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Architekt in Vietnam: Mit Geduld, Neugier und Abenteuerlust

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    Architekt Axel Korn (links) mit seinem internationalen Planungsteam in Vietnam Foto: © Korn Architekten

Zwölf Jahre ist es her, dass Architekt Axel Korn gefragt wurde, ob er in Vietnam für einen großen Projektentwickler Appartement-Gebäude entwerfen möchte. Eine Zeit, in der es in dem südostasiatischen Land an Know-how auf diesem Gebiet fehlte. Axel Korn zögerte nicht lang und ging nach Vietnam. Heute hat er mit seinem Büro ein festes Standbein in Saigon und arbeitet mit seinem internationalen Team unter anderem an der Süderweiterung der Millionen-Metropole. Eine Folge unserer Reihe „Architekten im Ausland“.

Herr Korn, welchen Reiz hat eine Arbeit als Architekt in Vietnam?
Das Land ist jung und entwickelt sich schnell. Die Projekte, die mir hier anvertraut werden, würde ich als Architekt in Deutschland nicht bekommen. Das ist eine große Herausforderung. Auch liegt mir die vietnamesische Lebensart - ein Großteil des Lebens spielt sich im Freien ab, die Menschen sind spontan, leicht zu begeistern und sehr engagiert. Und natürlich spielt auch das fantastische Essen in Vietnam eine große Rolle.

Welchen Herausforderungen begegnet man als Architekt und Planer?
Davon gibt es viele. So ist es schwierig, mit Angestellten, die noch nie ein modernes Einkaufzentrum gesehen haben, einen Entwurf auszuarbeiten. Das Training der Angestellten macht also einen großen Teil der Arbeit aus. Auf Statiker und Haustechniker kann man sich nicht immer verlassen – alles muss überprüft werden. Bei Werkstattzeichnungen der ausführenden Firmen wird das Fehlen der handwerklichen Ausbildung offensichtlich. Und die allgegenwärtige Korruption ist ein großes Problem. In Vietnam sind Generalisten gefragt – aktives Mitwirken bis zur Baufertigstellung ist notwendig um qualitativ anspruchsvolle Architektur zu realisieren.Welche Voraussetzung braucht es, um in Vietnam arbeiten zu können?
Geduld, Adaptionsfähigkeit, Neugier und Abenteuerlust. Die Belohnung ist  eine größere Freiheit im Gestalten und ein höherer Anteil an Entwurfsarbeit im täglichen Arbeiten. Viel Geld zu verdienen, ist jedoch sehr schwierig. Falls das im Mittelpunkt steht, bleibt man besser in Europa. Allerdings werden Ausländer hier als Experten angesehen. Leider sind auch viele wenig qualifizierte Ausländer hier, die sich gut verkaufen. Aber der Markt wird gerade erwachsen und damit steigt das Ansehen der deutschen Architekten als vorrausschauende und sorgfältige Planer.

Wie ist  die Zusammenarbeit mit örtlichen Partnern und Behörden?
In der Architektur ist die Arbeit eher unkompliziert. Einheimischen Auftraggebern mangelt es oft an Fachwissen. Hier vertraut man auf Architekten als Experten. Schwieriger ist es im Städtebau. Die Genehmigung für einen 1:2000 städtebaulichen Plan kann zehn Jahre dauern. Politiker besitzen einen großen Teil der Bodenflächen und versuchen, ihren Besitz optimal innerhalb eines städtebaulichen Plans zu verankern. Auch wird es gerne gesehen, wenn eine genehmigte hohe Bebaubarkeit sich in monetären Zuwendungen niederschlägt. Ein idealistischer Ansatz in der Planung ist selten zu finden – Anwälte öffentlichen Interesses gibt es in Vietnam nur in Ausnahmefällen.

Welche Rolle spielen kulturelle Barrieren? Wie kann man diese überwinden?
Vietnamesen sind sehr offen und interessiert an ausländischem Gedankengut. Wenn man eine ähnliche Offenheit gegenüber der vietnamesischen Kultur mitbringt, sind die Barrieren relativ klein. Feng-Shui spielt eine große Rolle. Besonders in Innenräumen ist das offensichtlich. Wenn aber persönliche Wahrsager des Bauherren unerwartet wesentliche Entwurfsmerkmale eines Projektes in Frage stellen, kann es anstrengend werden. Hier ist Geduld nötig, und man muss sich von mancher Entwurfslogik verabschieden.

Autor: Interview: Melanie Brans