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Serie: Spielplatzplanung - aber sicher!

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    „Keine Sicherheit ohne Risiko“ - Markus Brügger

Serie: Architekten in ungewöhnlichen Berufsfeldern: Die Landschaftsarchitekten Reinhard Friese und Markus Brügger haben sich auf Spielraumsicherheit spezialisiert. Spielplatzplanung — aber sicher!

Reinhard Friese und Markus Brügger bringen Sicherheit ins Spiel: Die beiden Landschaftsarchitekten aus Ostwestfalen-Lippe arbeiten als Fachkräfte für Spielraumsicherheit und erarbeiten sichere Lösungen für Spielplätze. Ein Kinderspiel? Von wegen! - Eine Folge unserer Reihe „Architekten in ungewöhnlichen Berufsfeldern“.

Herr Friese, Herr Brügger - wie haben Sie zusammen und zum Thema Spielplätze gefunden?

Reinhard Friese: Wir haben beide Spielplatzbau- und Spielplatzssicherheit von der Pike auf gelernt. Wir haben uns vor etwa zehn Jahren in einem Förderprojekt kennengelernt, in dem es darum ging, jährlich zehn Schulhöfe umzugestalten. Da beschäftigt man sich unweigerlich mit dem Thema Spielraumsicherheit. Als das Projekt auslief, haben wir festgestellt, dass diese Erfahrung eine gute Basis für eine Selbstständigkeit darstellen könnte. 

Wie sieht der Service genau aus, den Sie anbieten?

Markus Brügger: Wir haben uns in das eher handwerkliche Knowhow der DIN EN 1176 „Spielplatzgeräte“ eingearbeitet, nach der Spielplätze regelmäßig auf Sicherheit zu überprüfen sind. So sind wir zurzeit für etwa 100 freie Träger von Kindergärten unabhängige Anlaufstelle. Als Spezialisten haben wir dazu eine Spielraumsoftware zur Dokumentation und Verwaltung von Sicherheitskontrollen auf Spielplätzen entwickelt. Zusätzlich beraten wir in Gestaltungsfragen, etwa wenn Spielgeräte ausgetauscht oder Spielräume erweitert werden.  

Welche spezielle Planungskompetenz wird dabei von Ihnen erwartet?

Friese: Natürlich die Kenntnis von Normen, Materialeigenschaften, Konstruktion, die Fähigkeit zur Projektsteuerung und so weiter. Hinzu kommt aber auch Wissen über die vielfältigen Ansprüche von Kindern an das Spielen, über den Kita-Alltag, die Lebenswelt der Kinder und vieles mehr.  

Brügger: Dadurch, dass wir manche Kitas schon über Jahre hinweg betreuen, wächst unsere Erfahrung. Wir sehen, was wie genutzt wird, was funktioniert, was Staffage ist, welche Materialien ankommen. 

Sie sagen, Sie bieten den speziellen Blick des Landschaftsarchitekten auf das Thema „Spielplatzsicherheit“. Was heißt das?

Brügger: Eine der Säulen in unserer Arbeit ist das Suchen, Finden und Abstellen von Risiken, die für Kinder nicht einschätzbar sind - und daher nicht akzeptabel. Zum Beispiel Strangulationsstellen oder nicht ausreichende Standfestigkeit von Spielgeräten. Doch unsere Arbeit hat auch eine darüber hinaus gehende gesellschaftliche Dimension.  

Inwiefern?

Friese: Uns beschäftigt zurzeit sehr der Grundsatz: „Keine Sicherheit ohne Risiko“. Schon im Einleitungstext zur Norm steht, was auch unsere Überzeugung ist: Damit Kinder selbstsicherndes Verhalten lernen, müssen Sie altersadäquate Risiken kennenlernen und bewältigen. Dies trägt zu ihrer körperlichen und psychischen Entwicklung bei. Zurzeit geht der Trend sehr stark hin zu einer defensiven Gestaltung von Spielräumen. Wir klären auf, versuchen, den Erwachsenen Ängste zu nehmen, und wir gestalten Spielräume, die Kindern entsprechende Entwicklungs- und Erlebnisräume bieten.


Vitae:
Markus Brügger (Jahrgang 1967) studierte nach einer Ausbildung zum Gärtner in Höxter Landschaftsarchitektur. Reinhard Friese (Jahrgang 1972) besuchte die Hochschule RheinMain in Geisenheim. Im Jahr 2002 gründeten beide je eigene Landschaftsarchitektur-Büros in Höxter und Bielefeld. Seit 2003 arbeiten sie in der Büro-Kooperation „Spielraumservice“ zusammen, die Kunden in der Region Ostwestfalen-Lippe zu allen Fragen der Spielplatzsicherheit berät.  

www.spielraumservice.de
Autor: bra