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Bildkraft und Wirkung

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Vor knapp drei Jahren übernahmen die Architekten Ben Dratz (*1977)und Daniel Dratz (*1978) das Architekturbüro ihres Vaters. „De facto eine Neugründung“, so das Brüderpaar, das sich den Anforderungen der Zeit entsprechend völlig neu aufgestellt hat. Mit dem Kulturhauptstadt-Projekt „PHZ2“, einem temporären Haus aus Papier auf dem Weltkulturerbe Zeche Zollverein, gelang Dratz&Dratz Architekten 2010 nicht nur ein erster Preis beim Wettbewerb „mobile working spaces“, sondern auch der schnelle Durchbruch, der unter anderem zwei Jahre später mit dem Förderpreis des Landes NRW für junge Künstlerinnen und Künstler eine weitere Bestätigung erfuhr.

Wie ist es Ihnen gelungen, innerhalb von nur zwei Jahren ein „ansehnliches Oeuvre“ zu schaffen, wie die Jury zum Landespreis für junge Künstlerinnen und Künstler urteilte?
Wir hatten schon während unserer Arbeit als angestellte Architekten in den Jahren 2007 bis 2010 regelmäßig gemeinsam an Architektenwettbewerben teilgenommen - nach Feierabend und in langen Nächten. Es war ein schöner Zufall, dass der erste Wettbewerbsgewinn unser Papierhaus auf Zollverein war. Das brachte uns viel Beachtung und Renommee, und noch heute fragen uns internationale Architekturzeitschriften wegen dieses Projektes an. Wir nehmen nach wie vor regelmäßig an Wettbewerben teil, haben unsere Folgeaufträge aber auf
anderen Wegen bekommen.

Wie schafft es ein junges Büro, insbesondere Kommunen und öffentliche Institutionen als Auftraggeber zu akquirieren?
Wir setzen auf die persönliche Kommunikation und die Überzeugungskraft im direkten Gespräch. Natürlich ist es wichtig, realisierte Objekte als Referenzen anführen zu können; das muss aber nicht zwingend etwas Großes sein. Entscheidend ist, die Kompetenz und Zuverlässigkeit des Büros zu vermitteln und deutlich zu machen, dass das geplante Projekt in einem partnerschaftlichen Verfahren entstehen soll. Als Team decken wir zwei wichtige Kompetenzfelder ab: Daniel kümmert sich um den Entwurf und alles Kreative, Ben konzentriert sich auf das Konstruktive und die Bauleitung vor Ort.

Ihr Büro besteht aktuell neben Ihnen beiden aus einem weiteren Mitarbeiter. Reicht das aus, um an Wettbewerben wie dem „Tor auf Schalke“ teilnehmen zu können?
Das ist wirklich unglaublich viel Arbeit. Wir stecken aber gerne Herzblut in solche Projekte, wenn uns das Thema fasziniert - und um unser Portfolio entsprechend auszubauen. Der Wettbewerb „Tor auf Schalke“ ist ein wichtiger Schritt nach vorne für uns, denn immerhin sind wir unter die letzten sechs Büros gekommen - als einziges junges Büro unter lauter großen Namen. Wir können solche Herausforderungen annehmen, weil wir über ein Netzwerk verfügen, aus dem wir jederzeit passende Partner in die Projektarbeit einbinden können.

Verstehen Sie sich eher als Ingenieure oder als Künstler?
Es ist sicherlich von beidem etwas. Wichtig ist uns, dass das Bauwerk konstruktiv und technisch ausgereizt wird. Das verstehen wir nicht unbedingt immer als Hightech-Lösung. Wir versuchen genauso gut, Antworten auf die Fragen unserer Zeit zu finden, indem wir mit einem Minimum an Budget ein Maximum an Architektur erzeugen. Wir versuchen, unsere Projekte aus einer Bildkraft heraus zu entwickeln. Uns interessieren immens die Wirkungen von Materialien und deren Stimmungen zu den verschiedensten Licht- und Wetterbedingungen.

Wo sehen sich Dratz&Dratz Architekten in fünf Jahren?
Wir wünschen uns, dass das Büro behutsam wächst. Parallel zur Arbeit im Büro sind wir beide auch in der Lehre aktiv, Daniel an der BU Wuppertal, Ben an der TU Dortmund. Die Arbeit mit den Studenten weitet immer wieder den Blick. Spannend ist auf jeden Fall, seine früheren Professoren wieder zu treffen - ob an der Uni oder als Konkurrenten in Architektenwettbewerben.

Autor: Christof Rose