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Stimmungsbarometer: Wirtschaftliche Situation jedes zweiten Büros (sehr) gut

Im Mai 2013 fand zum 24. Mal die halbjährliche Befragung der freischaffenden Mitglieder der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen zur wirtschaftlichen Situation ihrer Büros statt. Insgesamt 549 Kammermitglieder nahmen an der Umfrage teil.

51 % der Büroinhaber beschreiben die wirtschaftliche Situation ihres Büros als sehr gut oder gut. In einer wirtschaftlich (sehr) schlechten Lage befinden sich 16 % der Büros. Im verbleibenden Drittel der Büros stellt sich die wirtschaftliche Situation weder besonders gut noch besonders schlecht dar.

Differenziert nach Fachrichtung zeigen sich deutliche Unterschiede: 55 % der Architekten und 49 % der Landschaftsarchitekten bezeichnen die wirtschaftliche Lage ihres Büros als (sehr) gut. Mit 41 % bzw. 38 % liegen die Vergleichsanteile für die Innenarchitekten und Stadtplaner allerdings deutlich unter der 50 %-Marke.

In wirtschaftlich schwieriger Lage befinden sich die Büros der „kleinen“ Fachrichtungen wesentlich häufiger als die der Hochbauarchitekten: Während jeder vierte Innenarchitekt und jeder fünfte Landschaftsarchitekt oder Stadtplaner die wirtschaftliche Situation des eigenen Büros als (sehr) schlecht bezeichnet, ist es bei den Hochbauarchitekten nur etwas mehr als jeder Zehnte.

Zahl der Büros mit positiver Umsatzentwicklung weiter rückläufig

Der Anteil der Büros mit positiver Umsatzentwicklung schrumpft zum dritten Mal in Folge von 35 % im November 2011 auf jetzt 25 %. In den Büros der Stadtplaner sind die Umsätze im letzten halben Jahr häufiger gestiegen (32 %) als bei den Landschafts- (27 %) und Hochbauarchitekten (25 %). Der mit 22 % geringste Anteil an Büros mit positiver Umsatzentwicklung findet sich bei den Innenarchitekten.

Der Anteil der Büros mit rückläufigen Umsätzen steigt gegenüber der letzten Befragung um fünf Prozentpunkte auf 22 %.
Im Fachrichtungsvergleich besonders selten von rückläufigen Umsätzen betroffen sind die Hochbauarchitekten (20 %) und Stadtplaner (21 %). Von den Landschaftsarchitekten meldet etwa jeder vierte einen Umsatzrückgang (24 %), bei den Innenarchitekten sind es 29 %.

Leicht getrübter Blick in die Zukunft

Für das restliche Jahr 2013 erwarten 23 % eine Verbesserung der eigenen Auftragssituation, während 25 % mit einer Verschlechterung der Auftragslage rechnen. Etwa jeder Zweite geht von einer gleich bleibenden Auftragssituation aus. Größere Unterschiede zwischen den Fachrichtungen gibt es nur bezogen auf die Berufsträger, die kritisch in die nahe Zukunft blicken: Bei den Stadtplanern sind dies 21 %, bei den Architekten (Hochbau) 23 %. Landschafts- und Innenarchitekten erwarten mit 28 % bzw. 29 % häufiger eine Verschlechterung der Auftragssituation. Verglichen mit der Herbst-Befragung des Vorjahres ist in allen Fachrichtungen der Anteil der Berufsträger, die mit einer Verschlechterung der Situation rechnen, zu Lasten der „Optimisten“ gestiegen.

Innenarchitekten: mittelfristige Entwicklung der Nachfrage

40 % der Innenarchitektinnen und Innenarchitekten erwarten für die kommenden fünf bis zehn Jahre einen Anstieg der Nachfrage nach innenarchitektonischen Leistungen. Demgegenüber gehen 24 % für diesen Zeitraum von einem Nachfragerückgang aus. Die verbleibenden 36 % rechnen mit einer unveränderten Nachfragesituation.
Die Vergabe innenarchitektonischer Leistungen an fachfremde Anbieter (Raumdesigner u. ä.) wird aus Sicht einer knappen Mehrheit (52 %) in den kommenden Jahren zunehmen. Ein Zehntel der Befragten rechnet in dieser Frage mit einer rückläufigen Entwicklung. 38 % gehen nicht davon aus, dass sich der Anteil der „Fremdvergaben“ in den nächsten 5 bis 10 Jahren verändern wird.

Landschaftsarchitekten: Verhandlungsverfahren nach VOF

Ein Drittel der Landschaftsarchitekten beteiligt sich an Verhandlungsverfahren nach VOF (8 % häufig, 25 % zumindest gelegentlich). 66 % dieser Landschaftsarchitekten nehmen (unter anderem) als eigenständige Bewerber an solchen Verfahren teil. 69 % bewerben sich (auch) in einer Bietergemeinschaft mit anderen Architekten. Deutlich seltener, nämlich von 34 %, wird eine Bietergemeinschaft mit Ingenieuren gebildet.

Erfolgreich verlief die Teilnahme an einem Verhandlungsverfahren nach VOF bei insgesamt 63 % der Bewerber: 13 % konnten auf diese Weise häufig, 50 % gelegentlich einen Auftrag akquirieren.

Mehrheitlich werden Verhandlungsverfahren nach VOF von den befragten Landschaftsarchitekten kritisch gesehen. Nur 22 % sehen keine Probleme. Nahezu die Hälfte der Befragten vertritt die Ansicht, die Eignungskriterien seien oft unangemessen hoch (48 %). 32 % bemängeln, die Verfahren seien nicht hinreichend transparent. 18 % kritisieren, die Zuschlagkriterien würden in der Regel vorab nicht bekannt gegeben. Ungestützt wird zudem geäußert, dass kleine Büros diskriminiert würden (3 %) und Kollegen die HOAI in diesen Verfahren deutlich unterschritten (1 %).

Stadtplaner: Bewertung der BauNVO
Zwei Drittel der Stadtplanerinnen und Stadtplaner sind der Ansicht, die BauNVO sei in ihrer grundsätzlichen Ausrichtung bis heute ein bewährtes Instrumentarium zur Steuerung städtebaulicher Entwicklung. Für nicht mehr zeitgemäß wird sie mit 14 % nur von einem kleinen Teil der Befragten gehalten. Die verbleibenden 21 % möchten keine Einschätzung vornehmen.
Anpassungsbedürftig sind die Gebietstypen der BauNVO aus Sicht von 74 % der Stadtplaner, die sich in dieser Frage ein Urteil zutrauen. Genannt werden hier vorrangig die reinen Wohngebiete (48 %). Verzichtbare Gebietstypen enthält die BauNVO nach Meinung von 55 % der Befragten. Auch hier stehen an erster Stelle die reinen Wohngebiete (55 %), gefolgt von den Mischgebieten (27 %).

 

 

Autor: Nicole Reiß, Hommerich Forschung