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Aus der Serie "Architekten in ungewöhnlichen Berufsfeldern": Besondere Schärfentiefe

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Die meisten professionellen Fotografen im Architektursektor haben eine Fotografielehre absolviert oder sind über ein Architekturstudium in den Beruf gelangt. Als praktizierender Architekt oder Innenarchitekt parallel auch Architekturfotografie zu betreiben, ist ungewöhnlich. Diesen Weg hat der Bielefelder Innenarchitekt Eckhard Rahaus eingeschlagen. Etwa 20 Prozent seiner Einnahmen generiert er aus professioneller Architekturfotografie.

Herr Rahaus, Sie arbeiten mit Ihrem Büro DPIA Innenarchitekten wie viele Kolleginnen und Kollegen im planenden Bereich. Wie sind Sie ergänzend zur Architekturfotografie gekommen?

Ich bin jetzt seit rund 20 Jahren beruflich tätig und habe die ersten zwölf davon meine Objekte von Architekturfotografen dokumentieren lassen. Da ich mich aber während meines Studiums hatte intensiv mit Fotografie auseinander setzen müssen, war ich vermutlich ein furchtbarer Auftraggeber, der alles besser wissen wollte. Ich habe dann begonnen, meine Objekte selber abzulichten. Nachdem ich diese veröffentlicht hatte, traten Kollegen, aber auch Immobilienmakler, mit Foto-Aufträgen an mich heran.

Was sind Ihre besonderen Stärken in der Architekturfotografie?

Einerseits beherrsche ich das Handwerk der Fotografie; das darf man niemals unterschätzen, denn nur dann kommen Sie über ein besseres Amateurniveau heraus. Zum anderen aber habe ich den Blick des praktizierenden Innenarchitekten. Ich verstehe also sehr schnell, was meinem Kunden an seinem Werk besonders wichtig ist. Und drittens habe ich eine Leidenschaft für Räume. Bevor ich mit der Kamera in Aktion trete, sehe ich mir den Raum ganz genau an, pendele lange hin und her, studiere Lichtstimmungen und Perspektiven. Die eigentliche Bildaufnahme ist dann die logische Folge, aber kein großer Aufwand mehr.

Wer sind Ihre Auftraggeber?

Zu Beginn waren das einige Kollegen und mehrere Immobilienmakler aus der Region. Ein interessantes Spektrum, weil die Anforderungen dieser zwei Auftraggebergruppen ganz unterschiedlich sind. Architekten und Innenarchitekten geht es ja darum, im einem Bild möglichst das Wesen und den Charakter der Architektur zu vermitteln. Makler hingegen wollen einfach das schöne Bild, manchmal auch nur den schönen Schein. Inzwischen fotografiere ich für einige Kunden seit mehr als fünf Jahren; und seit einiger Zeit bin ich auch im Bereich der Landschaftsarchitektur als Fotograf aktiv. Für mich ist diese Vielfalt ein großer Reiz; ich bin immer neu gezwungen, mich in verwandte Disziplinen und in die Werke von Kolleginnen und Kollegen einzudenken.

Sehen Sie Parallelen zwischen der Arbeit eines Innenarchitekten und eines Architekturfotografen?

Interessant scheint mir immer wieder die Frage der grundsätzlichen Perspektive. Ein architektonischer Entwurf und ein Foto werden häufig aus der gleichen Perspektive gemacht; und manchmal sind sie heute ja auch kaum mehr voneinander zu unterscheiden. Eine weitere Parallele ist die Leidenschaft für die Aufgabe. Ich habe den Eindruck, dass Architekten und Architekturfotografen häufig den gleichen hohen Anspruch an ihre Arbeit haben und keine Ruhe geben, bis das Beste aus dem Entwurf bzw. dem Fotomotiv heraus gearbeitet wurde.

Wie viel Wert legen Sie auf eine nachträgliche Bildbearbeitung?

Natürlich unterzieht man heute als Architekturfotograf seine Bilder einer nachträglichen Bearbeitung. Aber auch hier muss man genau wissen, was man tut. Vor allem muss man während der Arbeit vor Ort das Maximum rausholen. Schwere Aufnahme-Fehler kann auch die beste Bildbearbeitung nicht ausgleichen

 

www.dpia.de/dpia-images

Autor: Christof Rose