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Bauen in der Slowakischen Republik

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    Gernot Schulz: Realisierte Deutsche Botschaft in der Slowakei - Foto/Grafik: Gernot Schulz:architektur, Köln

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    Geplant und voraussichtlich Ende 2006 auch realisiert: die Deutsche Botschaft in der Slowakei - Grafik: gernot schulz:architektur, Köln

In unserer Serie „NRW-Architekten im Ausland“ richtet sich diesmal unser Blick nach Osten, in eines der Länder mit ehemals sozialistischem Regime, das erst vor kurzer Zeit in die EU aufgenommen wurde. Ein Architekturbüro aus Köln erhielt die Gelegenheit, in der Slowakischen Republik ein Gebäude zu realisieren und berichtet von den Hürden, die es dabei zu überwinden galt.

Im Jahr 2000 gelang es dem Kölner Büro Hillebrandt+Schulz (ab 2001 dann gernot schulz:architektur), ein vom Bundesministerium für Raum und Bau (BBR) EU-weit ausgeschriebenes VOF-Verfahren für sich zu entscheiden. Die Aufgabe lautete, ein Residenz-Gebäude für die Deutsche Botschaft in Bratislava zu errichten. 

Zulassung / Kontaktarchitekten

„Als deutscher Architekt allein in die Slowakische Republik zu gehen, um dort zu planen und zu bauen, ist fast unmöglich“, schickt der Büroinhaber Gernot Schulz als erstes Statement voraus. Es bestünde zwar theoretisch die Möglichkeit, nachzuweisen, dass man einen gültigen Abschluss plus mindestens fünf Jahre Berufspraxis erworben hat, jedoch müsse auf jeden Fall eine Prüfung in der Landessprache abgelegt werden.

Darüber hinaus ist für jede Leistungsphase eine eigene Zulassung vonnöten, die jeweils durch eine eigene Prüfung erworben wird. Um überhaupt bauen zu können, ist es daher unumgänglich, sich mehrere Kontaktarchitekten im Land zu suchen. „Es ist kurios, welche Blüten der Bürokratismus dort treibt - für jede Kleinigkeit benötigt man den Stempel einer Behörde, der als Nachweis der Zulassung dient“, berichtet Schulz. Daraus folge, dass man als Architekt Subunternehmer einstellen müsse: einen Kollegen für das Unterzeichnen und Einreichen der Baugenehmigung; einen weiteren, der die Zustimmung der Nachbarn einholt und sich mit den Behörden abstimmt; schließlich einen Dritten als Bauleiter, der bei der Behörde namentlich gemeldet werden muss und alle am Bau beteiligten Gewerke koordiniert.Genehmigungsverfahren

Eine Baugenehmigung in der Slowakischen Republik zu erlangen, ist eine sehr aufwändige Angelegenheit, da das Verfahren 2-phasig aufgebaut ist und insgesamt 18 Ämter beteiligt sind. In der 1. Phase wird die Baumassnahme in Kubatur, Material und Auswirkung auf die Umwelt beschrieben. „Der Aufwand dafür liegt etwas über dem für eine Bauvoranfrage“, erläutert der Planer. Die beteiligten Behörden verfassen jeweils eine Stellungnahme dazu, in der sie zu berücksichtigende Kritikpunkte schriftlich fixieren. Danach arbeitet der Architekt die Änderungswünsche ein und reicht in einer 2. Phase die komplette Planung im Maßstab 1:50 ein.

Wieder folgt ein Durchlauf durch alle Ämter - bei Bedarf muss erneut nachgebessert werden. Die dann erteilte Baugenehmigung ist nur ein Jahr gültig und gleichsam maßgeschneidert. „In unserem Falle wurde vom BBR ein Übersetzer beauftragt, der alle notwendigen Dokumente ins Slowakische übertrug“, erinnert sich Schulz. Ein zusätzlicher Zeitfaktor, der die ohnehin durch zahllose Abstimmungsgespräche sehr lange Planungs- und Bauzeit noch weiter ausdehnte. 

Europäisches Steuerrecht

Ein nicht zu unterschätzendes Thema stellt das Steuerrecht dar. Sobald man einen Auftrag in der Slowakischen Republik bekommen hat, sollte man sich direkt mit einem versierten Steuerberater in Verbindung setzen, der die Feinheiten des EU-Steuerrechts kennt und rechtzeitig geeignete Vorkehrungen treffen kann. Beispiel: Deutsche Planer und Handwerker, die an einem Gebäude in der Slowakischen Republik arbeiten, sind auch dort steuerpflichtig! 

Handwerkliches Niveau

Überrascht und erfreut war Schulz über das hohe handwerkliche Niveau der slowakischen Firmen. Er habe durchweg gute Erfahrungen gemacht, wobei er schon im Vorfeld bei der Planung bewusst auf heikle Oberflächen wie etwa Sichtbeton verzichtet hatte.

Als schwierig dagegen beschreibt er den oft doch sehr laxen Umgang mit mündlichen Absprachen. „Des Öfteren hatten wir einen Termin vereinbart, zu dem unser Gegenüber nicht erschien, es aber auch nicht für nötig hielt, vorher abzusagen“, ärgert sich der Architekt. Ebenso hätten viele der Handwerker Probleme mit dem Bearbeiten der notwendigen Unterlagen. „Alles was Formalien angeht, z. B. Angebote korrekt, vollständig und termingerecht zu bearbeiten oder aber Sicherheitsregeln am Bau einzuhalten, ist katastrophal schlecht“, stellt der Planer fest. Das Lohnniveau bewege sich bei ca. 50 % der hiesigen Handwerkerlöhne. Hingegen habe es weder bei der Beschaffung noch bei der Qualität der Materialien Probleme gegeben. Sprachprobleme

Aufgrund des deutschen Auftraggebers gab es für das Büro keine sprachlichen Hürden zu überwinden. Die Projektsprache war deutsch; jede der beteiligten Firmen hatte mindestens einen Mitarbeiter, der des Deutschen mächtig war. Der erweiterte Rohbau wurde z. B. an eine deutsche Firma vergeben, die ihrerseits slowakische Subunternehmer vor Ort anstellte. 

Fazit

In der Slowakischen Republik existiert eigentlich kein Markt für deutsche Architekten, so die persönliche Einschätzung von Gernot Schulz. Es gebe genügend slowakische Architekten, die generell recht gut ausgebildet seien. Sein Tipp: „Wer keinen persönlichen Bezug zum Land hat oder keinen Auftrag in der Tasche, wird es äußerst schwer haben, dort einen Fuß in die Tür zu bekommen; darüber hinaus ist es für Architekten auch nicht sehr lukrativ.“ Es existiere beispielsweise keine Honorarordnung, so dass die Höhe der Vergütung einzig auf dem Verhandlungsgeschick basiert. Es sei eher umgekehrt der Fall, dass slowakische Planer ins nahe gelegene Wien ziehen, um dort günstige Konkurrenzangeboten abzugeben.Sibylle Eck arbeitet als freie Autorin in LangenfeldWichtige Adressen:

Deutsche Botschaft in der Slowakei:
Hviezdoslavovo Nám. 10, 81303 Bratislava
Tel +421-2- 59 20 44 00; Fax +421-2-54 41 96 34
E-Mail: public@germanembassy.sk 

Slovenská Komora Architektov (Slovak. Archi-tektenkammer)
Panská 15, 81101 Bratislava
Tel +421-7-5443 1080; Fax +421-7-5443 0863
E-Mail: komarch@napri.skURL: www.napri.sk/web/komarch 

Autor: Sibylle Eck