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Serie: Gemeinsam statt gegeneinander

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    Anwalt und Architekt als Team: Dietmar Dahmen (l.) und Architekt Ernst Weide arbeiten seit zwölf Jahren in enger Kooperation zusammen – Foto: Christof Rose

Wenn Architekten und Juristen zusammentreffen, ist der Anlass meistens ein wenig erfreulicher und die Stimmung entsprechend angespannt. Ganz anders erlebt der Hagener Architekt Ernst Weide seine regelmäßigen Treffen mit dem Rechtsanwalt und Notar Dietmar Dahmen. Denn der Architekt und der Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht arbeiten seit zwölf Jahren eng zusammen. Die gegenseitige fachliche Beratung kommt auch im Briefkopf des Architekturbüros bzw. der Anwaltskanzlei zum Ausdruck: Die Kooperation wird dort explizit benannt - als Ausdruck von Teamorientierung und einer besonderen fachlichen Kompetenz.

Herr Weide, Herr Dahmen, Sie kooperieren schon seit zwölf Jahren eng miteinander. Wie ist es zu dieser Verbindung von Architektur und Recht gekommen?
Ernst Weide:
Ich habe damals meine Ausbildung zum Sachverständigen für Gebäudeschäden gemacht, da gab es eine Menge rechtlicher Fragen zu bearbeiten. Herr Dahmen und ich hatten schon vorher beruflich miteinander zu tun, und in einigen vertieften Gesprächen haben wir gemerkt, dass der Austausch für uns beide sehr bereichernd war.
Dietmar Dahmen: Unsere Disziplinen sind ja jeweils sehr fachspezifisch konzentriert - man blickt nur selten über den Tellerrand hinaus. Herr Weide und ich haben festgestellt, dass ein regelmäßiger Austausch dazu führt, dass man die andere Seite nicht nur besser versteht, sondern auch in zunehmendem Maße die Perspektive des Anderen einnehmen kann. Ich werde auf diese Weise ganz sicher kein Architekt, kann mich aber leichter in die Position des Planers hinein versetzen.

Eine Kooperation von Architekt und Baurechtsanwalt - wie muss man sich das in der Praxis vorstellen?
Ernst Weide:
Als Sachverständiger für Gebäudeschäden weiß ich, dass es heute kaum mehr ein größeres Bauprojekt gibt, bei dem es nicht zu juristischen Auseinandersetzungen kommt. Wenn ich ein neues Vorhaben starte, bilde ich sofort ein Team, das nicht nur Ingenieure und Techniker einschließt, sondern auch einen Juristen. Herr Dahmen klopft alle Maßnahmen auf rechtliche Implikationen ab; oft geht es beispielsweise um Haftungsfragen oder das Steuerrecht. Dabei werden auch  Fragen des Auftraggebers beantwortet.
Dietmar Dahmen: Umgekehrt bitte ich den Architekten Ernst Weide sofort um Rat, wenn ich in baurechtlichen Fällen Verständnisprobleme habe oder die gutachterliche Einschätzung eines Sachverständigen brauche. Oft ist bautechnisches Detailwissen und die Erfahrung eines Praktikers gefragt, um juristische Streitpunkte verlässlich einschätzen zu können.

Herr Weide, haben Sie als Architekt und öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Schäden an Gebäuden die Juristerei als neues Aufgabengebiet für sich entdeckt?
Keineswegs, ich bin ja als Architekt weiterhin im Hochbau tätig und saniere beispielsweise gerade das Theater hier in Hagen. Aber als Sachverständiger müssen Sie sich mit rechtlichen Fragen und Einschätzungen beschäftigen, und der regelmäßige Austausch mit Herrn Dahmen führt mich immer weiter an das Denken eines Juristen und an die Terminologie heran. Das fließt natürlich auch in meine Arbeit als Architekt ein. Die technischen Anforderungen an Gebäude werden kontinuierlich anspruchsvoller, und dasselbe gilt für die Auftraggeber. Wir Architekten sind heute Dienstleister, und als solche müssen wir uns immer öfter mit der Durchsetzung unserer vertraglich vereinbarten Ansprüche auseinander setzen.

Herr Dahmen, als Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht sind Sie ein ausgewiesener Experte für baurechtliche Fragen. Warum dann die Kooperation mit einem Architekten?
Das Baurecht ist ein ungemein komplexes Rechtsgebiet, in das viele Nebenbereiche hineinspielen - vom öffentlichen Recht über das Vergaberecht bis hin zu DIN-Normen und Hersteller-Vorgaben. Als Jurist kommt man immer dort an die Grenzen, wo bautechnische Fragen und architekturspezifische Sachverhalte zu klären sind. Das Begründen oder Widerlegen von Baumängeln ist äußerst aufwändig, da sind viele technische Belege beizubringen. Hier ist mir das Know-how und die Erfahrung von Ernst Weide eine große Hilfe - auch, um die verhandelten Vorgänge selbst technisch besser nachvollziehen zu können.
Ernst Weide: Eine solche Zusammenarbeit fußt auf einem vertrauensvollen Verhältnis und der Bereitschaft beider Seiten, verlässlich und flexibel zu sein. Gibt es ein Problem, rufen wir uns mal eben an. Das hilft nicht nur Herrn Dahmen und mir in unserer täglichen Arbeit, sondern führt auch dazu, rechtliche Probleme von vorherein zu vermeiden oder in einem ersten Klärungsgespräch vorgerichtlich auszuräumen. Wir lernen täglich dazu!

Autor: Christof Rose