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Aus der Serie "Junge Architekturbüros in NRW": Gut beraten starten!

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Der Markt für Architekturleistungen ist eng, die Einstiegsgehälter für den Nachwuchs gering, die Zukunftsaussichten ungewiss. Dennoch studieren gegenwärtig rund 30 000 junge Männer und Frauen an den Architekturfakultäten in Deutschland. Eine junge Architektin, die schnell mit ihrem Studium fertig war, ist Lynn Kukelies. Die 29-jährige hat sich vor zwei Jahren mit einem eigenen Büro selbstständig gemacht - und freut sich über vielfältige Auftragsanfragen.

Frau Kukelies, Sie haben nach Abschluss Ihres Studiums in Kaiserlautern und an der RWTH Aachen als angestellte Architektin bei renommierten Büros gearbeitet. Warum nun der Sprung in die Selbstständigkeit?

Wie die meisten jungen Architektinnen und Architekten möchte ich natürlich mein Verständnis von Architektur und meine Entwurfsideen für Bauherren umsetzen. Als Angestellte ist man doch eher fremdgesteuert. Als mich dann Freunde fragten, ob ich nicht ein Mehrfamilienhaus für sie realisieren könnte, habe ich die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und meine Selbstständigkeit in die Tat umgesetzt.

Eine Bürogründung ist nicht nur mit vielen Unsicherheiten, sondern auch mit Kosten verbunden. Wie haben Sie Ihre Existenzgründung als freischaffende Architektin auf die Beine gestellt?

Zunächst habe ich Existenzgründungsseminare der Akademie der Architektenkammer NRW besucht sowie die Existenzgründungsberatung der Geschäftsstelle der Kammer in Anspruch genommen. Beides hat mir sehr geholfen und mich in meinem Vorhaben ermutigt. Auch viele rechtliche Fragen, die im Zuge der Bürogründung auftraten, konnte ich mithilfe der Rechtsberatung der AKNW klären. Meinen Businessplan habe ich auch durch die Architektenkammer NRW prüfen lassen und konnte so Fördergelder für Existenzgründer nutzen. Ich kann nur jedem Existenzgründer empfehlen, sich vor dem Start gut beraten zu lassen.

Die Strukturuntersuchungen der Architektenkammer NRW zeigen immer wieder, dass es Einzelkämpfer schwer haben auf dem Markt. Wie stellen Sie sich im Wettbewerb auf?

Vorerst arbeite ich für private Auftraggeber; damit bleiben die Projekte überschaubar. In der Existenzgründungsphase habe ich mit einer Gründungsberatung meine Alleinstellungsmerkmale herausgearbeitet, die u.a. darin liegen, dass ich schnell eine Vertrauensbasis zu meinen Kunden schaffen kann und diese durch zuverlässige Arbeit auch bestätige.

Ansonsten kann ich mich auf solide Netzwerkstrukturen verlassen: Ich arbeite oft mit Kolleginnen und Kollegen zusammen, bin auch hin und wieder für kleine und auch größere Büros tätig. Wichtig ist mir der interdisziplinäre Austausch. Mein Büro ist ein angemieteter Schreibtisch in einem Großraumbüro einer PR-Agentur. Auf dem gesamten Bürogelände arbeiten hauptsächlich Leute aus der Design- und Werbebranche, mit denen man ständig im Dialog steht.

Fehlt Ihnen dort nicht der Austausch mit Fachkolleginnen und -kollegen?

Den pflege ich an anderer Stelle. Im Büro profitiere ich von den Erfahrungen der anderen Freiberufler um mich herum. Ich habe bereits viel über Büromanagement gelernt und über erfolgreiche Klientengespräche. Etwa wie man seine Stundenhonorare vermittelt und dann auch durchsetzt. Zudem hilft mir das Gespräch im Großraumbüro auch dabei, neue Kontakte zu knüpfen.

Wo sehen Sie sich und Lynn Kukelies Architektur in fünf Jahren?

Da jetzt regelmäßig Auftragsanfragen kommen, hoffe ich, dass das Büro vorsichtig wachsen kann. Mein Ziel wäre eine Bürogemeinschaft, die gestalterische und technische Kompetenzen verbindet und eine vielfältige Auftragsstruktur ermöglicht. Um das zu erreichen, muss man zuverlässig und ehrlich mit seinen Aufraggebern umgehen und Netzwerken, Kontakte pflegen, sich engagieren. Da mir das alles liegt und Spaß macht, bin ich sehr optimistisch!     

Autor: Christof Rose