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Essener Kongress zum klimagerechten Bauen der Zukunft

Nachhaltigkeit beschreibt in der Architektur nicht allein den Anspruch, möglichst umweltverträglich und dauerhaft zu planen und zu bauen. Es umfasst auch das Ziel, Bauwerke zu schaffen, die langfristig funktional und brauchbar sind, die einen dauerhaften ökonomischen und gesellschaftlichen Wert schaffen. Zwei intensive Tage nutzen Vertreter aus der Planungspraxis, der Bauwirtschaft und aus Verwaltungen Mitte Juli zu einer spannenden Nachhaltigkeitsdebatte in Essen. Die „Grüne Hauptstadt Europas – Essen 2017“ hatte Experten und Interessierte eingeladen mit dem Ziel, den Dialog zwischen allen Beteiligten anregen und aktuelle Trends nachhaltigen Bauens aufzeigen. Die Architektenkammer NRW war Kooperationspartner des Kongresses, der unter dem Titel „Nachhaltige Architektur im (Klima-)Wandel - Bauen mit Verantwortung!“ im ThyssenKrupp-Quartier stattfand.

„Als Grüne Hauptstadt Europas möchten wir Themen platzieren, die auch über unsere Stadt hinaus Umweltbewusstsein schärfen – sei es in der Politik, Wirtschaft, der Wissenschaft, der Verwaltung oder einfach bei den Menschen“, betont Oberbürgermeister Thomas Kufen, der die Konferenz eröffnete. Der Kongress verstand sich als Impuls aus der Grünen Hauptstadt für eine grüne Zukunft der Architektur. Im Rahmen von Vorträgen und Diskussionsrunden ging es unter anderem um die Fragestellung, ob die Ertüchtigung des Bestands nachhaltiger sei als Neubau. Wie lassen sich Standards einer gestalterischen und ökologischen Qualität sichern? Wie kann der Einsatz von Ressourcen optimiert werden? Wo liegt die Schnittstelle zwischen architektonischen Anspruch und baulicher Umsetzung?

„Der Gebäudeentwurf ist die entscheidende Phase, in der in besonderem Maße die Nachhaltigkeit eines Vorhabens festgelegt wird“, betonte Dr. Christian Schramm, Vizepräsident der Architektenkammer
Nordrhein-Westfalen, in einem Impulsvortrag.  „Neben einer hohen Funktionalität ist eine gute Gestaltung eine der wesentlichen Voraussetzungen, dass Bauten von der Gesellschaft angenommen und geschätzt werden.“ Auch wenn der Zugang zu Wettbewerben durch die geforderten Referenzen oft schwierig sei, führten diese Verfahren im Ergebnis zu einer Architektur, „die bewegt, die geschätzt wird, die mit Freude genutzt und daher lange erhalten wird - und damit langlebig und nachhaltig ist“, stellte Schramm fest.

Dass in Essen bereits zahlreiche gute Beispiele für nachhaltige Architektur zu finden sind, konnten die Konferenzteilnehmer im Rahmen von Exkursionen erleben: Sie besuchten beispielsweise die Baustelle des RAG-Neubaus auf dem Zollverein-Gelände, der nach dem „Cradle to Cradle“-Prinzip aus ortsbezogenen und schadstofffreien Materialien erstellt wird, das Innovation City Ruhr-Projekt Eltingviertel und das „Passivhaus des Lernens“ in Haarzopf.

„Nachhaltige Architektur besinnt sich darauf, dass Ressourcen nicht unendlich sind“, erläuterte Simone Raskob, Umwelt- und Baudezernentin sowie Projektleiterin der Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017. „Wir müssen Klimaschutz und Energiewandel vorantreiben und hochwertige, aber trotzdem bezahlbare Gebäude schaffen.“

Architekt Sebastian Schlecht, Projektmanager der Grünen Hauptstadt und Organisator der Konferenz, konnte eine positive Bilanz ziehen: „Es wurde deutlich, dass wir die komplexen Aufgaben der Zukunft, die unsere Gebäude und Städte und damit unseren Lebensraum betreffen, nur gemeinsam meistern können.“ Die gute Resonanz habe auch gezeigt, dass viele Architekten an einem Dialog mit dem Anspruch „Bauen mit Verantwortung!“ interessiert seien.

Zur Konferenz ist ein Magazin (PDF) erschienen

 

Autor: pm/Herbert Lintz