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Prof. Ernst Josef Althoff (1928 - 2016): Vom Handwerk zur Kunst

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    Prof. Ernst Josef Althoff

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    Das Haus am Nassauer Ring in Krefeld, ausschließlich in Holz und Glas gefertigt. Ein elegantes, einfaches Bauwerk, welches auch vom sozialen Impetus in Althoffs Schaffen zeugt.

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Am 20. Juli ist Professor Ernst Althoff in seinem 89. Lebensjahr gestorben – in Krefeld, der Stadt, in der er 1928 geboren wurde und die er nie verlassen konnte - er hat sie geliebt. Der Tod kam unerwartet. Keinen Monat zuvor waren wir bei unserem gemeinsamen Freund Professor Roland Günter zu dessen 80. Geburtstag in Eisenheim – ein Fest, welches Ernst Althoff sichtlich viel Freude bereitete.

Meinem Lehrer und Freund Ernst Althoff werde ich zeitlebens dankbar sein. Er hat mich, als seinen Juniorpartner, mit dem Sanierungsprojekt der Arbeitersiedlung Eisenheim auf schnellstem Weg in die Selbständigkeit befördert. Damals hatte ich gerade erst das Architektur-Diplom in der Tasche. Für mich begann damit ein außerordentlicher Lernprozess, wie man ihn an keiner Hochschule durchleben kann.

Roland Günter ist überzeugt davon, dass die Verblichenen noch immer unter uns (oder über uns) Lebenden präsent sind. Ich teile mit ihm diese Gewissheit.

Ernst Althoff war sein Leben lang geprägt von der Lehre als Schreiner in der Tischlerei seines Vaters. Zum Holz hatte er ein fast "erotisches" Verhältnis. Der Werkstoff Holz wurde zu seiner Inspirationsquelle und bis ins hohe Alter zu einer ständigen Herausforderung.

Mit seinem Lehrer Hans Schwippert, der ihn an die Düsseldorfer Kunstakademie holte, realisierte Ernst Althoff beeindruckende Möbel und Innenarchitektur. Stellvertretend seien hier die Einbauten mit illuminierten Holzkassetten im "Haus der Wissenschaften" in Düsseldorf erwähnt. Die Raum-im-Raum-Konzepte gehören in unserer Region zum Wertvollsten aus der Nachkriegszeit.

Vom Handwerk zur Kunst – Althoff war ein Vermittler zwischen diesen Welten. Als langjähriges Mitglied im Deutschen Werkbund war er davon überzeugt, dass es keine Trennung zwischen Material und Gestalt gibt – beides bedingt einander. "Die Kunst der Fuge", die Althoff bewusst aus der Musik entlehnt hatte, spielte bei Gesprächen immer eine zentrale Rolle. Die Nahtstellen zwischen den Bauelementen, die Fügemittel, sind beim legendären "Bett für einen Künstler", welches er für Joseph Beuys baute, beispielhaft zelebriert.

Es würde den Rahmen dieser Rückbesinnung sprengen, wollte man die vielen Werke von Ernst Althoff umfassend thematisieren. Im Geiste der klassischen Moderne und des Bauhauses entstanden zahlreiche beispielhafte Häuser. Das Glanzstück war aber meines Erachtens sein eigenes Wohnhaus am Nassauer Ring in Krefeld. Dieses hat die turbulenten Zeiten bedauerlicherweise nicht unbeschadet überlebt. (Es wurde in modifizierter Form in Hamminkeln bei Wesel wieder aufgebaut). Ein über der Erde schwebendes, transparentes Langhaus mit drei identischen Wohnmodulen für seine Frau, seine Tochter und sich selbst mit einem Gemeinschaftsraum vor Kopf – selbstverständlich ausschließlich in Holz und Glas gefertigt. Ein elegantes, einfaches Bauwerk, welches auch vom sozialen Impetus in Althoffs Schaffen zeugt.

Der "Spielplatz Kunst", 2012 in der städtischen Galerie in Viersen ausgestellt und 2014 im Kulturbahnhof Eller als großer Erfolg gefeiert, führt alles Wesentliche in Althoffs Universum wieder in einem Punkt zusammen: Das Handwerkliche, das Holz als Medium von Kunst und Musik, die Proportionslehren des Goldenen Schnitts und des Corbusier-Modulors. Der instrumentelle und soziale Ansatz seines Architekturverständnisses wird manifestiert durch das Spielen von Kindern und Junggebliebenen – man braucht keine Anweisung, man spielt und musiziert.

Ernst Josef Althoff war ein nachdenklicher Mensch, aber mit seinem verschmitzten Humor auch voller Lebensfreude und Optimismus. Nie hat er sich in den Vordergrund gespielt - und hat doch viele Generationen von Architektur- und Kunststudenten nachhaltig beeinflusst.

Dass Althoff mit seinen persönlichen Kontakten zu Mies van der Rohe, Walter Gropius, Henry van de Velde, Joseph Beuys, Erwin Heerich, Adam Rainer Lynen, Hans Ostendorf, Holger Runge und vielen anderen Größen der Architektur, der Philosophie und der Kunst über eine selten gewordene Lebenserfahrung verfügte, liegt auf der Hand – man wird dieses Wissen sehr vermissen. Dass er lange Jahre im Sachverständigenausschuss der Architektenkammer tätig war, spricht für sein selbstloses berufsständisches Engagement. Dass er mit seinen Beiträgen für die Deutschen Pavillons der Weltausstellungen – 1958 in Brüssel und 1967 in Montreal – auch die Architektur der Nachkriegsepoche mitgeprägt hat oder dass er nach seiner Zeit als Dozent und Professor (1973 – 93) an der Kunstakademie Düsseldorf im Jahr 2010 zum Ehrenmitglied ernannt wurde, waren für ihn verdiente Ehren.

Diese Meilensteine in Althoffs Berufsleben waren wichtig.  Nichts stand für ihn jedoch über seinen Freundschaften – zu Künstlern, Literaten, Akademiekollegen und nicht zuletzt zu seinen ehemaligen Studenten. Viele konnten auf Ernst Althoffs Treue und Hilfsbereitschaft zählen. Der Kontakt mit Hans Peter Thurn steht hier stellvertretend: Dieser wuchs ebenfalls in der Dionysiusstraße in Krefeld auf und wurde dann, am Lehrstuhl für Soziologie an der Kunstakademie, sein langjähriger, freundschaftlicher Gesprächspartner. Für Ernst Althoff war er ein unverzichtbarer Faktor in seinem emotionalen Gefüge.

Der Tod von Ernst Josef Althoff bedeutet für viele einen großen Verlust.

Ein persönlicher Nachruf von Prof. Niklaus Fritschi.

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