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Serie: Nachfolge ist weiblich

  • Das Team von Alberts Architekten

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    alberts.architekten in Bielefeld-Sennestadt (v. l.): Architektin Elke Maria Alberts, Thorsten Försterling, Marc Wübbenhorst und Rena Picht - Foto: Peter Wehowsky, Bielefeld

Die Nachfolge im Architekturbüro ist für viele Inhaber in Nordrhein-Westfalen ein Problem. Bei alberts.architekten in Bielefeld-Sennestadt übernahm im vergangenen Jahr die Tochter das Büros des Vaters - und bemüht sich seit-dem um eine vollständige Neuausrichtung und Positionierung auf dem Markt.

Frau Alberts, wie ist der Nachfolgeprozess vom Architekten-Vater zur Architekten-Tochter vonstatten gegangen?

Elke Maria Alberts: Ich habe das Büro nicht einfach übernommen. Durch die langjährige Mitarbeit im Büro bin ich mit dem Büro meines Vaters vertraut und dort seit Langem projektverantwortlich tätig. Es handelte sich um einen Prozess, der sich inzwischen über zwei Jahre hinzieht. Ich möchte daher eher von einer stetigen Übergabe als von einem Wechsel sprechen.

Akzeptieren langjährige Auftraggeber einen solchen Wechsel? Spielt dabei die Tatsache, dass eine Frau das Geschäft übernimmt, eine besondere Rolle?

Ja und nein. Für die meisten Auftraggeber stellt der Wechsel kein Problem dar, da ich mit ihnen schon vorher zusammengearbeitet habe.  Es sind letztendlich die Qualität und die Verlässlichkeit, die zählen. Dass ich eine Frau bin, ist sicher erst in zweiter Linie von Bedeutung. Die Chefinnenrolle ist immer noch ungewöhnlich und stiftet gelegentlich Verwirrung: Es rufen Kunden in meinem Büro an und wollen den Chef oder meinen Mann sprechen. Aber solche Dinge werden sich in Zukunft ändern. Das eigentliche Problem sehe ich darin, dass das vorhandene Netzwerk komplett überaltert ist. Und dazu gehören auch die langjährigen Auftraggeber, die dann plötzlich eben nicht mehr in den verantwortlichen Positionen sitzen. So ein Netzwerk muss ich mir als Gründerin komplett neu aufbauen.

Inwieweit müssen Sie das Büro alberts.architekten anders oder sogar neu aufstellen?

Natürlich habe ich meine eigene Handschrift und gehe bestimmte Dinge anders an als mein Vater, der das Büro vor 39 Jahren gegründet hat. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass sich das Büro früher von Auftrag zu Auftrag entwickelte. Ich dagegen musste zunächst die Idee des Büros definieren, für das ich seit Herbst vergangenen Jahres nun alleine in der Verantwortung stehe. Die Definition ermöglicht es uns nun, Ziele direkt anzusteuern. Wir strukturieren neu, wir spezialisieren uns, lassen uns auf neue Formen der Akquise ein – und das bei laufendem Betrieb.

Sie versuchen sehr gezielt, sich mit ungewöhnlichen Maßnahmen auf dem Markt zu positionieren.

Wie andere junge Büros nehmen wir, wo es möglich ist, an Wettbewerben teil. Jedoch steht bei uns das direkte Gespräch im Vordergrund. Durch unsere spontane und für Architekten ungewöhnliche Teilnahme an den „Bielefelder Immobilentagen“, einer regionalen Messe, haben wir kürzlich wertvolle neue Kontakte knüpfen können.

Welche Rolle spielt für Sie eine lokale Verortung des Büros?

Wir engagieren uns stark für die Sennestadt in Bielefeld. Die Sennestadt ist in den 60ern aus sozialen Gesichtspunkten geplant worden. Die soziale Durchmischung und das „Wohnen für alle“ waren und sind Themen, an die wir anknüpfen. Im Konkreten heißt dies, dass wir etwa auf Schulen zugehen und sie auf ungewöhnliche Weise unterstützen, durch Schulprojekte zum Thema „Architektur und Städtebau“ wie zuletzt bei einen Fotowettbewerb zum Sennestadttag. Dies brachte uns auch positive Resonanzen in der örtlichen Presse. 

Sie bezeichnen sich in Ihrer Selbstdarstellung als „frech, innovativ, selbstbestimmt und vorurteilsfrei“. Wie bringen Sie das in der Praxis zu Ausdruck, wie wirkt sich diese Haltung auf Ihre Architektur aus?

Vorurteilsfrei sind wir, indem wir bereit sind, unkonventionelle Ideen zu durchdenken. Ich meine, Fragen kostet doch nichts. Es geht in erster Linie darum, Flagge zu zeigen. Wir melden uns zu bestimmten Fragen zu Wort. Frech sein heißt, sich einzumischen. Themen die uns bewegen sind das barrierefreie, also das selbstbestimmte Wohnen sowie das Bauen für Gruppen und Gemeinschaften. Auf der einen Seite verwirklichen wir diese im Hausbau, auf der anderen Seite ist der Schulbau unser großes Thema. Zu nennen sind da die Mamre-Patmos-Schule und der Wittekindshof, beides Schulen für Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Da sind innovative Lösungen gefragt und Vorurteile fehl am Platz.Wir haben gute Erfahrungen mit Baukreisen gemacht. Deshalb arbeiten wir ohne Berührungsängste oder Standesdünkel gerne mit Lehrern zusammen, wie zum Beispiel mit Herrn Thies, Schulleiter der Mamre-Patmos-Schule.

In Ihrer Präsentation Ihrer „Mannschaft“ fällt auf, dass Sie eine Fachfrau aus dem Bereich Innenarchitektur, einen Baubiologen und einen Fachmann für Text und Lektorat beschäftigen. Welche Rolle spielt die gezielte Außendarstellung Ihres Büros innerhalb Ihrer strategischen Aufstellung?

Eine multiprofessionelle Mannschaft ermöglicht es uns einerseits, die Angebotspalette zu erweitern. Andererseits können wir uns zunehmend spezialisieren. Gerade betriebsintern hat das riesige Vorteile: Während die Eine Grundrisse zeichnet, schreibt der Andere Briefe oder steht für die Fragen der Kunden zur Verfügung. Unsere bunte Mannschaft schafft es, die Kompetenzen der alberts.architekten nach Außen zu tragen und gezielt Themen zu besetzen. Wir können ein breiteres Angebot ermöglichen und dieses deutlich formulieren. Außerdem werden durch eine Zusammenarbeit Kräfte und Ideen frei. Das kann man nicht hoch genug einschätzen. Man erhält die Chance, Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Gerade in der Unterschiedlichkeit ergänzen wir uns gut.

www.alberts-architekten.de
Autor: Christof Rose