesel Gestaltungsbeirat
  • Wuppertal Gestaltungsbeirat
  • Bocholt Beirat für die städtebauliche Entwicklungsmaßnahme Bocholt Feldmark
  • Neuss Gestaltungsbeirat für die Entwicklungsmaßnahme Neuss Allerheiligen

Autor: Herbert Lintz