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Architekturquartett NRW: Lebendiger Auftakt macht Lust auf mehr

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    Die drei diskutierten Objekte (v. l.): das Duisburger "CityPalais", das Düsseldorfer Wohnquartier "Quartis Les Halles" sowie das erzbischöfliche Diözesanmuseum "Kolumba" in Köln. - Fotos: LEG NRW/Marcus Schwier/Hélène Binet

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    Prof. Kunibert Wachten übernahm zugleich die Rolle des Moderators im Architekturquartett.

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    Architekturkritikerin Amber Sayah, Architekt André Poitiers und WDR-Redakteur Wolfgang Frings bildeten gemeinsam mit Kunibert Wachten (Architekt, Stadtplaner und Professor an der RWTH Aachen - nicht im Bild) das erste "Architekturquartett NRW". - Fotos: Thilo Saltmann

  • Das Architekturquartett auf der Bühne im Savoy-Theater.

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    Das Architekturquartett auf der Bühne im Savoy-Theater.

Nordrhein-Westfalen baut sich um und neu. Der Strukturwandel im Ruhrgebiet und der demografische Wandel stellen Politiker und Stadtplaner gleichermaßen vor Herausforderungen. Ein Grund, warum die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen das Thema „Wandel“ zum Leitmotiv für das erste „Architekturquartett NRW“ gemacht hat. Vier Fachleute und Laien diskutierten am 13. August vor gut 300 Zuschauern im Düsseldorfer Savoy-Theater über aktuelle Architektur.

Mit dem „Architekturquartett“ greift die Architektenkammer NRW ein Veranstaltungsformat  auf, das in anderen Bundesländern bereits erfolgreich läuft. In Ludwigsburg, Berlin und München wird schon seit vielen Jahren zum gepflegten Architekturdiskurs eingeladen. Bewusst werden dabei nicht nur Fachleute in die Diskussionsrunde auf der Bühne gebeten. Das lebendige Gespräch auf der Bühne zwischen Fachleuten und interessierten Laien soll den Architekturdiskurs in der breiten Öffentlichkeit anregen. Drei Bauwerke veranschaulichten aktuelle Planungsaufgaben

Das erste „Architekturquartett NRW“ bildeten Architekturkritikerin Amber Sayah, Architekt André Poitiers, WDR-Redakteur Wolfgang Frings und Kunibert Wachten (Architekt, Stadtplaner und Professor an der RWTH Aachen). Genügend Gesprächsstoff gaben das Duisburger Einkaufs-, Veranstaltungs- und Bürozentrum „CityPalais“, das neue Düsseldorfer Wohnquartier „Quartis Les Halles“ sowie das erzbischöfliche Diözesanmuseum „Kolumba“ in Köln. Verbindendes Element bei den drei Bauten ist, dass sie sehr plastisch die Herausforderungen veranschaulichen, vor denen Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner aktuell stehen.

Besonders stark diskutiert wurde das „CityPalais“. Im Stadtzentrum Duisburgs ist damit - gegenüber dem alten Landgericht und in Nachbarschaft zum Stadttheater - ein Bauwerk entstanden, das Casino, Einzelhandel, Gastronomie, Konzertsaal und Büros beheimatet. Eine Multifunktionalität, die die Architektur widerzuspiegeln versucht. „Jedoch ohne richtigen Erfolg“, sagte André Poitiers. Zentren, wie das „CityPalais“ entstünden derzeit überall in den Innenstädten. Problematisch werde es aber immer dann, wenn die Bauten einem universellen Design folgen. Dem stimmte Prof. Kunibert Wachten zu: „Gebäude, die sich beliebig verhalten, brauchen wir nicht!“Da passte es, dass die Runde mit dem „Quartis Les Halles“ ein Beispiel für modernes innerstädtisches Wohnen diskutierte, das alles andere als beliebig ist. Auf einem ehemaligen Düsseldorfer Güterbahnhof entsteht derzeit ein Wohnkomplex, an dem mehrere namhafte Architekturbüros beteiligt sind. „Das Ergebnis ist bunt, und es gefällt mir!“, so Wolfgang Frings. An schwierigen Orten ein Stück Stadt zu bauen, sei eine große Herausforderung, befand die Runde. „Und es ist zugleich eine der wichtigen Zukunftsaufgaben für Architekten.“

Eine ganz besondere Planungsaufgabe wurde schließlich mit dem Diözesanmuseum „Kolumba“ diskutiert. Auf den Grundmauern einer spätgotischen Kirche und eine Kapelle an Ort und Stelle einfassend, ist in der Kölner Innenstadt ein aufsehenerregender Museumsbau entstanden. Der Entwurf des Schweizer Büros Prof. Peter Zumthor begeisterte das Quartett. „Vor allem weil mit einer unglaublichen Pietät vorgegangen ist“, so Amber Sayah. Plastisch beschrieb sie, dass beim Neubau kein einziger historischer Stein versetzt wurde. Das Gebäude selbst habe in Form und Materialwahl eine besondere Zeitlosigkeit erhalten. André Poitiers: „Mit ihm wurde lokal verwurzelte Architektur schlichtweg auf ein internationales Niveau gehoben.“Die zwei Stunden Architekturdiskurs, in denen die Diskutanten auch vor pointierten Bewertungen nicht zurückschreckten, waren kurzweilig und machten Lust auf mehr. Eine Fortsetzung wird es in jedem Fall geben.  „Denn“, so der Präsident der Architektenkammer NRW, Hartmut Miksch, „Architektur und Städtebau leben von der Debatte.“

Autor: Melanie Brans