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Stimmungsbarometer: Es geht bergauf – mit Ausnahmen

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    Erwartete Auftragsentwicklung rot = Steigerung grau = keine Änderung blau = Rückgang

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    Auftragsentwicklung in den letzten sechs Monaten. rot= verbessert grau = gleich geblieben blau = verschlechtert

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Im November 2010 wurde zum 19. Mal die halbjährlich stattfindende Befragung der freischaffenden Mitglieder der Architektenkammer NRW zur wirtschaftlichen Situation ihrer Büros durchgeführt. Insgesamt 731 Kammermitglieder beteiligten sich an der Umfrage.

In 34 % der Büros sind die Umsätze in den vergangenen sechs Monaten gestiegen. Im Mai 2010 fiel dieser Anteil mit 28 % noch deutlich geringer aus. Rückläufige Umsätze haben 18 % der Befragten zu verbuchen. Im Vergleich zur Frühjahrsbefragung ist dieser Anteil um acht Prozentpunkte geschrumpft.

Weniger Büros mit sinkenden Umsätzen

Differenziert nach Fachrichtung zeigen sich nennenswerte Unterschiede in der Umsatzentwicklung. In der Gruppe der Architekten ist der Anteil der Büros mit steigenden Umsätzen seit Beginn der Befragungsreihe im November 2001 noch nie so hoch ausgefallen wie in diesem Herbst (35 %). Der Anteil der Büros mit sinkenden Umsätzen in dieser Berufsgruppe erreicht den tiefsten Stand seit neun Jahren (17 %).

Als insgesamt positiv ist die Umsatzentwicklung auch bei den Landschaftsarchitekten und Stadtplanern zu bezeichnen. In beiden Berufgruppen stieg der Anteil der Büros mit positiver Umsatzentwicklung zwischen Mai und November 2010: Bei den Landschaftsarchitekten um sieben Prozentpunkte auf 34 %, bei den Stadtplanern um einen Punkt auf 36 %. Der Anteil der Büros mit schrumpfenden Umsätzen ging jeweils um drei Punkte zurück auf 22 % (LA) bzw. 23 % (Stadtplaner).

Durchwachsen stellt sich die Umsatzsituation bei den Innenarchitekten dar: Hier schrumpfte der Anteil der Büros mit steigenden Umsätzen seit der Frühjahrsbefragung deutlich um sieben Punkte auf 27 %. In 41 % aller befragten Büros hat sich die Auftragslage in den letzten sechs Monaten verbessert (Mai 2010: 38 %). Schlechter als noch im Frühjahr dieses Jahres ist die Auftragssituation demgegenüber in 21% der Büros (-5 Prozentpunkte). Auch hier zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Fachrichtungen. Bei den Architekten wie auch bei den Stadtplanern hat sich die Auftragslage positiv entwickelt. Negativ hat sich die Auftragssituation für die Innenarchitekten entwickelt: In 32 % der Büros für Innenarchitektur hat sich die Auftragslage im letzten halben Jahr verbessert - ein Rückgang dieses Kennwerts um sieben Punkte seit Mai 2010.Architekten: frei vereinbare Honorare

Rund zwei Drittel (66 %) der befragten Architekten erbringen Leistungen, deren Vergütung gemäß HOAI frei vereinbar ist. Der durchschnittliche kalkulierte Stundensatz für derartige Leistungen liegt bei 79 Euro (arithmetisches Mittel). Der Median fällt mit 75 Euro geringfügig niedriger aus. Durchzusetzen sind diese Honorare gegenüber dem Auftraggeber nach Angaben von 65 % der Architekten.

Innenarchitekten: „Leistungen im Bestand“ (§ 35 HOAI)

Seit Inkrafttreten der HOAI 2009 haben 44 % der befragten Innenarchitekten Erfahrungen mit der neuen Zuschlagsregel gemäß § 35 HOAI „Leistungen im Bestand“ gemacht. Von ihnen geben 66 % an, dass sie gegenüber Bauherren Zuschläge gemäß § 35 HOAI durchsetzen konnten. Rund ein Drittel (34 %) machte demgegenüber die Erfahrung, dass solche Zuschläge nicht akzeptiert werden.

Landschaftsarchitekten: Artenschutzrechtliche Prüfung

Aus der Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes ergibt sich die Notwendigkeit zur Durchführung einer artenschutzrechtlichen Prüfung im Rahmen der Bauleitplanung oder bei der Genehmigung von Vorhaben. 37 % der befragten Landschaftsarchitekten führen derartige Prüfungen durch. Als ein zukünftiges Tätigkeitsfeld wird das artenschutzrechtliche Verfahren von 41 % der Landschaftsarchitekten betrachtet.

Stadtplaner: Leistungen des Büros, die nicht durch die HOAI geregelt sind

Durchschnittlich 57 % aller in den erfassten Büros für Stadtplanung erbrachten stadtplanerischen Leistungen sind nicht durch die HOAI geregelt. Der Median fällt mit 60 % etwas höher aus. In erster Linie handelt es sich dabei um Sachverständigenleistungen (35 %), um Rahmenplanungen und Stadtentwicklungsplanungen (jeweils 29 %) sowie um Bauleitplanungen und nicht weiter spezifizierte Ingenieurleistungen.

Autor: Nicole Reiß