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Ökologisch planen in der Wüste

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    Landschaftsarchitekt Klaus Klein arbeitet seit vielen Jahren auch in Saudi-Arabien - Foto: privat

Für die Serie „NRW-Architekten im Ausland“ interviewt Frank Maier-Solgk den Landschaftsarchitekten Klaus Klein, der mit seinem Büro WKM seit Jahren Parkanlagen in Saudi-Arabien gestaltet.

Herr Klein, Ihr Büro WKM ist aus dem Büro Roland Weber hervorgegangen, und noch heute trägt es den Namen dieses berühmten Landschaftsarchitekten, der vor allem hier in NRW rund 60 Jahre lang tätig war. Welche Rolle spielt für Sie heute noch das Erbe Roland Webers?
Roland Webers Gärten – zwischen den 1930er und den 1980er Jahren waren es insgesamt mehr als 600 – waren geprägt von Einfachheit und Großzügigkeit. Wir sind diesem Stil in unserer Arbeit bis heute treu bleiben; wir verwalten ferner das Roland Weber-Archiv. Unsere heutigen Aufgaben bei WKM sind jedoch vielfältiger geworden; es sind viele öffentliche Projekte dabei. Vor allem aber sind wir heute international tätig.

Ein Schwerpunkt Ihrer Tätigkeit ist seit Jahren Saudi-Arabien. Hier arbeiten Sie an größeren städtebaulichen Projekten. Wie kam es dazu?
Ich selbst habe sechs Jahre lang für das Büro des Landschaftsarchitekten Richard Bödeker in Riad gearbeitet. In diese Zeit fällt der Beginn größerer Projekte wie das King Abdulaziz Historical Center, ein zentraler, viel besuchter Stadtpark in Riad oder die Anlagen im dortigen Diplomatenviertel, die bis in meine spätere selbstständige Zeit reichten. Später konnte ich diese Verbindungen wieder neu beleben. Manche Projekte kamen über ein befreundetes Büro im jordanischen Amman zustande. Dies alles hat dazu geführt, dass wir hier in Düsseldorf inzwischen ein weiteres Büro, MK2, gegründet haben, dass sich ausschließlich den internationalen, vor allem arabischen Aufgaben widmet.

Woran arbeiten Sie derzeit – und wie organisatorisch?
Ein spannendes Projekt, das jetzt fast abgeschlossen ist, nennt sich Al Bujairy. Das ist ein großer öffentlicher Park, 20 Kilometer nördlich von Riad im Umfeld der historischen Unesco-Welterbestätte Al-Turaif, einer Lehmstadt am Rande eines Wadi. Wir haben dort eine terrassierte Anlage mit schattenspendenden Palmen entwickelt, die von Einwohnern und Ausflüglern als Aufenthaltsort genutzt wird; viele Menschen picknicken dort. Die Entwurfsarbeit und die gesamte Planung  erfolgt von Düsseldorf aus. Vor Ort haben wir lokale Partner, ich selbst fliege schätzungsweise alle vier bis sechs Wochen nach Riad. Unser dortiger Auftraggeber ist die Riad Development Authority.

Was entgegnen Sie auf die vielfach geäußerte Kritik an der Arbeit als Planer für arabische Potentaten?
Riad ist nicht Katar, das Königreich Saudi-Arabien nicht Katar. Wir haben dort gute Erfahrungen gemacht; wir sind zum Teil befreundet mit den arabischen Kollegen vor Ort. Es gibt auch keine Auflagen für uns, und die Arbeitsbedingungen sind in Ordnung. Das mag zum Teil an unserem Beruf als Landschaftsarchitekten liegen, aber wir arbeiten auch mit Frauen zusammen, sowohl in Riad als auch hier in Düsseldorf, wo wir Praktikantinnen aus muslimischen Ländern beschäftigen – unverschleiert.

Dennoch ist es eminent wichtig, sich mit den kulturellen  und religiösen Bedingungen vertraut zu machen. Baulich ist die strengere Geschlechtertrennung zu beachten; keine Toilette darf in Richtung Mekka liegen. In der täglichen Arbeit muss man die Arbeitsunterbrechungen für die Gebete berücksichtigen. Mir scheint sich die gesellschaftliche Situation in Saudi-Arabien insgesamt aber in Richtung Westen zu entwickeln.

Welche Rolle spielt der Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit und der Ökologie in Ihrer Arbeit in Riad?
Das Bewusstsein für Ökologie und Nachhaltigkeit wandelt sich spürbar derzeit. Früher wurde in der Regel sehr wasserintensiv geplant und gebaut, jetzt mehr und mehr mit wassersparendem Bewuchs. Wir waren die ersten, die in dieser Richtung gearbeitet haben. Ich denke, wir haben dazu beitragen können, dass man die Schönheit der heimischen Pflanzenwelt schätzen gelernt hat, die wunderbaren Akazien zum Beispiel, die fast ohne Wasser auskommen, weil die Wurzeln bis zu 500 Meter Tiefe reichen.

Nirgendwo lernt man besser, mit Ökologie umzugehen als in der Wüste. Nirgendwo müssen Sie sich genauer überlegen, was warum wo genau wächst. Ich kann jüngeren Kollegen nur empfehlen, sich diese Kultur und die Natur dort genauer anzusehen. Übrigens: Auch hier spürt man den Klimawandel, es wird feuchter und sogar in den Wüstengegenden außerhalb Riads grüner. Man hört inzwischen sogar Vögel.         

Autor: Dr. Frank Maier-Solgk