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Dubai: Arbeiten in einem britischen System

  • Foto: Dominic Wanders

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    Dominic Wanders von WANDERS WERNER FALASI Architekten lebt und arbeitet in Dubai - Foto: privat

Dubai galt vor der globalen Wirtschaftskrise als eine der boomendsten Bauregionen der Welt. Die futuristischen und - aus westlicher Sicht - oft überzogen wirkenden Bauwerke waren für hiesige Architekten oft gleichermaßen faszinierend wie erschreckend. Dominic Wanders (Jahrgang 1967) ist seit Oktober 2005 in Dubai als Architekt aktiv. In unserer Serie „NRW-Architekten im Ausland“ haben wir ihn nach seinen Erfahrungen in einer uns häufig fremden Kultur befragt.

Herr Wanders, wie sind Sie dazu gekommen, als Architekt in Dubai zu arbeiten?
DW: Nun, ich hatte im Jahr 2005 Kontakt zu einem Büro, das sich gerade für größere Projekte in Dubai aufbaute. Die Kollegen suchten junge Kräfte, die bereit waren, sich in dieser wachsenden Region zu versuchen. So bin ich zunächst als Mitarbeiter dort eingestiegen. Dass ich dauerhaft in Dubai bleiben würde, habe ich mir damals allerdings nicht vorstellen können.

Welche Voraussetzungen braucht man denn, um in Dubai arbeiten zu können?
Die Vorgaben sind recht rigide. Um als selbstständiger Architekt auf den Markt treten zu können, müssen Sie zunächst eine Lizenz erwerben, denn Sie brauchen einen sogenannten Sponsor, einen lokalen Ingenieur als Partner und müssen über mindestens fünf Jahre Berufserfahrung verfügen. Gemeinsam kann man dann eine „Architectural Engineering Licence" beantragen, die Voraussetzung ist, um in Dubai Bauvorlagen einzureichen.

Wie läuft - aus Sicht europäischer Architekten - die Zusammenarbeit mit örtlichen Architekten und Baubehörden?
Die gesamte Planungs- und Baukultur in Du-bai ist stark vom britischen System beein-flusst. Das Bauen in Dubai ist ein ingenieurs-mäßiger Vorgang. Man ist hier als Architekt Generalplaner und muss einen erheblichen Anteil an Ingenieurs-Leistungen wie Statik und Haustechnik direkt mit anbieten. Die Leistung der Planer reicht üblicherweise nur bis zum Bauantrag, danach übernehmen Bauunternehmen das Geschehen.

Sind die rechtlichen Vorgaben überhaupt mit unseren Gesetzen vergleichbar?
Sie sind zum Teil sogar noch strikter, obwohl die Bauordnung in Dubai nur ca. 60 Seiten umfasst. Was aber in der Praxis umsetzbar ist, hängt ganz entscheidend von den Verhandlungen mit der örtlichen Baubehörde ab. Da hilft es natürlich, wenn Sie über mehrere Projekte Kontakte haben knüpfen können. Man kann aber insgesamt sagen, dass die Genehmigungsverfahren mit unserem westlichen Standard vergleichbar sind.

Und wie steht es mit der Honorierung? Gibt es hier auch feste Vorgaben?
Eine HOAI gibt es in Dubai leider nicht. Die Zahlungssicherheit ist auch sehr gering, so dass wir uns immer Abschläge nach dem Erreichen bestimmter Teilziele zahlen lassen. Im Prinzip ist das Honorar frei verhandelbar, insgesamt kann man aber sagen, dass es für Generalplanungs-Leistungen zwischen drei und sechs Prozent der anrechenbaren Kosten ausmacht. Das klingt nach sehr wenig, man muss aber dabei berücksichtigen, dass die Bauprojekte in Dubai meistens deutlich größer sind als bei uns in Deutschland und dafür der Leistungsumfang entsprechend geringer ist.

Viele Architekten, die gerne im Ausland arbeiten würden, scheuen sprachliche und kulturelle Hürden. Hatten Sie bei Ihrem Markteintritt in Dubai mit kulturellen Barrieren zu kämpfen?
Eigentlich nicht, weil Dubai eine sehr westlich orientierte Stadt ist. Dubai ist für mich ein bisschen wie New York – nur eben auf Arabisch. Ungewohnt waren anfangs die Dimensionen. Wir sollten ein Einfamilienhaus bauen, das mal eben 800 qm Wohnfläche bieten sollte. Da überlegen Sie erst mal ziemlich lange, welches Raumprogramm eine solche Fläche sinnvoll ausfüllen könnte. Für eine wohlhabende arabische Familie mit Angestellten, die auch im Hause wohnen, ist das aber kein Problem.  

Welche Bürostruktur haben Sie heute, und wie sind Ihre Perspektiven? 
Wir sind drei Inhaber, mein Kollege Hannes Werner, der aus dem sauerländischen Olsberg stammt, und Mansoor al Falasi, der Bauingenieur ist und aus Dubai stammt. Gegenwärtig beschäftigen wir rund 20 Mitarbeiter aus Deutschland, England, Jordanien, Indien, Philipinen China und Equador. Wir arbeiten an Projekten aus dem Wohnhausbau und der technischen Infrastruktur. Unser größtes Bauvorhaben ist zur Zeit eine Moschee für über 2000 Gläubige. Trotz der Wirtschaftskrise, die ja auch in Dubai die Baukräne stillstehen lässt,  laufen unsere Projekte glücklicherweise weiter. Ich gehe momentan davon aus, dass ich noch einige Jahre in Dubai bleiben werde.

Zur Person:
Dominic Wanders, Jahrgang 1967, stammt aus dem niederrheinischen Emmerich. Er studierte Architektur in Delft, Stockholm und Berlin und lebt seit Oktober 2005 überwiegend in Dubai. Info unter: www.wwf-architects.com.

Autor: Christof Rose