« zurück

Platzgestaltung: Der Mensch im Fokus

  • Bild 1 von 3

    Lebendige Diskussion (v. l.): Markus Lehrmann, Prof. Dr. Franz Pesch, Prof. Mischa Kuball, Lena Zlonicky, Ernst Uhing, Prof. Dr. Wolfgang Sonne, Matthias Kreysing, Prof. Rolf-Egon Westerheide, Henrik Schumann, Prof. Norbert Kloeters - Foto: Ingo Lammert

  • Bild 2 von 3

    Gut 20 Interessierte kam zum Siegener Stadtspaziergang mit Eckhardt Weidt (6. v. r.) - Foto: Lisa Melchior

  • Bild 3 von 3

    Vorträge und die Gelegenheit zum Gespräch bot das öffentliche Frühstück am „Freiraum Weberplatz“ - Foto: Lisa Melchior

Rund um das Ausstellungsprojekt "# Auf die Plätze" bietet die Architektenkammer NRW im September ein umfangreiches Begleitprogramm mit einem Symposium, Werkvorträgen, Spaziergängen und Radtouren. Den Auftakt bildete am 8. September 2017 das Symposium „Stadt braucht Räume“.

„Fragen von Qualität, Funktion und Gestaltung des öffentlichen Raums müssen Teil des öffentlichen Diskurses werden“, forderte Moderator Prof. Rolf-Egon Westerheide, AKNW-Vorstandsmitglied, bei seiner Begrüßung der rund 100 Gäste im Haus der Architekten. Parks und Plätze tragen maßgeblich zur Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihren Städten bei – und so muss letztlich auch der Fokus bei der Planung auf den Menschen gelegt werden, der den öffentlichen Raum am Ende nutzt.

Wie wichtig und prägend das Zusammenspiel von Mensch und öffentlichem Raum seit jeher ist, verdeutlichte auch Prof. Dr. Franz Pesch (pesch partner, Dortmund) in seinem Vortrag über „Konzepte für lebenswerte Städte“: „Noch vor der Schrift ist die Stadt die kostbarste Errungenschaft unserer Zivilisation.“ Er definierte eine lebenswerte Stadt als das gelungene Zusammenspiel von Ort, Kultur und einem aktiven sozialen Leben und zeigte anhand der Geschichte von europäischen Marktplätzen auf, wie die städtische Gesellschaft und das Wirken der Bürger das Gesicht und den Charakter einer Stadt prägen.

Über das Zusammenspiel von Mensch und öffentlichem Raum sprach auch Prof. Dr. Wolfgang Sonne (Lehrstuhl Geschichte und Theorie der Architektur, TU Dortmund) in seinem Beitrag „Stadtplätze als Bühnen des öffentlichen Lebens“: Stadtplätze haben immer auch eine anthropologische Grundfunktion, denn „der Mensch als sozial-kulturelles Wesen hat das grundlegende Bedürfnis, sich im öffentlichen Raum zu treffen und darzustellen.“

Auch Prof. Mischa Kuball beschäftigt sich in seinem Werk mit Darstellungen im öffentlichen Raum und mit der Interaktion der Menschen mit der Stadt, in der sie leben: Er definierte „Kunst als Intervention“ im öffentlichen Raum und verdeutlichte seine These anhand ausgewählter Kunstprojekte und Installationen, die er in Wuppertal, Köln oder Leipzig umsetzen konnte. Er stellte weiterhin das Projekt „les fleurs du mal – Blumen für Marl“ vor, welches auch in der Ausstellung präsentiert wird. In der anschließenden Diskussion suchten Matthias Kreysing (Wuppertalbewegung e.V.), Siegens Stadtbaurat Henrik Schumann, Lena Zlonicky (Stadtplanungsamt Köln), Prof. Norbert Kloeters (3 PLUS Freiraumplaner, Aachen) und Prof. Mischa Kuball nach Antworten auf die Frage „In welchen Räumen wollen wir leben?“

Werkvortrag von Prof. Kunibert Wachten

Den ersten von insgesamt drei Werkvorträgen hielt am 14. September Prof. Kunibert Wachten (scheuvens + wachten, Dortmund): Prof. Wachten ging im Rahmen seines Vortrags auf die Arbeiten und Konzepte seines Büros für stadträumliche Planungen ein. So wurde den knapp 40 Interessierten u. a. die Sanierung und Umgestaltung des Marktplatzes in Mönchengladbach-Rheydt (Planung: Planorama Landschaftsarchitektur, Berlin, mit MONO Architekten; berlin, und Kempen Krause Ingenieure GmbH, Aachen) nähergebracht. Das Büro scheuvens + wachten hatte 2007 ein Konzept für die Revitalisierung der Rheydter Innenstadt entwickelt.   

Spaziergang durch Siegen und öffentliches Frühstück in Essen

Erster dezentraler Termin es am 13.9. in Siegen: Eckhardt Weidt, Leiter der Abteilung Stadtentwicklung und Stadtplanung in Siegen, erläuterte die neuen öffentlichen Räume an der Sieg und die Visionen zur Wiedergewinnung städtebaulicher Qualitäten in der Universitätsstadt. Der Rundgang führte vorbei am Unteren Schloss in der Oberstadt, dem neuen Universitäts-Campus mit Bibliotheksneubau (pbr Planungsbüro Rohling), und ging über in die Innenstadt. Dort hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, sich von den neu gewonnen freiräumlichen Aufenthaltsqualitäten zu überzeugen, die durch die Entfernung der Siegplatte und die Renaturierung des Flussufers gewonnen werden konnten (Planung: Atelier Loidl, Berlin, mit Schultz-Brauns Reinhard Architekten und BPR Dr. Bernhard Schäpertöns & Partner, München).

In Essen lud die AKNW dann am 15.9. zu einem öffentlichen Frühstück und Gesprächen am „Freiraum Weberplatz“. Impulse und Anregungen gaben Simone Raskob, Bau- und Umweltdezernentin der Stadt Essen, die seitens der Stadt das Projektbüro Grüne Hauptstadt Europas 2017 leitet, und Jan Kampshoff (modulorbeat), der mit seinem Büro den Freiraum Weberplatz zum zentralen Kommunikationsort der „Essen – Grüne Hauptstadt Europas 2017“ umgebaut hat.

Autor: Lisa Melchior