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Aus dem Rheinland nach Südamerika

  • Foto: Portrait Marc Frohn

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    Marc Frohn steuert die Arbeiten in Chile von Köln aus - Foto: H. Rescher

Das 2004 gegründete Büro FAR frohn&rojas ist in Santiago de Chile, in Mexico City und in Köln tätig. Marc Frohn, Jahrgang 1976, steuert die Projekte von Köln aus, während sein Partner Mario Rojas Toledo das Büro in Santiago leitet. Das „Wall House“, ein kubisch-futuristisches Wohnhaus in Santiago de Chile, wurde in 2007 fertig gestellt und findet auch in Deutschland Beachtung. Weitere Projekte in Chile und Mexiko sind in Planung. - Ein Beitrag in unserer Serie „NRW-Architekten im Ausland“.

Als junger Architekt haben Sie mit dem „Wall House“ ihr erstes Projekt in Chile verwirklicht. Bietet Deutschland nicht genügend Möglichkeiten, sich als junger Architekt zu entfalten?

Ich glaube schon, dass Deutschland Möglichkeiten und Herausforderungen für junge Architekten bietet. Mir war es allerdings von Anfang an wichtig, den Handlungsraum auch geografisch zu erweitern. Daher war es eine gezielte Entscheidung, mich zusammen mit meinem Büropartner Mario Rojas Toledo auch in Chile zu engagieren. Wie der Büroname FAR andeutet, versuchen wir, Spielräume, die sich aus der geografischen, kulturellen und technologischen Distanz entwickeln, entwerferisch zu nutzen. Vor diesem Hintergrund ist auch unsere Präsenz in Deutschland besonders wichtig für uns. 

Das „Wall House“, ein Wohnhaus in Santiago de Chile, das in 2007 fertig gestellt wurde, hat auch in Deutschland für Furore gesorgt. Im nächsten Jahr gehen Sie mit einer internationalen Wanderausstellung der Bundesarchitektenkammer auf Reisen. Wie wurde Ihre Arbeit in Chile aufgenommen?

Es gibt kaum etwas Vergleichbares in Chile. Es knüpft nicht an die Tradition des Imports von Architektur wie zur Kolonialzeit, der Moderne oder auch Postmoderne an. Das Projekt geht aber spielerisch mit den uns hier in Deutschland zur Verfügung stehenden Entwurfs- und Materialressourcen und den besonderen Herausforderungen vor Ort um. Aus den Widersprüchen entwickelte sich das Erscheinungsbild des Hauses. In Santiago haben wir schon eine Vielzahl von Namen gehört, die die Leute dem Haus gegeben haben. Wir freuen uns über all diese Reaktionen. Da das Haus aber erst kürzlich fertig gestellt worden ist, werden wir noch etwas abwarten müssen, um zu sehen, wie es von der Kritik aufgenommen wird. 

Wie kam der Kontakt zu den chilenischen Auftraggebern zustande?

Die Bauherren des Wall-House waren Chilenen, die allerdings lange Zeit in Deutschland gelebt haben. Kurz vor ihrer Entscheidung, nach Chile zurückzukehren, haben sie uns auf die Planung ihres Wohnhauses in Santiago angesprochen. Die Folgeprojekte in Chile, wie z. B. Showroom und Regional Headquarters Yuejin, haben wir vor Ort akquiriert. Die Auftraggeber dieser Projekte sind, nachdem sie das Wall House gesehen haben, auf uns zugekommen. 

Inwieweit unterscheidet sich die Planung für Chile von der für einen deutschen Auftraggeber?

Im Falle des Wall-House muss ich sagen, dass unser Verhältnis zu den Bauherren, bedingt durch ihren langen Aufenthalt in Deutschland und den Umgang mit Auftraggebern hier, sehr ähnlich war. Allgemein sind aber das Verhältnis und die Zusammenarbeit mit Bauherren, Fachplanern und Behörden sowohl in Chile, wie auch in Mexico, durch ein starkes persönliches Vertrauensverhältnis bestimmt. Die Produktivität des Arbeitsprozesses hat das enorm bestimmt.  

Welche Rolle spielt der „deutsche“ Bürohintergrund?

Wie man wohl vermutet, genießt deutsche Ingenieurkunst auch in Chile hohes Ansehen. Wenn man bereit ist, sich auf die Bauumstände einzulassen, fällt es auch nicht schwer, den Vertrauensvorschuss zurückzuzahlen. Ohne einen starken Partner vor Ort oder mit einem festen Bürositz, wie dies bei FAR der Fall ist, ist eine Umsetzung vor Ort allerdings kaum möglich. Die meisten Arbeitskräfte vor Ort sind nicht auf dem Bau ausgebildet. Während sie gestern noch für zahlende Kunden den Rasen gemäht oder das Auto gewaschen haben, arbeiten sie morgen auf der Baustelle mit innovativen Baustoffen.  

Zum Büro:
FAR frohn&rojas wurde 2004 gegründet. Die beiden Partner Marc Frohn und Mario Rojas Toledo leiten das Büro mit Sitz in Köln, Santiago de Chile und Mexico City. Marc Frohn, Jahrgang 1976, hat u.a. an der RWTH Aachen und als Fulbright Stipendiat in den U.S.A. studiert und danach in Projektkooperationen u.a. mit b&k+ brandlhuber gearbeitet. Nach dem „Wall House“ in Santiago de Chile steht mit dem Yuejin Showroom an der Panamericana ein weiteres Projekt in Südamerika vor der Realisierung. Kontakt: www.f-a-r.net

Autor: Holger Rescher