« zurück

Strukturuntersuchung 2016: Positive wirtschaftliche Entwicklung

  • Bild 1 von 3

  • Bild 2 von 3

  • Bild 3 von 3

Im Mai und Juni 2016 wurden die freischaffend und baugewerblich tätigen Mitglieder der Architektenkammern aller Länder online zur Personal- und Auftragsstruktur ihres Büros, zu Umsätzen, Kosten und Erträgen im Jahr 2015 und zu Wettbewerbsteilnahmen des Büros befragt. Bundesweit beteiligten sich 6.919 Kammermitglieder an der Befragung. Dies entspricht einer Rücklaufquote von 15,7 Prozent. Durch die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen wurden 9.359 Kammermitglieder zu der Befragung eingeladen. 1.842 Kammermitglieder füllten den Fragebogen aus (Rücklaufquote: 19,7 %). Die zentralen Ergebnisse der Befragung stellen wir hier vor.

Auftragsstruktur und -lage

Die in 2015 erbrachten Leistungen der Büros entfallen überwiegend auf die Fachrichtung Architektur: 77 Prozent des Gesamtumsatzes der Büros wurden im Schnitt mit Leistungen der Fachrichtung Architektur erzielt. Durchschnittlich 7 Prozent des Umsatzes aller erfassten Büros sind auf Leistungen der Fachrichtung Innenarchitektur zurückzuführen. Auf Leistungen der Fachrichtungen Landschaftsarchitektur bzw. Stadtplanung entfielen 6 bzw. ein Prozent des Gesamtumsatzes der Büros.

Die in 2015 erbrachten Leistungen der Büros verteilen sich zu ähnlichen Teilen auf die Bereiche „Neubau“ und „Bestandsbau“: 46 % des 2015 erwirtschafteten Umsatzes entfielen auf den Neubau. Dem Bereich „Umbau, Modernisierung, Instandhaltung und Instandsetzung“ waren durchschnittlich 54 % des Umsatzvolumens zuzurechnen. Mit zunehmender Größe der Büros wächst der Anteil der Neubau-Leistungen am Umsatzvolumen.

Umsätze im Berichtsjahr 2015

Der Pro-Kopf-Umsatz der NRW-Büros lag im Referenzjahr 2015 im Mittel bei 62 491 Euro (Median). Das arithmetische Mittel fiel mit 69 170 Euro höher aus, was auf eine rechtsschiefe Verteilung hinweist: Während die Zahl der Pro-Kopf-Umsätze unterhalb des arithmetischen Mittels lag, überstiegen die Umsätze in einer Minderheit der Büros das arithmetische Mittel deutlich. Mit zunehmender Größe der Büros steigen die Pro-Kopf-Umsätze.

In Ein-Personen-Büros lag der Umsatz je Einzelunternehmer im Mittel bei 55 000 Euro (Median). In Büros mit 2 bis 4 tätigen Personen betrug der Pro-Kopf-Umsatz im Schnitt 54 422 Euro. Büros mit 5 bis 9 tätigen Personen setzten im Jahr 2015 im Mittel 73 679 € je Mitarbeiter um. In Büros mit 10 und mehr tätigen Personen lag der Umsatz pro Kopf bei 85 833 €. Seit der ersten Befragung zum Berichtsjahr 2006 ist der Pro-Kopf-Umsatz stetig gestiegen: von 46 222 € in 2006, 53 744 € in 2011 und 56 000 € in 2013 auf nunmehr 62 491 €.

Kosten variieren nach Bürostruktur

Die Pro-Kopf-Kosten (ohne Inhaberlohn) betrugen im Jahr 2015 im Mittel 25 000 Euro (Median). Die Kosten variieren deutlich in Abhängigkeit von der Bürogröße. In Ein-Personen-Büros fielen im Mittel Pro-Kopf-Kosten in Höhe von 15 000 Euro an. In kleinen Büros (2 bis 4 Tätige) betrugen die Pro-Kopf-Kosten 23 080 Euro, in den großen Büros (10 und mehr) fielen Kosten in Höhe von 64 846 Euro pro Kopf an.

Das Verhältnis von Personalkosten zu Sachkosten betrug im Referenzjahr 2015 79 Prozent (Personalkosten) zu 19 Prozent (Sachkosten). In Büros mit nur einem Inhaber ohne weitere Mitarbeiter beträgt der Anteil der Personalkosten an den Kosten des Büros 78 %, bei Büros mit 10 und mehr tätigen Personen liegt er bei 85 %.

Überschüsse hängen von Größe ab

Der Überschuss je Inhaber bzw. Partner lag im Jahr 2015 im Mittel bei 55 355 € (Median). Das arithmetische Mittel fällt mit

82 473 Euro deutlich höher aus. Dieses Verhältnis von arithmetischem Mittel und Median zeigt an, dass in der deutlichen Mehrzahl der Büros der Überschuss je Inhaber bzw. Partner unterhalb des arithmetischen Mittels liegt, während in wenigen Büros deutlich höhere Überschüsse je Inhaber bzw. Partner erwirtschaftet werden.

Deutliche Unterschiede in der Höhe des Überschusses je Inhaber sind in Abhängigkeit von der Größe der Büros festzustellen: Einzelunternehmer konnten in 2015 im Mittel einen Überschuss in Höhe von

37 250 Euro erwirtschaften (Median). In kleinen Büros mit 2 bis 4 tätigen Personen lag der Überschuss je Inhaber/Partner im Mittel bei 52 500 Euro, in Büros mit 10 und mehr tätigen Personen wurden in

2015 im Mittel Überschüsse in Höhe von 165 000 Euro je Inhaber/Partner erzielt.

Die Überschüsse je Inhaber haben sich seit dem ersten Berichtsjahr 2006 positiv entwickelt. In 2006 lag der Median für alle Büros noch bei 36 000 Euro. In 2011 waren es 45 000 € und in 2015 nun 55 355 €.

Der Überschuss errechnet sich aus dem Gesamtumsatz eines Büros abzüglich der Gesamtkosten. Das Inhabergehalt wird im Rahmen dieser Berechnung nicht berücksichtigt. Es muss aus diesem Überschuss entnommen werden. Vor allem kleine Büros befinden sich häufig in einer kritischen wirtschaftlichen Lage: 40 Prozent der Ein-Personen-Büros erwirtschafteten im Jahr 2015 einen Überschuss von maximal

30 000 Euro. Im Zeitverlauf zeigt sich aber auch hier eine positive Entwicklung: Der Anteil der Büros mit einem Überschuss pro Inhaber von maximal 30 000 Euro sank von 43 Prozent in 2006 über 34 % in 2011 und 32 % in 2013 auf jetzt 26 %.

Bauvolumen im Berichtsjahr 2015

Das Bauvolumen der betrachteten Büros lag im Jahr 2015 im Mittel bei 1,3 Millionen Euro (Median). Das arithmetische Mittel fiel mit 4 128 696 Euro deutlich höher aus (rechtsschiefe Verteilung). Dieses Verhältnis von arithmetischem Mittel und Median zeigt an, dass in der deutlichen Mehrzahl der Büros das Bauvolumen unterhalb des arithmetischen Mittels liegt, während wenige Büros deutlich höhere Bauvolumina zu verzeichnen hatten.

Das Bauvolumen eines Büros hängt erwartungsgemäß in starkem Maße von der Bürogröße ab. Einzelunternehmer hatten 2015 im Mittel ein Bauvolumen in Höhe von 550 000 Euro (Median). Bei Büros mit 2 bis 4 tätigen Personen lag das mittlere Bauvolumen bei 1 281 667 Euro. Mittelgroße Büros mit 5 bis 9 Tätigen haben im Mittel ein Bauvolumen von 5 Millionen Euro erreicht, und in großen Büros mit 10 und mehr tätigen Personen betrug das mittlere Bauvolumen 12 Mio. Euro.

Die zukünftige Entwicklung ihres Auftragsbestands sehen die befragten Büros tendenziell positiv. 33 Prozent gehen davon aus, dass sich ihr Auftragsbestand in den kommenden 12 Monaten positiv entwickeln wird, 42 Prozent rechnen damit, dass sich ihr Auftragsbestand im Laufe des nächsten Jahres nicht verändern wird.

Stundensätze

2015 betrug der durchschnittliche Stundensatz für einen Inhaber, Partner oder Geschäftsführer 75 Euro (Median). Bei angestellten Architekten aller Fachrichtungen und Stadtplanern (Kammermitglieder) lag der Stundesatz im Mittel bei 65 Euro und damit 5 Euro höher als bei angestellten Absolventen eines Studiums der Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur oder Stadtplanung, die keine Kammermitglieder sind (60 Euro). Technische Beschäftigte erzielten einen mittleren Stundensatz in Höhe von 50 Euro.

Unabhängig von der Beschäftigtengruppe gilt, dass die Stundensätze mit zunehmender Größe eines Büros ansteigen. Der mittlere Stundensatz für Inhaber liegt in Ein-Personen-Büros im Mittel bei 70 Euro (Median). In Büros mit 2 bis 4 tätigen Personen liegt er bei 80 Euro, in Büros mit 5 bis 9 Tätigen bei 85 Euro und in großen Büros (10 und mehr tätige Personen) bei 90 Euro. Bei angestellten Architekten aller Fachrichtungen und Stadtplanern (Kammermitglieder) liegen die mittleren Stundensätze in kleinen Büros bei 65 €, in großen Büros bei 75 Euro. Der mittlere Stundensatz für angestellte Absolventen eines Studiums der Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur oder Stadtplanung liegt in kleinen Büros bei 55 Euro und in großen Büros bei 65 Euro. Für technische Beschäftigte liegt der mittlere Stundensatz bei 45 bis 55 Euro.

Bürogröße und Personalstruktur

Von den 1842 nordrhein-westfälischen Kammermitgliedern, die den Fragebogen zur Strukturuntersuchung unter freischaffend Tätgigen aufüllten, führen deutlich überwiegend (80 %) kleine Unternehmen mit weniger als fünf tätigen Personen.

9 Prozent sind teilzeittätige Inhaber eines Büros ohne weitere Mitarbeiter. Als Vollzeit tätige Inhaber ohne Mitarbeiter sind 33 % der befragten Kammermitglieder tätig. Bei 39 % handelt es sich um (Mit-)Inhaber kleiner Büros mit 2 bis 4 tätigen Personen. (Mit-)Inhaber mittelgroßer Büros mit 5 bis 9 tätigen Personen machen 13 % der Befragtengruppe aus. 7 % sind (Mit-) Inhaber großer Büros mit 10 und mehr tätigen Personen. 82 % aller Büroinhaber sind Männer, nur knapp ein Fünftel sind Frauen. Mit zunehmender Bürogröße sinkt der Anteil weiblicher Inhaber.

In Ein-Personen-Büros und kleinen Büros mit 2 bis 4 tätigen Personen machte der Neubau-Anteil in 2015 weniger als die Hälfte des gesamten Umsatzes aus (38 % bzw. 45 %). In mittelgroßen (5 bis 9 tätige Personen) und großen Büros (10 und mehr tätige Personen) überwogen demgegenüber die Leistungen im Neubaubereich (58 % bzw. 61 % des Umsatzvolumens).

Art der Auftraggeber

Aufträge öffentlicher Auftraggeber sorgten im Jahr 2015 für einen durchschnittlichen Anteil von 12 % am gesamten Umsatz der befragten Büros. Mit wachsender Bürogröße steigt der Anteil öffentlicher Aufträge am Büroumsatz: In Ein-Personen-Büros spielten öffentliche Auftraggeber mit einem durchschnittlichen Anteil von 9 % nur eine untergeordnete Rolle. In Büros mit 2 bis 4 tätigen Personen fiel dieser Anteil mit 11 % schon etwas höher aus. In mittelgroßen Büros (5 bis 9 tätige Personen) sorgten öffentliche Auftraggeber bereits für 17 % des Umsatzes. Am höchsten fiel der Umsatzanteil öffentlicher Aufträge in großen Büros (10 und mehr tätige Personen) mit durchschnittlich 26 % aus. Auf Seiten der nicht-öffentlichen Auftraggeber hatten Privatpersonen in 2015 den höchsten Anteil am Umsatz der befragten Büros.

Die Auftragsstruktur der befragten Büros ist stark von Aufträgen im eigenen Bundesland geprägt. Durchschnittlich 90 % des gesamten Büroumsatzes wurden 2015 mit Aufträgen aus dem Bundesland erwirtschaftet, in dem das Büro seinen Standort hat.

Unter "Daten und Fakten" finden Sie auch die Ergebnisse der letzten Strukturuntersuchungen.

Autor: Nicole Reiß, Hommerich Forschung