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Aus der Serie "Architekten in ungewöhnlichen Berufsfeldern": Blick der Planerin auf GIS-Daten

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Wie lassen sich für Architekturbüros eigene Projekte schnell und unkompliziert auf der eigenen Homepage oder in Präsentationen sichtbar machen? Aus dieser Fragestellung hat Gabriele Seitz ein Geschäftsmodell entwickelt: Sie bietet Kunden ein Kartensystem an, auf dem sich in Eigenregie Objekte, Projektdetails, Fotos und weitere Informationen hinterlegen lassen. Ein Geschäftsbereich, der sich nach Überzeugung der Dortmunder Landschaftsarchitektin in den nächsten Jahren rasant entwickeln wird. - Ein Beitrag in unserer Serie „NRW-Architekten in ungewöhnlichen Berufsfeldern“.

Gabriele Seitz, Sie haben im Sommer 2012 mit ihrem Unternehmen „map my project“ den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Wie sind die ersten Erfahrungen als Unternehmerin?

Gabriele Seitz: Erste Projekte konnten erfolgreich realisiert werden; ich befinde mich aber weiterhin in der Aufbauphase. Für meine kleine Firma war ja eine Menge an Formalia zu erledigen, bevor es richtig losgehen konnte. Aktuell bearbeite ich einige Projekte und betreibe parallel Auftragsakquise und Werbung.

Wie sind Sie darauf gekommen, ein Kartenverortungssystem für die Projektdarstellung im Internet zu entwickeln?

Ich habe nach meinem Studium mehrere Jahre als angestellte Landschaftsarchitektin gearbeitet und bin in der Zeit, in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre, verstärkt mit GIS (Geoinformationssystemen) in Berührung gekommen. Das hat mich so sehr fasziniert, dass ich mehrere Fortbildungen in diesem Bereich wahrgenommen habe. Zunächst lag der Schwerpunkte meiner Arbeit natürlich darauf, GIS-Daten für die Planungsarbeit im Landschaftsarchitekturbüro zu nutzen. Weil ich mich aber privat mit der Erstellung von Homepages befasst habe, konnte ich die Kenntnisse kombinieren und mehrere Jahre in diesem Bereich arbeiten. Dabei entstand über private Kontakte die Idee zur Projektkarte.

Wer ist die Zielgruppe Ihrer Dienstleistung?

Vor allem Architekturbüros aller Fachrichtungen, Ingenieurbüros und Kommunen. Man ermöglicht dem User der Homepage einen schnellen Überblick und einen direkten Zugriff auf seine wichtigsten Referenzprojekte, das ist ein attraktiver Zugangsweg. Kommunen können das System für die unterschiedlichsten Zwecke einsetzen. Für das Donaubüro Ulm/Neuulm habe ich beispielsweise einen Bühnenplan erarbeitet. Ein anderes Beispiel, das nicht von mir stammt, ist das Technologiezentrum Dortmund mit seinen diversen Kompetenzzentren. Ich bin sicher, dass dies erst der Anfang einer Entwicklung ist, in der die Kommunen zunehmend GIS-Daten für Bürger-orientierte Dienstleistungen nutzen werden.

Wie könnte eine solche Anwendung in der Praxis aussehen?

Ein gutes Beispiel, das von Kollegen gebaut wurde, ist die  Website „Frankfurt gestalten“. Dort findet sich eine Karte der Mainmetropole, auf der Bürgerinnen und Bürger Vorschläge für Stadtumbauprojekte und für Verbesserungen hinterlassen können. Wer sich in seinem Quartier eine Ampelanlage wünscht oder eine Brachfläche umnutzen möchte, kann die Stelle auf einem Stadtplan markieren und mit einem Kommentar versehen. Zudem werden Informationen aus dem Ratssystem der Stadt ausgelesen und auf der Karte übersichtlich dargestellt. Das Thema befindet sich noch am Anfang, da werden noch viele Anwendungen hinsichtlich der Bürgerpartizipation an Planungsprozessen hinzukommen.

Sehen Sie sich in der Praxis noch als Landschaftsarchitektin, oder sind Sie längst zur Programmiererin geworden?

Mein Erfahrungshorizont und meine Sichtweise bleibt die Landschaftsarchitektur - das ist ein großer Vorteil, weil ich stärker inhaltlich mit den GIS-Daten arbeite als reine Techniker. Es wird künftig immer mehr offene Daten geben, u. a. von Kommunen. Insofern bin ich optimistisch, dass ich mich mit meinem Unternehmen an der Schnittstelle zwischen virtuellen Daten und realer Planung gut werde positionieren können. 

 

 

www.map-my-project.de

 

 

 

Autor: Christof Rose