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Aus der Serie "Architekten in ungewöhnlichen Berufsfeldern": Architekt im Auslandseinsatz

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Bernd Jordan aus Minden bei der Bundeswehr in Afghanistan.

Bernd Jordan, wie kommt ein Architekt zur Bundeswehr?

Ein Architektenkollege aus unserer Stadt erzählte mir, dass er bei der Bundeswehr anfängt - das war am Jahresbeginn 2011. Ich habe mich dann in den folgenden Monaten regelmäßig mit ihm ausgetauscht und mich weiter über die Arbeit als Architekt in Afghanistan bei der Bundeswehr informiert. Im Sommer 2012 bewarb ich mich auf Grund einer Stellenausschreibung bei der Bundeswehr als ziviler Architekt. Nach dem Vorstellungsgespräch wurden Termine vereinbart. Der Arbeitseinsatz war auf knapp sechs Monate begrenzt. Ich war kein festangestellter Mitarbeiter, war aber während der Zeit im Soldatenstatus mit Dienstgrad und Uniform.

Waren für Ihren Einsatz besondere Zusatzkenntnisse notwendig?

Bevor es nach Mazar é Sharif ging, mussten diverse Vorausbildungen absolviert werden. Vieles war davon interessant, zum Beispiel die Ausbildung zum medizinischen Ersthelfer in Theorie mit praktischen Übungen; ansonsten waren die Zusatzausbildungen größtenteils soldatischer Natur. Insgesamt war ich vor dem Einsatz vier Wochen in Kasernen zur Ausbildung. Zuvor waren eine Menge medizinischer Untersuchungen durchgeführt worden - und mein Impfstatus wurde mit 16 Impfungen aktualisiert.

Was waren Ihre Aufgaben vor Ort?

Das Baubüro in Camp Marmal bestand aus 16 Personen, zumeist Zivilisten im Soldatenstatus. Wir waren zuständig für Neubauten, Bauunterhaltung und die Koordinierung von lokalen Mitarbeitern, aber auch von lokalen Firmen, die im Camp gearbeitet haben. Gemeinsame Baustellen mehrere Nationen wurden international im Baubüro koordiniert.

Ich selber war im Camp der Flight Field Engineer, das heißt ich hatte  den gesamten Flugplatz mit Landebahnen, ISAF Ramp und Gebäuden zu unterhalten bzw. dort Neubauten zu errichten. Ich habe Flugzeughangars gebaut, Teilbereiche der Landebahn asphaltiert, diverse Bauunterhaltungsarbeiten durchgeführt. Eine große Aufgabe bestand an Wiederherstellungsarbeiten nach einer Überschwemmungskatastrophe, die ca. 40.000 Kubikmeter Schlamm auf die Rollbahnen und in sensible Flugbereiche gespült hatte. Arbeiten direkt an der Rollbahn, wenn neben Dir eine F16 hochgeht: Donnerlüttchen!

Gab es eine Zusammenarbeit mit den Kollegen und Ämtern in Afghanistan?

Mit einheimischen Behörden oder Ämtern hatten wir nichts zu tun. Die Baubehörde für das Camp war das Baubüro. Übrigens  haben wir eingeführt, dass dort, wo es nötig war, nach der Landesbauordnung NRW gearbeitet wurde. Vergabeverfahren wurden nach VOB behandelt. Viele afghanische Bauunternehmer bzw. Bauleiter waren täglich im Baubüro. Wir besprachen die Baustellen und machten gemeinsam Bauleitung, natürlich immer mit Unterstützung der Dolmetscher. Gesprochen wurde: Dari - Deutsch, Deutsch - Englisch, Englisch - Dari. Baumaterialien und die Bauarbeiter waren nicht mit den Gegebenheiten bei uns in Deutschland vergleichbar. Aber: Die Afghanen, die ich kennen gelernt habe, waren alle zuvorkommend, nett, immer engagiert - und Meister des Improvisierens.

Was haben Sie für sich persönlich aus dem Auftrag gelernt?

Dass ich nun viel bewusster wahrnehme, wie gut es uns in Deutschland geht. Und die Herausforderung bestanden zu haben, den größten Militärflugplatz Afghanistans baulich zu betreuen. Durch die lange Zeit der Entbehrung von vielen Sachen wurden vergessen geglaubte Werte wieder ins rechte Licht gerückt.

Werden Sie weiter Einsätze für die Bundeswehr im Ausland durchführen?

Ich würde wohl, aber aus Afghanistan wird abgezogen, und es liegt in der Natur der Sache, dass in einem Einsatzgebiet erst mal eine Menge passiert und viel Zeit vergeht, bevor ergänzende Infrastrukturmaßnahmen vor Ort durchgeführt werden und erneut Fachleute dort tätig werden. Somit denke ich mal, dass ich als ziviler selbstständiger Architekt bei der Bundeswehr erst einmal nicht gefragt bin.

Autor: Christof Rose