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Durch das Tor der Stadt

  • Portrait Uwe Schröder

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    Vertraut auf die akquisitorische Wirkung von Publikationen: Uwe Schröder - Foto: privat

Der Architekt Uwe Schröder (Jahrgang 1964) positioniert sich und sein Büro U S Arch im Spannungsfeld zwischen Architekturtheorie und -praxis. Für seine Arbeiten mehrfach ausgezeichnet, hat Schröder seit 1999 kontinuierlich auch theoretisch gearbeitet und publiziert. - Ein Beitrag unserer Reihe „Junge Architekturbüros in NRW“.

Herr Schröder, Sie kommen gerade von einem Stipendienaufenthalt in der Casa Baldi der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo zurück. Was ist Ihr Zugang zur Architektur?
Schröder: Meiner Auffassung nach kann der Anspruch an Architektur, an eine zweckmäßige Raumbildung und Bauformung von Stadt und Haus, gar nicht hoch genug in Ansatz gebracht werden. In jedem einzelnen Fall setzt dieser Anspruch bereits eine bestimmte Architektur der Stadt als Vorstellung voraus: Hausbau bedeutet immer auch Stadtbau. Dabei ist nicht zuerst eine Stadt als realer Ort der Ausgangspunkt für das Entwerfen und den Entwurf, sondern vielmehr die Stadt als Vorstellung. Und diese architekturräumliche Konzeption geht dem Entwerfen und dem Entwurf einer Architektur als Kerngedanke voraus. Der Zugang zu einer Architektur der Räume führt allewege durch das Tor der Stadt. 

Sie haben nach der Ausbildung zum Bauzeichner zunächst bei Wolfgang Döring, später bei Oswald Mathias Ungers und Laurids Ortner studiert. Stört es Sie, oftmals „Ungers Schüler“ genannt zu werden?
Schröder: Nein. Oswald Mathias Ungers ist mir als Theoretiker und Architekt über die Mitarbeit in seinem Büro und das Studium an der Kunstakademie Düsseldorf hinaus Meister und Lehrer gewesen. Auch wenn ich heute sage, dass ich mit meiner Vorstellung der Architektur einen anderen Weg eingeschlagen habe und auch weiter gehe, ändert das noch nicht dessen Herkunft oder Ursprung. Die formale Nähe zu einer rationalistischen Architektur ist geblieben, das ist keine Frage. Doch der gedankliche Weg, der auch dorthin führt, ist ein vollkommen anderer.  

Sie haben in den letzten Jahren nur wenig und dafür scheinbar sehr bewusst und gezielt gebaut. Stimmt dieser Eindruck?
Schröder: Das ist schon richtig. Und das Büro ist daher nur sehr langsam gewachsen. Sicher liegt das auch an der Arbeitsweise, die es vor allem in der Anfangszeit nur zuließ, einen Bau nach dem anderen zu realisieren. Von den zahlreichen Entwürfen konnten bis heute nur sieben Projekte realisiert werden.Möglicherweise aber hatte die verhaltene Entwicklung des Büros auch Vorteile, wenn ich an die baukonjunkturelle Fluktuation der letzten Jahre und den einhergehenden rapiden Auf- und Abbau anderer Architekturbüros denke.

Wie machen Sie Markt und Bauherren auf sich aufmerksam?
Schröder: Durch Publikationen. Die Veröffentlichungen realisierter Bauten beispielshalber in Fachzeitschriften führen hin und wieder auch dazu, das Bauherrschaften bei ihrer Recherche auf die Arbeiten des Büros aufmerksam werden. Das Zustandekommen des Auftrags für das zurzeit in der Fertigstellung befindliche „Haus auf der Hostert“ in Bonn ist hierfür ein gutes Beispiel.

Darüber hinaus aber führen die Veröffentlichungen von Bauten und Projekten im besten Fall auch zu einer konstruktiven Kritik, die als Anerkennung und Bereicherung der persönlichen Arbeit aufgenommen wird. Gleiches gilt im Übrigen auch für meine eher theoretischen Texte und Beiträge, die meiner Auffassung nach einen den Projekten vergleichbaren Stellenwert einnehmen. 

Der hohe Anspruch Ihrer Bauten setzt sicherlich ein großes Maß an Verständnis Ihres Bauherrn voraus. Braucht Ihre Architektur immer auch „qualitätsvolle“ Bauherren?
Schröder: Gelungene Architektur setzt wohl immer auch eine diesbezügliche Bauherrschaft voraus, die eine Bestimmung vorzugeben versteht, was mit dem Bau an und für sich erreicht werden soll. Insofern gibt es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Qualität des Baus und der der Bauherrschaft.  

Zur Person:
geb. 1964 in Bonn; Ausbildung zum Bauzeichner;  1986-1992 Studium der Architektur an der RWTH Aachen bei Prof. W. Döring; 1992 - 1995 Aufbaustudium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. L. Ortner, Ernennung zum Meisterschüler; 1993 eigenes Büro in Bonn; 2000 - 2002 Lehrauftrag an der FH Bochum; seit 2004 Professur für Entwerfen und Architekturtheorie an der FH Köln.  

Autor: Dr. Holger Rescher