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Serie "Arbeitsmodelle": reginadahmeningenhoven - Viel Arbeit im Block

Dr. Regina Dahmen-Ingenhoven (2. v. r.) mit Team in ihrem Düsseldorfer Büro. Aktuell arbeiten hier sechs Frauen und ein Mann - Foto: Thomas Schüpping

Die Frage, ob es eine „weibliche Architektur“ gibt, wird immer wieder kontrovers diskutiert. Dr. Regina Dahmen-Ingenhoven beantwortet die Frage ganz eindeutig positiv. „Ich glaube, dass Frauen eine andere Wahrnehmung haben als Männer. Uns geht es weniger um das Technische, sondern mehr um die Wirkung von Räumen auf den Menschen, um das Wohlfühlen in unserer gebauten Umwelt.“ In ihrem Düsseldorfer Büro „reginadahmeningenhoven –architektur für das einundzwangzigste jahrhundert“ arbeitet sie seit Gründung überwiegend mit Kolleginnen zusammen. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Organisation der Arbeit. – Ein Interview in unserer DAB-Reihe „Neue Arbeitsmodelle“.

Dr. Regina Dahmen-Ingenhoven, unter Ihren Mitarbeiterinnen sind mehrere Mütter, die Kinder zu betreuen haben. Wie regeln Sie die Arbeitszeiten?
Ich habe selbst fünf Kinder und weiß um die Schwierigkeit, Erziehung, Haushalt und Beruf sinnvoll koordinieren zu können. Meine Promotion habe ich oft nachts geschrieben, nach der Arbeit und wenn die Kinder im Bett waren. Ich will meinen Mitarbeiterinnen die größtmögliche Flexibilität geben, damit sie Arbeit und Familie harmonisieren können. Es muss Kernzeiten geben, dennoch erlaubt der Computer flexible und andere Arbeitszeiten.  Die Arbeit soll mit der nötigen persönlichen Entfaltung, aber auch effizient und diszipliniert erledigt werden. Wann jemand das macht, ist nebensächlich.

Das klingt nach sehr selbstbestimmtem Arbeiten. In der Praxis ist das aber oftmals schwer umzusetzen. Immerhin arbeiten Sie auch unter Termindruck.
Natürlich gibt es ein gut besetztes Sekretariat mit einer gut getakteten Terminführung. Wir bearbeiten viele Projekte, die eher klein sind und bei denen es jeweils punktuell zu äußerst intensiven Arbeitsphasen kommt. In diesen Zeiten arbeiten wir nicht selten bis spät in die Nacht. Das wissen wir dann aber auch vorher, sodass sich alle Kolleginnen entsprechend darauf einstellen können. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Zeiten, in denen nicht so viel zu erledigen ist, etwa bei der Projektvorbereitung. Dann können die Mitarbeiterinnen auch mal den ganzen Tag zuhause bleiben. Bei uns läuft die Arbeit oft in Blöcken ab. Das lasse ich bewusst so zu. Die Zukunft wird zeigen, wie viel Kernzeiten im Büro notwendig sind.

Wie stellen Sie dennoch die notwendige Präsenz im Büro sicher – auch den persönlichen Austausch?
Wir haben regelmäßige Arbeitsbesprechungen, die wir als Team hier im Büro durchführen. Der persönliche Austausch ist mir sehr wichtig, weil in der fachlichen Diskussion über ein Vorhaben immer wieder neue Ideen geboren werden und jede Mitarbeiterin ihre Fähigkeiten und Stärken einbringen kann. Viele von uns arbeiten dann ihre Aufgaben auch abends hier vor Ort ab, auch die Mütter. Bestimmte Teile einer Aufgabe kann man auch gut dezentral erledigen, aus dem Home-Office. Wir nutzen diese Spielräume aus, weil es viele Abläufe erleichtert und natürlich eine große Motivation darstellt.

Ihr Team bei reginadahmeningenhoven umfasste in den letzten Jahren etwa fünf bis zehn Mitarbeiter. Wohin soll sich das Büro entwickeln?
Ich bewege mich ganz bewusst in dieser Größenordnung. Sie passt zu unserem Aufgaben- und Dienstleistungsspektrum, und sie ermöglicht uns ein vertrauensvolles Zusammenarbeiten mit hoher persönlicher Verbindlichkeit. Die Architektenszene ist weiterhin ja sehr maskulin geprägt. Wir wollen mit unserer „architektur für das einundzwanzigste jahrhundert“ einen Gegenpol schaffen, eine feminine, fließende, emotionale Architektur. Das spiegelt sich auch in der Art und Weise wider, wie wir zusammenarbeiten.                                                     

Info:
Dr. Regina Dahmen-Ingenhoven leitet seit 1992 ihr Architekturbüro, das seit fünf Jahren seinen Sitz im Düsseldorfer Medienhafen hat. Das Architektur- und Designbüro hat sich vor allem im Bereich Gesundheit, Health and Care sowie in der Gestaltung von Einzelhandelsräumen einen Namen gemacht. Die britische Fachzeitschrift BUILD zeichnete die gebürtige Düsseldorferin als „Female Designer of the Year 2016 – Germany“ aus.

Weitere Informationen über das Büro reginadahmeningenhoven

Autor: Interview: Christof Rose