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03. Architekturquartett diskutierte über "Arbeitswelten"

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    In lockerer Atmosphäre diskutierte das Quartett im Savoy-Theater über Architektur und „Arbeitswelten“ - Fotos: Thilo Saltmann

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„Die meiste Zeit des Tages verbringen wir an unserem Arbeitsplatz. Da liegt es nahe, sich die Architektur von Arbeitswelten einmal genauer anzusehen.“ - Rund 170 Zuschauer begrüßte AKNW-Präsident Hartmut Miksch beim „03. Architekturquartett NRW“ Ende September im Düsseldorfer Savoy-Theater. Zum dritten Mal hatte die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen in salonhafter Atmosphäre zum Architekturdiskurs eingeladen. Architekt Prof. Carlo Baumschlager (Akademie der Bildenden Künste, München), Journalist Wilhelm Klümper (stellv. Chefredakteur der WAZ, Essen) und Wieland Wettberg (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin) diskutierten mit Moderator und Stadtplaner Prof. Kunibert Wachten über „Arbeitswelten“. „Ein ganz bestimmendes Thema in unserem täglichen Leben“, wie AKNW-Präsident Hartmut Miksch in seiner Einführung herausstellte.

Drei aktuelle Bauwerke diskutierte das Quartett beispielhaft auf der Bühne. Mit dem Düsseldorfer Büroturm "Sky Office" (Ingenhoven Architekten, Düsseldorf), dem neuen Gebäude des Landesumweltamts in Essen (Koschany und Zimmer Architekten, Essen) sowie dem umgenutzten Kloster St. Alfons in Aachen (Kaiser Schweitzer Architekten / Glashaus Architekten, Aachen) waren drei sehr unterschiedliche, charakterstarke Bürohäuser ausgewählt worden. "Allen gemein ist, dass sie den Anspruch erheben, moderne, zukunftsorientierte Arbeitsplätze zu schaffen. Doch alle drei gehen dabei ganz unterschiedliche Wege", konstatierte Christof Rose. Der Pressesprecher der Architektenkammer NRW stellte die drei Bauwerke jeweils in Text und Bild vor.

Das weithin leuchtende "Sky Office" überzeugte das Quartett vor allem aufgrund seiner Adresse. "Die ist natürlich eine Visitenkarte für ein Unternehmen, das sich hier niederlässt", befand Wilhelm Klümper. Wer hier einziehe, suche die große Geste. Bezogen auf die Architektur zeigte sich Prof. Carlo Baumschlager skeptisch. "An solchen Projekten sieht man, dass sich - bedingt durch die Hochhausstruktur - die immer gleichen Strukturen ergeben: ein innen liegender Kern; darum herum gruppiert die Büros. Überzeugend finde ich so etwas nicht."

Weniger in die Höhe als vielmehr in die Breite strebt das Essener Landesumweltamt. Das bemerkte auch das Architekturquartett positiv. Vor allem der Ansatz, das Außengelände, das von Landschaftsarchitekt Konrad Ben Koethner gestaltet wurde, in das Nutzungskonzept einzubeziehen, überzeugte. Angesichts eines für einen Verwaltungsbau typischen Grundrisses betonte das Quartett jedoch einhellig: "Architektur muss kreatives Arbeiten noch mehr unterstützen. Dieser Anspruch findet sich hier nur im Außenbereich wieder."Überzeugend war für das Architekturquartett das Planungskonzept, das Architekten und Bauherren im Falle des Klosters St. Alfons verfolgt haben. Unter Beibehaltung historischer Details seien hier moderne Büroflächen entstanden, die Kommunikation, Begegnung und sogar ein "Wohlfühlen" am Arbeitsplatz ermöglichen. Eine Feststellung, die das Quartett zu einer Zukunftsprognose führte. "Wohin geht der Weg in der Büroarchitektur?" wollte Prof. Wachten wissen. Eine Antwort gab Wieland Wettberg: "Bedingt durch den immer weiter wachsenden Druck am Arbeitsplatz steigen die Unzufriedenheit und die Zahl der psychosomatischen Erkrankungen.“ Eine Büro-Architektur, die nicht nur Identifikation ermögliche sondern auch Mitarbeiter aus ihrer Isolation hole, wirke dem entgegen. "Arbeitgeber, Investoren und Architekten, die dies verstehen, gehen die richtigen Wege."

Autor: Melanie Brans