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Hans-Günther Wawrowsky (1933-2016): Sorgfältig, gelassen, belesen

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    Hans-Günther Wawrowsky (1933-2016)

Hinter den Initialen stehen Menschen. Nicht wenige der großen Architekturbüros tragen die Initialen ihrer Gründer – häufig als Partnerschaft dreier Gleichgesinnter. Die 1971 gegründete Architektengemeinschaft RKW, benannt nach ihren Gründern Helmut Rhode, Friedel Kellermann und Hans-Günter Wawrowsky, die sich in den vergangenen vier Jahrzehnten zu einem der erfolgreichsten und mit 300 Mitarbeitern größten Büros in Deutschland entwickelte, hat mit dem Tod von Hans-Günter Wawrowsky nun einem der Gründungsväter Lebewohl sagen müssen.

Hans-Günter Wawrowsky war bei RKW gewissermaßen der dritte Mann. 1933 in Bochum geboren, Maurerlehre Anfang der 1950er Jahre, anschließend Studium am Polytechnikum im hessischen Friedberg, Mitarbeit bei Professor Dieter Osterlen in Hannover, der mit Wiederaufbauprojekten nach dem Krieg Bekanntheit und einen Namen besaß, war Wawrowsky 1963 in das Büro von Helmut Rhode in Düsseldorf eingetreten. Rhode besaß mit dem Bau der Horten-Zentrale bereits ein großes Renommee.

Vorausgegangen waren drei Jahre Mitarbeit im Büro bei Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg, doch dürfte auch der Einfluss von Osterlen nachhaltig gewesen sein, für den Wawrowsky Bauleiter bei der neuen Christuskirche in Bochum gewesen war, die neben dem erhalten gebliebenen neugotischen Turm ihren im Krieg zerstörten Vorgängerbau ersetzte. 1970 jedenfalls, so erzählt Friedel Kellermann, gingen er und Wawrowsky zu Rhode: Nun werde es aber langsam Zeit, habe man den Älteren ermuntert; die Dreierpartnerschaft mit Rhode als primus inter pares war auf den Weg gebracht. 

Als erfolgreiches Geschäftsfeld erwies sich in über viele Jahre das Feld der Handelsarchitektur: Horten, Hertie, Karstadt, Peek & Cloppenburg in Frankfurt - die Handelshäuser waren und bleiben bis heute eines der Aushängeschilder des Büros. So auch in den 2000er Jahren, als mit dem Themenkaufhaus „Sevens“ auf der Düsseldorfer Kö ein weiterer, viel beachteter Höhepunkt folgte.

Hans-Günther Wawrowsky selbst war verantwortlich für eines der seinerzeit meist diskutierten Projekte, das Centro in Oberhausen. Das im Stil amerikanischer Malls errichtete Einkaufszentrum war das größte in Europa; der Größenmaßstab, das vergaß die Kritik damals, war dabei bewusst am Ruhrgebiet als Ballungsraum orientiert gewesen. Viel Anerkennung erwarb man sich nach der Wende mit den kontextsensibel sanierten historischen Messehäusern und Kaufhäusern in den neuen Bundesländern, allen voran dem historischen Specks Hof (1995) in Leipzig, bei dem man denkmalgerechte Sanierung mit einer lebendigen und vielfältigen Nutzungskonzeption zu verbinden wusste. 

Was Hans-Günther Wawrowsky vor allem auszeichnete, erzählt Mathias Pfeifer, langjähriger Mitarbeiter und heutiger RKW-Gesellschafter, waren Genauigkeit, aber auch Gelassenheit und Distanz zu allen kurzlebigen Moden. Berlin blieb ein Ort des Interesses für Wawrowsky; in den 1990er Jahren leitetet er das dortige Büro, wie ihn überhaupt der Städtebau, das Planen in größeren Zusammenhängen, interessierte. Vielseitig belesen, war Wawrowsky langjähriges Mitglied im Bund Deutscher Architekten, der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung und im Vorstand des Deutschen Vereins für Stadtentwicklung und Handel Urbanicom.

Im Unterschied zu dem Jahrzehnt, da man als Dreigespann arbeitete, kamen bei RKW ab den 1980er Jahren weitere Partner hinzu. Auch die Branchen und Schwerpunkte änderten sich. Zu den Handelsbauten kamen die Bereiche Wohnungsbau, Hotels, Sportstätten, in den letzten Jahren zunehmend auch Industriearchitektur hinzu. Der Radius der Projekte weitete sich weit über Nordrhein-Westfalen hinaus, bis nach Warschau und Moskau.

Heute gehören auch Bauprojekte für die Kunst, wie aktuell der Bau eines Skulpturenmuseum auf der Insel Hombroich, zum Aufgabengebiet des Büros. Konstant blieb eine auf die Wünsche und Belange des Bauherrn ausgerichtete hohe Professionalität ebenso wie ein hohes Maß an Sorgfalt, für die das Büro RKW bekannt ist.

Am 27. Februar 2016 starb Hans Günter Wawrowsky, der sich schon seit einigen Jahren von der Bürotätigkeit zurückgezogen hatte, nach längerer Krankheit im Alter von 83 Jahren.

Autor: Dr. Frank Maier-Solgk