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Kommentar: Erwartungen an Schwarz-Gelb

Liebe Kollegin,
lieber Kollege!

der Regierungswechsel, der sich gegenwärtig nach der Wahl in Nordrhein-Westfalen vollzieht, hat für die berufspolitische Arbeit im Bereich des Planens und Bauens markante Folgen. So müssen wir mit Bedauern registrieren, dass kein Berufskollege mehr in unserem Landtag vertreten ist. Auch sind viele der teilweise langjährigen Baupolitiker aus ihren Ämtern und Funktionen ausgeschieden. Und wie das Ressort Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung in der künftigen Landesregierung aufgestellt sein wird, ist zu dem Zeitpunkt, an dem ich diesen Text schreibe, noch nicht absehbar. Es ist eine spannende Phase, die uns viele neue Ansprechpartner bringen wird.

Wir wollen dies als Chance begreifen, unsere neuen Abgeordneten und die neuen Köpfe in den Ministerien und der Verwaltung für unsere Themen zu interessieren und für unsere gemeinsame Sache zu gewinnen! Die AKNW hat in der Vergangenheit mit Bauministern aller politischen Farben konstruktiv zusammengearbeitet, und ich bin sicher, dass dies auch in den nächsten fünf Jahren so sein wird.

Wir arbeiten auf der Grundlage des nordrhein-westfälischen Baukammerngesetzes. Daraus ergibt sich, dass wir die Interessen unserer Kammermitglieder vertreten und die Baukultur in NRW fördern sollen. Wir tun dies auch, indem wir fachliche Fragen gegenüber Behörden und Institutionen, Parlament und Regierung kommentieren; indem wir Stellung beziehen und unsere Beratung anbieten. Die Architektenkammer agiert entsprechend mit einem gesellschaftlichen Auftrag - und damit überparteilich. Vor diesem Hintergrund haben wir im Vorstand unserer Kammer im Mai einen Katalog von Forderungen und Empfehlungen verabschiedet, den wir an alle maßgeblichen politischen Akteure adressiert haben. Wir formulieren 20 Punkte, die wir für die erfolgreiche Weiterentwicklung unseres Bundeslandes im Bereich des Planens und Bauens, der Stadtentwicklung und Infrastruktur für essenziell erachten.

Den konkreten Empfehlungen vorangestellt haben wir dabei die Forderung an die Verantwortlichen von CDU und FDP, bei der Ressortbildung der neuen Landesregierung wieder ein starkes Bauministerium zu etablieren. Das Thema „bezahlbares Wohnen“ ist nicht nur ein Auftrag der Daseinsvorsorge, sondern wird auch in den kommenden Jahren zweifellos politisch von wachsender Dringlichkeit sein. Erfolgreich werden alle Beteiligten hier nur sein können, wenn die Baustandards nicht noch weiter erhöht werden, sondern – ganz im Gegenteil – das Planen und Bauen einfacher wird.

Unser Forderungskatalog spricht natürlich auch die Baukultur in NRW an. Für notwendig erachten wir eine bessere Unterstützung des Denkmalschutzes, die Weiterführung unserer erfolgreichen, gemeinsamen Landesinitiative StadtBauKultur NRW und die Neuverpflichtung des Bau- und Liegenschaftsbetriebs des Landes NRW, die vom Landtag beschlossenen baupolitischen Ziele zu beachten und das Wettbewerbswesen wieder stärker für Planungsaufgaben des Landes zu nutzen.

Nordrhein-Westfalen ist ein vielfältiges und starkes Land. Wir rufen die künftige Landesregierung dazu auf, das politische Gewicht unseres Landes auch in der bundes-politischen Arbeit und im Bundesrat in die Waagschale zu werfen, um auf Bundesebene dafür zu werben, dass das Planen und Bauen in Deutschland insgesamt wieder einfacher und für Investoren und Bauherren attraktiver wird.
Nicht zuletzt wünschen wir uns von Schwarz-Gelb in NRW auch eine ausdrückliche Wertschätzung der Leistungen der Freien Berufe und ihrer beruflichen Selbstverwaltung!

Es grüßt Sie herzlich
Ihr



Klaus Brüggenolte
Vizepräsident der Architektenkammer
Nordrhein-Westfalen
brueggenolte@aknw.de

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