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Kommentar: Heimat bauen

Ernst Uhing, Präsident der Architektenkammer NRW (Foto: Frauke Brenne)

Liebe Kollegin,
lieber Kollege!

Unser Bundesland hat eine neue Landesregierung und damit auch ein neues Landeskabinett. Die für unseren Berufsstand zentralen Themen Bauen, Wohnen und Stadtentwicklung finden sich künftig in dem neugeschaffenen Ministerium für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung wieder. An der Spitze des Hauses steht die ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete Ina Scharrenbach.

Ich mache keinen Hehl daraus, dass wir uns für die neue Legislaturperiode ein eigenständiges Bauministerium gewünscht hätten - dies wäre ein starkes Zeichen an die Planungs- und Baubranche sowie die Wohnungswirtschaft unseres Landes gewesen. Gleichwohl kann auch das Zusammenführen der Ressort Bauen und Kommunales ein durchsetzungsstarkes Ganzes ergeben; insbesondere mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen auf dem nordrhein-westfälischen Wohnungsmarkt. Die Wohnungsbauförderung gestaltet das Land, gebaut wird in den Kommunen vor Ort.

Wir haben keine Zeit verloren und sofort nach Bekanntwerden den Koalitionsvertrag von CDU und FDP einer vertieften berufspolitischen Analyse unterzogen. Im Ergebnis zeigt sich, dass zahlreiche Aussagen und Ankündigungen der Vereinbarung zum Teil erheblichen Einfluss auf die Arbeit des Berufsstandes haben werden. Gleichzeitig können wir feststellen, dass diverse, im Vorfeld der Regierungsbildung geäußerte berufspolitische Forderungen und Positionen der Architektenkammer NRW bei den Koalitionären nicht ungehört geblieben sind.

Neben einem eindeutigen Bekenntnis zum öffentlich geförderten Wohnungsbau sprechen sich CDU und FDP beispielsweise für ein kurzfristiges Aussetzen der soeben novellierten Landesbauordnung durch ein Moratorium aus. Eine erneute Überarbeitung der Landesbauordnung soll sicherstellen, dass baukostensteigernde Vorgaben reduziert oder getilgt werden. Darüber hinaus, und dies ist ein wahrer Paukenschlag, sieht die Koalitionsvereinbarung die Einführung einer abschließenden Vollständigkeitsmitteilung der Bauaufsichtsbehörden im Baugenehmigungsverfahren vor. Den Behörden wird dafür eine Frist von maximal drei Wochen eingeräumt. Allein die Umsetzung dieser beiden Ankündigungen würde zu einer wesentlichen Vereinfachung und einer deutlichen Beschleunigung des Bauens in Nordrhein-Westfalen führen.

Angekündigt haben CDU und FDP auch eine Revitalisierung der Denkmalpflege und eine Anhebung der entsprechenden Fördermittel. Ergänzt werden soll dieser Beitrag zur Stärkung der Baukultur durch eine Erneuerung des Instrumentes "Kunst und Bau" - beides langjährige Forderungen der Architektenkammer NRW.

Nun ist Papier bekanntlich geduldig, und das gilt oftmals in besonderer Weise für politische Vereinbarungen. Ich kann Ihnen aber versichern, dass die Architektenkammer NRW den nun anstehenden Umsetzungsprozess konstruktiv begleiten wird. Die Präsenz unseres Ministerpräsidenten Laschet sowie von vier Ministern auf dem Sommerfest der AKNW am 13. Juli war in jedem Fall ein starkes Signal für die gemeinsame anstehende Arbeit.

Das neu gebildete Ministerium, das Ina Scharrenbach führt, trägt neben dem Bauen, dem Kommunalen und der Gleichstellung auch das neue Ressort "Heimat" im Namen. Die nordrhein-westfälischen Architektinnen und Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner gestalten jeden Tag gemeinsam mit ihren Auftraggebern unsere gebaute Umwelt - man kann auch sagen: unsere Heimat. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit unserer neuen Bauministerin und ihrem Haus. Lassen Sie uns gemeinsam unser Land Nordrhein-Westfalen und unsere Heimat weiterbauen und gestalten!

Ihr 

Ernst Uhing
Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen
uhing@aknw.de 

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