« zurück

Aus der Serie: "Architekten in ungewöhnlichen Berufsfeldern" Filmreif! Architekt im Movie Park

  • Bild 1 von 1

    Filmreif! Architekten in ungewöhnlichen Berufsfeldern: Norbert Ryvola plant seit 20 Jahren Freizeitpark-Attraktionen: Anfang der 90er klopfte Warner an. Heute entwickelt Architekt Norbert Ryvola (r.) mit dem Movie Park in Bottrop, hier mit Geschäftsführer Thorsten Backhaus (l.), immer wieder neue Achterbahnen, Show- und Event-Locations Foto: Movie Park

Verloren im Bermuda Dreieck, auf einer Mission zum Mars oder gefangen im Ice Age – für Norbert Ryvola spielt sich der berufliche Alltag manchmal in einer anderen Welt ab. Der 61-jährige Architekt aus Bottrop hat sich auf das Planen und Bauen für Freizeitparks spezialisiert. Seit 20 Jahren steht er den (wechselnden) Betreibern des Movie Parks Germany in Kirchhellen bei der Entwicklung von Park-Attraktionen, Achterbahnen, Wegeführungen und speziellen Themenbereichen zur Seite.

„Am Anfang stand meine Tätigkeit im ganz üblichen Bauträger-Geschäft“, erinnert sich Norbert Ryvola. Zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn habe er nicht daran gedacht, sich in der Freizeitindustrie zu spezialisieren. Auch heute noch betreibt und betreut er mit seinem Büro, in dem er neun Mitarbeiter aus Architektur und Stadtplanung beschäftigt, zusätzlich Projekte im geförderten Mietwohnungsbau. Und doch hat er mit seinem Fokus auf Freizeitparks ein Standbein gefunden, das ihn als Spezialist auch über die Grenzen Nordrhein-Westfalens hinaus bekannt gemacht hat. Norbert Ryvola erinnert sich, wie seine „Reise in die Filmwelt“ begann: „Anfang der 90er Jahre hat Warner angeklopft – auf der Suche nach einem Partner.“ Es sei darum gegangen, den ehemaligen Bavaria-Filmpark in Bottrop zu einem hollywoodreifen Freizeitpark zu ertüchtigen. In Zusammenarbeit mit der Parkleitung und den beteiligten Filmfirmen entwickelte Ryvola den Masterplan für die „Warner Bros. Movie World“. In der Folge stand er dem Freizeitpark auch bei der Entwicklung der einzelnen Park-Attraktionen zur Seite. Bis heute verantwortet er die Planung neuer Achterbahnen, Show- und Event-Locations sowie Restaurants in dem Park, der seit 2010 einem spanischen Betreiber gehört.

Norbert Ryvola erklärt, was die Zusammenarbeit mit einem Freizeitpark besonders macht: „Da sind zwei Ebenen“, sagt er. Sein Planungsteam müsse zum einen eine höhere Flexibilität als üblich mitbringen. Das Freizeitparkgeschäft sei nun einmal sehr schnelllebig. Die Betreiber müssen den Besuchern alle zwei Jahre etwas Neues bieten. So werden einmal entwickelte Bereiche ständig verändert. „Das ist spannend, besonders dann, wenn die Objekte einander tangieren, die eine Achterbahn in die andere übergeht.“ Zusätzlich geht es planerisch immer darum, die hinter einer Neuentwicklung stehende Grundidee, die in einem Film reibungslos funktionieren würde, mit dem ganz realen deutschen Baurecht in Einklang zu bringen. Soll etwa in einem Wartebereich durch bauliche Enge, geringe Deckenhöhe und zurückhaltende Beleuchtung eine besondere Spannung erzeugt werden, so muss dies mit den üblichen Vorgaben hinsichtlich Brandschutz und Rettungswegen korrespondieren. „Aber wir finden eigentlich immer eine Lösung“, stellt Norbert Ryvola fest.

So bleibt die Zusammenarbeit mit den Kreativen auf Seiten der Filmlizenzinhaber und Parkbetreiber auch nach 20 Jahren faszinierend. Zwar behalten sich die Filmfirmen bei der Entwicklung stets ein Mitspracherecht bei der Planung vor. „Doch da haben wir es mit Designern zu tun, die mit wenigen Pinselstrichen ganze Comics zeichnen können. Wahnsinn!“ Und auch die Suche nach technischen Lösungen für besondere Situationen bringt immer wieder neue Erkenntnisse: Als ein Parkbereich etwa dem Santa Monica Pier in Kalifornien/USA nachempfunden werden sollte, war klar, dass der Untergrund im regenreichen Bottrop aufgrund der Verkehrssicherung nicht aus Holz bestehen konnte. Architekt Ryvola: „Wir haben Matrizenbeton gewählt – das Ergebnis überzeugt, sieht dem Original täuschend ähnlich.“ Doch bei aller Faszination: Als alleiniges Standbein kam für Norbert Ryvola das Freizeitparkgeschäft nie in Frage. Anfragen hätte es in den letzten zwei Jahrzenten genug gegeben. „Aber dann hätte man noch viel mehr weltweit unterwegs sein müssen.“ Zugunsten seiner Familie und seines Büros in Bottrop hat er sich dagegen entschieden.

Autor: Melanie Brans