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Serie: Spagat zwischen zwei Städten

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    Inhaber eines jungen Büros mit Standorten in Düsseldorf und Berlin: Anno Lingens (l.) und Karsten Ruf. - Foto: C. Rose

Ein Standbein in Berlin und eines in Düsseldorf, eine Niederlassung in der Bundes- und eine in der Landeshauptstadt. Karsten Ruf (37) und Anno Lingens (38) haben die Standorte ihres Architekturbüros strategisch in Deutschland verteilt - und sich in zwei Jahren bereits ein beachtliches Portfolio aufgebaut. Eine Folge unserer Reihe „Junge Architekten in NRW“.

Beim Start in die Selbstständigkeit hat die Gründung eines zweiten Standorts nicht gerade Priorität. Wie kam es dazu?
Ruf:
Wir kennen uns schon lange. Wir sind beide Düsseldorfer. Wir hatten beide Kontakte in beiden Städten. Da ich in Berlin wohnte und Anno Lingens in Düsseldorf, haben wir uns für die Zusammenarbeit an zwei Standorten entschieden.

Wie klappt das im Berufsalltag?
Ruf:
Wir haben zwei kleine, je für ihren Part spezialisierte Büros aufgestellt. So kann es sein, dass – je nach Auftrag – die Entwurfsplanung in Berlin stattfindet. Die Ausführungsplanung teilt man auf, während Ausschreibung und Vergabe in Düsseldorf geregelt werden.
Lingens: Wichtig ist, dass man sich gut abspricht. Die neuen Technologien tragen dazu bei, die Entfernung zu überwinden. Man darf da nur keine Berührungsängste haben und gleich aufgeben, wenn es mit der Videokonferenzschaltung mal nicht funktioniert.

Welche Vorteile hat Ihre Doppel-Struktur?
Lingens:
Es ist spannend. Man blickt in der praktischen Umsetzung von Bauaufgaben immer wieder über den Tellerrand. Nehmen wir mal den Kindertagesstättenbau: Da wird in Berlin so manches anders, zum Teil unkomplizierter geregelt als in NRW. Das sind Erfahrungen, die wir mitbringen und hier in die Bauämter und zu den Bauherren tragen.

Der Bau von Kindertagesstätten ist inzwischen einer Ihrer Schwerpunkte.
Ruf:
Ja. In Berlin sind Kita-Plätze gut zu bekommen. In Düsseldorf hingegen ist das schwer. So haben wir eine Studie erstellt, wie das Angebot ausgebaut werden kann, und mit der Stadt Düsseldorf Kontakt aufgenommen. Dort war das Interesse am Ergebnis unserer Untersuchung groß, und wir sind mit Akteuren aus Verwaltung und Wirtschaft ins Gespräch gekommen. So kam es zur Zusammenarbeit mit mehreren Auftraggebern.

Ein ungewöhnlicher Weg der Akquise. Wiegewinnen Sie sonst Bauherren?
Ruf:
Es läuft viel über Empfehlungen. Da sind wir Realisten und nehmen Aufträge auch mal an, wenn sie eher kleiner sind. Es ist nicht immer wichtig, dass ein Projekt einen großen Namen hat. Wenn sich aus einer Zusammenarbeit ein guter Kontakt ergibt, muss man den mitnehmen. Alltagsarbeit ist sehr wichtig. Da darf man sich nicht zu schade sein.

Schauen viele Bauherren auf Ihr Alter?
Lingens:
Ja, in Deutschland sind Vorbehalte gegenüber jungen Büros verbreitet. Da muss man immer Referenzen mitbringen, am besten genau beziffern, wie viele Projekte ähnlicher Art und Größe man schon gemacht hat.
Ruf: Dabei kann das Alter gerade ein Vorteil sein. Als junges Team kann man sich keine Fehler leisten, auch keine kleinen. Natürlich sind wir am Gesamtprojekterfolg interessiert. Und an einem guten Ergebnis, das Renommee bringt sowieso. Trotzdem muss man viel Überzeugungsarbeit leisten.

Vitae:
Karsten Ruf,
*1973, Architekturstudium in Karlsruhe und Paris, Mitarbeit in Büros in Berlin und Straßburg, 2008 Studium der Immobilienökonomie, 2009 Gründung von "Ruf und Partner Architekten".
Anno Lingens, *1972, Architekturstudium in Dresden und Berlin, Mitarbeit in Büros in Düsseldorf und Griechenland, 2004 Baumanagementstudium, 2009 Gründung von "Ruf und Partner Architekten".

Autor: Melanie Brans