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Strukturuntersuchung NRW 2013: Neue Erkenntnisse zu Strukturen und Gehältern bei angestellten Mitgliedern

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    Bruttojahresgehalt 2012 inkl. aller Geldleistungen und Überstundenvergütungen (nur Vollzeittätige) - Grafik: Hommerich Forschung

Im Mai und Juni 2013 wurden die abhängig beschäftigten Kammermitglieder der Architektenkammern aller Bundesländer online zu den Rahmenbedingungen ihrer beruflichen Tätigkeit und ihren Gehältern befragt. Bundesweit wurden 49 423 Kammermitglieder angeschrieben. 9686 Kammermitglieder beteiligten sich an der Befragung (Rücklaufquote: 19,6 %). Die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen bat 14 500 Kammermitglieder um Mitwirkung; hier lag der Rücklauf mit 3054 Antworten aus allen Fachrichtungen (21,1 %) über dem Bundesschnitt. Im Folgenden werden die zentralen Ergebnisse der Befragung dargestellt.

Bei der Auswertung der Daten wurde durchgehend unterschieden zwischen Angestellten in Architektur- und Planungsbüros, Angestellten in der gewerblichen Wirtschaft sowie Angestellten, die im öffentlichen Dienst beschäftigt sind.

Soziodemographische Zusammensetzung

Unter den angestellten Mitgliedern der Architektenkammer NRW überwiegen die Männer: 61 % der Befragten sind männlich, 39 % weiblich. Differenziert nach Alter zeigt sich, dass die Frauen mit durchschnittlich 42 Jahren deutlich jünger sind als ihre männlichen Kollegen (Durchschnittsalter 47 Jahre). Mit abnehmendem Alter der Befragten steigt der Frauenanteil: Von 22 % in der Altersgruppe über 50 Jahre auf 41 % bei den 41- bis 50-Jährigen und auf 46 % bei den 35- bis 40-Jährigen. In der jüngsten Befragtengruppe schließlich (unter 35 Jahre) sind die Frauen mit 56 % in der Mehrheit.

77 % der Befragten sind Architekten. Um Innenarchitekten handelt es sich bei 5 % der Befragten. 9 % der befragten Angestellten sind Landschaftsarchitekten, 11 % Stadtplaner. Durchschnittlich sind die Befragten seit 16 Jahren berufstätig. Angestellte in Architekturbüros haben mit durchschnittlich zwölf Jahren signifikant weniger Berufserfahrung als ihre Kollegen in der gewerblichen Wirtschaft (18 Jahre) und im öffentlichen Dienst (20 Jahre). 44 % der befragten Angestellten haben in 2012 in einem Architektur- oder Planungsbüro gearbeitet. In der gewerblichen Wirtschaft waren 24 % der Befragten beschäftigt, 32 % im öffentlichen Dienst.

Verantwortung und Eingruppierung

36 % der Befragten beschreiben ihre berufliche Tätigkeit als „selbstständiges Ausführen von Tätigkeiten nach Anleitung“. 64 % geben an, Tätigkeiten vollständig selbstständig auszuführen bzw. eine leitende Funktion innezuhaben. Frauen geben häufiger als Männer an, Tätigkeiten nach Anleitung auszuführen. Insgesamt liegt der Frauenanteil unter den Befragten bei 39 %. In der Teilgruppe der weisungsgebunden Tätigen stellen die weiblichen Befragten mit 51 % die knappe Mehrheit, während sie in der Gruppe der Befragten mit Leitungsfunktion mit 32 % unterrepräsentiert sind. Dieser Zusammenhang gilt unabhängig von der unterschiedlichen Altersstruktur bei männlichen und weiblichen Angestellten und ist länderübergreifend festzustellen.

Angestellte in Architektur- und Planungsbüros sind häufiger als andere im Bereich der Werk- und Entwurfsplanung, der Ausschreibung und der Bauleitung tätig. Angestellte in der gewerblichen Wirtschaft sowie im öffentlichen Dienst arbeiten demgegenüber häufiger als Angestellte in Architektur- und Planungsbüros in den Bereichen Projektsteuerung, Bauberatung und Gebäudeunterhaltung. Bei Angestellten im öffentlichen Dienst liegt häufiger als bei anderen ein Tätigkeitsschwerpunkt im Bereich Bauaufsicht bzw. bautechnischer Verwaltung vor.

Vergütung für Vollzeittätige

Die Vollzeit tätigen Angestellten in Nordrhein-Westfalen haben im Referenzjahr 2012 im Mittel 50 400 Euro verdient. Differenziert nach Art des Arbeitgebers zeigt sich, dass Angestellte in Architektur- und Planungsbüros mit 40 800 Euro signifikant weniger verdienen als die Angestellten im öffentlichen Dienst (57 200 Euro) bzw. in der gewerblichen Wirtschaft (63 000 Euro; vgl. Abb.). Diese Abstufung gilt für alle Bundesländer.

Im Ländervergleich zeigt sich ein deutliches Gehaltsgefälle: Die höchsten Gehälter erhalten Angestellte in Architektur- und Planungsbüros in Hamburg (44 000 Euro) und Hessen (43 750 Euro), gefolgt von Rheinland-Pfalz (42 000 Euro). Die niedrigsten Gehälter werden mit rund 34 000 Euro im Saarland und in Sachsen-Anhalt gezahlt. Im Mittel erhält ein Angestellter in einem Architektur- und Planungsbüro in Hamburg somit das 1,3-fache eines Angestellten in einem Architektur- und Planungsbüro in Sachsen-Anhalt. Nordrhein-Westfalen liegt im Ländervergleich auf dem sechsten Platz.

In der gewerblichen Wirtschaft ist das Gehaltsgefälle noch steiler: Es reicht im Ländervergleich von 69 500 Euro in Hamburg bis 47 000 Euro in Thüringen. Nordrhein-Westfalen belegt auch in diesem Ländervergleich den sechsten Platz.

Mit zunehmender Berufserfahrung steigt das Bruttojahresgehalt: Im Mittel verdienen Angestellte, die mehr als 20 Jahre im Beruf sind, das 1,6-fache ihrer Kollegen mit maximal zehn Jahren Berufserfahrung. Angestellte mit hoher beruflicher Eigenverantwortung verdienen im Mittel 1,3mal so viel wie weisungsgebundene Angestellte.

Frauen verdienen signifikant weniger als Männer: Im Mittel erhalten weibliche Angestellte 79 % des Gehalts ihrer männlichen Kollegen. Das mittlere Bruttojahresgehalt der befragten Frauen liegt bei 43 219 Euro. Die männlichen Angestellten verdienen im Mittel 54 835 Euro. Mit der unterschiedlichen Altersstruktur der männlichen und der weiblichen Befragten und der daraus resultierenden unterschiedlich langen Berufserfahrung ist dieser Zusammenhang in den Architektur- und Planungsbüros sowie in der gewerblichen Wirtschaft nicht zu erklären. Auch auf die Tatsache, dass Frauen häufiger weisungsgebundene Tätigkeiten ausführen als Männer, kann die unterschiedliche Höhe der Gehälter in Architektur- und Planungsbüros und der gewerblichen Wirtschaft nicht zurückgeführt werden.

Besondere Bestandteile des Gehalts

24 % der Vollzeit tätigen Angestellten erhalten ein 13. Monatsgehalt. Weihnachtsgeld wird 45 % der Vollzeit tätigen Befragten ausgezahlt. 25 % bekommen zusätzlich zu ihrem Gehalt Urlaubsgeld. Vermögenswirksame Leistungen erhalten 34 % der Vollzeit tätigen Angestellten. Geldwerte Vorteile, Erfolgsprämien und andere Leistungen geben ebenfalls 34 % der Vollzeit tätigen Befragten an.

Angestellte in Architektur- und Planungsbüros erhalten signifikant seltener zusätzliche Geldleistungen als andere Angestellte (60 % zu 88 % in der gewerblichen Wirtschaft und 97 % im öffentlichen Dienst). 35 % der befragten Angestellten geben an, ihr Gehalt werde in regelmäßigen Abständen angepasst. In unregelmäßigen Abständen wird das Gehalt von 47 % der Angestellten angepasst. 18 % geben an, bei ihnen finde keine Anpassung des Gehalts statt. Differenziert nach Arbeitgeber zeigt sich, dass der Anteil der Angestellten, deren Gehalt in unregelmäßigen Abständen oder gar nicht angepasst wird, in Architektur- und Planungsbüros deutlich höher ausfällt als in der gewerblichen Wirtschaft oder im öffentlichen Dienst (90 % zu 58 % bzw. 34 %). In 77 % aller Fälle erfolgt die Gehaltsanpassung nach Tarifvertrag.

Gehaltsentwicklung

63 % der befragten Angestellten erwarten für 2013 einen Anstieg ihres Gehalts im Vergleich zu 2012. 33 % gehen davon aus, dass sich ihr diesjähriges Gehalt im Vergleich zum Vorjahr nicht verändern wird. Mit einem Rückgang des eigenen Gehalts rechnet nur ein kleiner Teil der Befragten (4 %). Angestellte in Architektur- und Planungsbüros rechnen signifikant häufiger als Angestellte in der gewerblichen Wirtschaft und im öffentlichen Dienst damit, dass sich ihr Gehalt nicht verändern wird.

Arbeitsvertrag

95 % der Angestellten haben einen schriftlichen Arbeitsvertrag. Einen befristeten Arbeitsvertrag haben 6 % der Befragten. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der in Vollzeit tätigen liegt bei 40, die der Teilzeittätigen bei 25 Wochenstunden. Insgesamt sind 14 % der Befragten in Teilzeit tätig. Dabei handelt es sich deutlich überwiegend um Frauen.

Die weit überwiegende Mehrheit der Vollzeit tätigen Befragten (83 %) hat 2012 Überstunden geleistet. Dabei waren Überstunden in Architektur- und Planungsbüros sowie in der gewerblichen Wirtschaft weiter verbreitet (jeweils 89 %) als im öffentlichen Dienst (69 %). Durchschnittlich arbeiten die Vollzeit tätigen Angestellten, die Überstunden machen, wöchentlich sechs Stunden mehr als vertraglich festgelegt. Voll bezahlt wurden Überstunden im Referenzjahr 2012 nur bei einem kleinen Anteil der Befragten (4 %). In 15 % der Fälle wurden sie teils bezahlt, teils per Freizeitausgleich abgegolten.

Im Schnitt hatten die Befragten im Referenzjahr 28 Tage Urlaub. Angestellte in Architektur- und Planungsbüros haben durchschnittlich weniger Urlaubstage als Angestellte in der Wirtschaft oder im öffentlichen Dienst.
Die am häufigsten genutzte Form der Altersvorsorge ist das Berufsständische Versorgungswerk (98 %). Mit deutlichem Abstand folgen die Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes (27 %), die Betriebliche Zusatzversorgung (Rente; 23 %) sowie die gesetzliche Rentenversicherung (12 %).

Berufsständisches Engagement

Der weit überwiegenden Mehrheit der Angestellten (76 %) ist nicht bekannt, ob ihr Arbeitgeber sie zum Zweck berufsständischen Engagements in der Architektenkammer oder einem Berufsverband unter Fortzahlung des Gehalts freistellen würde. Bei 8 % der Befragten besteht diese Möglichkeit, bei 16 % der Angestellten nicht.

Weitere Informationen zur aktuellen Strukturuntersuchung:

Strukturuntersuchung NRW 2013 - Zusammenfassung (PDF)

Autor: Nicole Reiß/Hommerich Forschung