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Stimmungsbarometer: Gemischte Gefühle beim Blick in die Zukunft

Im November 2011 wurde zum 21. Mal die halbjährlich stattfindende Befragung der freischaffenden Mitglieder der Architektenkammer NRW zur wirtschaftlichen Situation ihrer Büros durchgeführt. Insgesamt 459 Kammermitglieder nahmen an der Umfrage teil. Das Ergebnis: Je nach Fachrichtung äußern die Befragten gemischte Gefühle beim Blick in die Zukunft. Innenarchitekten und Stadtplaner sind tendenziell optimistisch, Architekten und Landschaftsarchitekten zeigen sich eher skeptisch.

47 % der befragten Büros haben sich die Umsätze zwischen Mai und November 2011 nicht verändert. Ein gutes Drittel der Befragten (35 %) gibt an, die Umsätze ihres Büros seien im Vergleichszeitraum gestiegen. Rückläufige Umsätze berichten demgegenüber 18 % der befragten Kammermitglieder.

Differenziert nach Fachrichtung zeigt sich zum einen, dass vor allem die Innenarchitekten und Landschaftsarchitekten Umsatzzuwächse verzeichnen konnten: In 38 % der Büros für Innenarchitektur und 43 % der Büros von Landschaftsarchitekten sind die Umsätze zwischen Mai und November 2011 gestiegen. Die Vergleichsanteile für die Architekten und Stadtplaner liegen jeweils bei etwa einem Drittel.

Zum anderen wird deutlich, dass die Innenarchitekten nicht nur besonders häufig Umsatzzuwächse berichten, sondern auch deutlich häufiger als ihre Berufskollegen von Umsatzeinbußen betroffen sind. 29 % der befragten Innenarchitekten geben an, die Umsätze ihres Büros seien zwischen Mai und November gesunken. Die Ver-gleichsanteile für die übrigen Berufsgruppen liegen bei 20 % (Stadtplaner) und 16% (Architekten, Landschaftsarchitekten).

Verglichen mit den Ergebnissen der Frühjahrs-Befragung 2011 hat sich in erster Linie die Umsatzsituation der Landschaftsarchitekten deutlich verbessert. Der Anteil der Büros mit Umsatzzuwächsen ist in dieser Berufsgruppe im letzten halben Jahr um 10 Prozentpunkte gestiegen und erreicht mit 43 % den höchsten Stand seit Beginn der Befragungsreihe im November 2001. Auch bei den Innenarchitekten ist im vergangenen halben Jahr der Anteil der Büros mit Umsatzzuwächsen deutlich gestiegen (+5 Prozentpunkte). Noch stärker wuchs in dieser Berufsgruppe jedoch der Anteil der Büros mit rückläufigen Umsätzen (+12 Prozentpunkte).

Leichte Verschlechterung der Auftragslage

In etwa einem Viertel der Büros (24 %) hat sich die Auftragslage zwischen Mai und November verschlechtert. Gegenüber der Frühjahrs-Befragung ist dieser Anteil um fünf Prozentpunkte gestiegen. Eine verbesserte Auftragssituation melden 37 % der Befragten (Mai: 41 %). Unverändert stellt sich die Auftragslage in 39 % der Büros dar.

Die fachrichtungsbezogene Analyse dieses Ergebnisses zeigt, dass der Anteil der Büros mit verbesserter Auftragssituation in der Berufsgruppe der Landschaftsarchitekten am höchsten ausfällt (44 %), gefolgt von den Innenarchitekten (39 %) und den Architekten (36 %). Den mit 33 % geringsten Anteil an Büros mit verbesserter Auftragslage haben die Stadtplaner. Zugleich ist in dieser Berufsgruppe jedoch auch der geringste Anteil an Büros mit verschlechterter Auftragslage zu finden (20 %). Die Vergleichsanteile für die übrigen Berufsgruppen liegen bei 23 % (Architekten) und 29 % (Innen- und Landschaftsarchitekten).

Seit Mai 2011 ist der Anteil der Büros mit verbesserter Auftragslage bei den Architekten (- 6 Prozentpunkte) und Stadtplanern (-8 Prozentpunkte) geschrumpft. Ein Anstieg des Anteils der Büros mit verbesserter Auftragssituation ist demgegenüber bei den Innenarchitekten (+3 Prozentpunkte) und Landschaftsarchitekten (+5 Prozentpunkte) zu beobachten. Zugleich ist in diesen beiden Berufsgruppen der Anteil der Büros mit negativer Entwicklung der Auftragslage seit der letzten Befragung am stärksten gestiegen: Um 15 Prozentpunkte bei den Innenarchitekten und um 10 Prozentpunkte bei den Landschaftsarchitekten (Stadtplaner: +8 Punkte, Architekten: +3 Punkte). 

Weiterhin vorsichtig optimistisch

Gut die Hälfte der befragten Kammermitglieder (53 %) rechnet für das nächste halbe Jahr mit einer stabilen Auftragssituation. 25% erwarten eine Verbesserung der Auftragslage ihres Büros. 22 % gehen demgegenüber von einer Verschlechterung der eigenen Auftragssituation aus.

Differenziert nach Fachrichtung zeigt sich, dass die Stadtplaner (43 %) und Innenarchitekten (31 %) häufiger optimistisch auf das kommende halbe Jahr blicken als die Architekten (24 %) und die Landschaftsarchitekten (23 %). Eine Verschlechterung der eigenen Auftragssituation erwarten die Landschaftsarchitekten (27 %) häufiger als die Architekten (22 %), Stadtplaner (21 %) und Innenarchitekten (16 %).

Der Vergleich mit den Ergebnissen vom Mai 2011 zeigt, dass der Anteil der „Optimisten“ bei den Stadtplanern und den Innenarchitekten gestiegen ist (+14 bzw. +9 Prozentpunkte), während er bei den Architekten und Landschaftsarchitekten schrumpft (-5 bzw. -3 Prozentpunkte). Einen pessimistischen Blick richten die Landschaftsarchitekten im November 2011 deutlich häufiger in die Zukunft als noch im Mai des gleichen Jahres (+16 Prozentpunkte). Gestiegen ist der Anteil der „Pessimisten“ zudem unter den Stadtplanern (+9 Prozentpunkte) und den Architekten (+3 Prozentpunkte). In der Berufsgruppe der Innenarchitekten ist der Anteil derer, die eine Verschlechterung der eigenen Auftragssituation erwarten, demgegenüber um sechs Prozentpunkte geschrumpft. 

Architekten: Bekanntheit ausgewählter Beratungsangebote der AKNW

Den mit Abstand höchsten Bekanntheitsgrad (92 %) unter den erfragten Beratungsleistungen der AKNW hat die juristische Erstberatung, gefolgt von der Beratung in baurechtlichen Fragen (72 %). Den Büro-vermittlungsdienst der Kammer kennt knapp ein Drittel der befragten Architekten (30 %). 25 % geben an, die Beratung bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kennen, 23 % ist die betriebswirtschaftliche Erstberatung der Kammer ein Begriff.

Innenarchitekten: Innenarchitektur-Bachelor an der Hochschule OWL in Detmold

Knapp ein Viertel der befragten Innenarchitekten (24 %) kennt das neue praxisorientierte Studienangebot des zehnsemestrigen dualen Innenarchitektur-Bachelor an der Hochschule OWL in Detmold. 46 % dieser Innenarchitekten wären bereit, in ihrem Büro qualifizierte und vergütete studienbegleitende Praktikumsplätze bereitzustellen, um Studierende entsprechend zu begleiten. 

Landschaftsarchitekten: Gestaltung und Pflege kommunaler Freiflächen

71 % der Landschaftsarchitekten sind der Meinung, der Gestaltung und Pflege innerstädtischer Freiflächen sollte in Zeiten angespannter kommunaler Haushaltslagen ein höherer Stellenwert eingeräumt wer-den. Die Finanzierung dieser Leistung könnte aus Sicht von 38 % über Einsparungen in der Verwaltung erfolgen. Es wird zudem darauf hingewiesen, dass ausreichende Einsparungen bereits durch ein optimiertes Pflegemanagement erreicht werden können.

Alternative Finanzierungsmöglichkeiten für die Gestaltung und Pflege kommunaler Freiflächen in Zeiten knapper kommunaler Mittel sehen 78 % der Landschaftsarchitekten nicht. Gut ein Fünftel der Befragten zeigt demgegenüber Alternativen auf, z. B. in Form von Fördervereinen oder Stiftungen. Vertreten wird auch in dieser Frage die Meinung, durch die Entwicklung eines Pflegemanagements könnten bereits deutlich Kosten eingespart werden. 

Stadtplaner: Ökologische und gesellschaftliche Herausforderungen an die Stadtplanung

60 % der Stadtplaner sehen angesichts der aktuellen ökologischen Herausforderungen (Klimawandel, Energiewende) neue Tätigkeitsfelder für das eigene Büro, vor allem im Bereich von Klimaschutzsiedlungen und energetischem Bauen. Zwei Drittel dieser Stadtplaner sehen persönlichen Weiterbildungsbedarf in diesem Bereich, vorrangig bezogen auf rechtliche Fragen.

Einen Trend zu verstärkter Bürgerbeteiligung sehen 27 % der befragten Stadtplaner als Chance für ihr Büro. Die Hälfte dieser Stadtplaner sieht persönlichen Weiterbildungsbedarf in diesem Feld, vor allem bezogen auf Techniken der Kommunikation, der Präsentation und der Moderation.

Autor: Nicole Reiß