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Aus der Serie "Junge Architekturbüros in NRW": Anerkennung im Ausland

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Als junge Architektin im europäischen Ausland Fuß zu fassen, ist nicht ganz einfach. Der Kampf um die Anerkennung im doppelten Sinne des Wortes kostete Nadine Berger Zeit, Nerven und einen enormen Arbeitsaufwand. Dennoch hat sich die Arbeit in England und Portugal gelohnt, meint die junge Architektin, die heute in Castrop-Rauxel arbeitet.

Nadine Berger, wie kam es dazu, dass Sie nach dem Studium in England als Architektin gearbeitet haben?

N. B.: Ich hatte schon während meines Studiums in Bochum zwei Auslandssemester in Italien verbracht und in Mailand an Wettbewerben mitgearbeitet. Andere Kulturen und Sprachen haben mich schon immer fasziniert. Ich wollte dann eigentlich nach Australien, bin aber der Liebe wegen in Cornwall gelandet.

Wie schwer ist es, als deutsche Architektin in England eine Stelle zu finden?

Ich hatte Glück! Bei mir ging es ganz schnell - durch Zufall. Meine Zimmervermieterin vermittelte mir einen Kontakt. Ich stellte mich vor, und schon drei Tage später war ich feste Mitarbeiterin in einem Architekturbüro. Schwieriger ist es, die formale Anerkennung zu erhalten. Nach zwei Jahren Berufspraxis konnte ich mich in der ARB (Architects Registration Board) eintragen lassen. Meine Arbeitgeber wollten aber, dass ich Mitglied der RIBA werde. Das „Royal Institut of British Architects“ ist höher angesehen - bedingte aber für mich ein ergänzendes Studium neben dem Fulltime-Job. Das durfte ich dann auf Kosten des Büros an der Universität Plymouth absolvieren. Dafür war ich dankbar!

Sie waren insgesamt fünf Jahre in Cornwall. Wie würden Sie die Arbeit als Architektin dort beschreiben?

Ich habe die Engländer als sehr positiv und aufgeschlossen erlebt. Man muss sich darauf einstellen, jedes Gespräch mit Small-Talk zu beginnen. Dafür ist die Zusammenarbeit zwischen Architekten und Fachingenieuren viel enger als bei uns. Auch die Abstimmung mit den Kollegen in den kommunalen Ämtern verlief meistens sehr konstruktiv und vor allem verlässlich. Die „Building Control“ beim Amt prüft und berät bis in die Detailplanung hinein. Dafür ist die Fortbildungspflicht mit 50 Stunden im Jahr aber deutlich strenger als in NRW.

Im Jahr 2009 sind Sie dann nach Portugal gezogen. Wie lief der Wechsel in ein anderes EU-Land ab?

Furchtbar kompliziert! Das gesamte berufsständische Reglement ist in Portugal viel komplexer als bei uns oder in England. Ich musste die letzte Prüfung des dortigen Studiums bestehen, um als Architektin anerkannt zu werden. Inhaltlich ging es dabei u. a. um den Verhaltenskodex des Architekten, und hier im Wesentlichen um das Vergabewesen und die Anti-Korruptionspflichten.

Dennoch haben Sie in Espiche ein bemerkenswertes Clubhaus für einen Golfclub realisieren können.

Ich hatte meine Anerkennung geschafft und mich zunächst mit kleineren Aufträgen über Wasser gehalten. Über einen Bekannten habe ich dann den Besitzer eines Golfplatzes kennen gelernt, der schon seit Jahren an der Realisierung seines ökologisch-nachhaltig ausgerichteten Golfplatzes arbeitete. „Du kannst ja mal einen Entwurf für ein Clubhaus machen“, sagte er zu mir. Mit meiner Erfahrung aus England ist mir das wohl ganz gut gelungen. Jedenfalls habe ich das inzwischen viel beachtete Gebäude dann tatsächlich planen dürfen (http://www.espiche-golf.com/pt/clubhouse/). Dennoch sah ich meine Zukunft nicht in Portugal - und bin nach drei Jahren nach Deutschland zurückgegangen.

Autor: Christof Rose