« zurück

UrbanSlam3: Potenziale urbaner Unorte aufspüren

  • Bild 1 von 6

    Ihr Thema waren die verschiedenen Facetten von "Stadt - Land - Fluss": Prof Christl Drey (Vors. haus der architektur köln), Julius Esser (Dichter und Poetry Slammer), Johannes Böttger, Franziska Stasch, Claus Christian Lehnert, Annabelle Eicker, Alexander Rakow, Patrycja Muc (Moderatorin), David Keuer und AKNW-Vizepräsident Dr. Christian Schramm (Fotos: T. Saltmann)

  • Bild 2 von 6

    Der junge Kölner Poetry Slammer und Dichter Julius Esser trat außer Konkurrenz auf und trug einen Text über "die Erschaffung kreativer Räume in der Stadt" vor.

  • Bild 3 von 6

    Fast 300 begeisterte Zuschauer waren in die Kölner Balloni-Hallen gekommen, um den Beiträgen der Slammerinnen und Slammer zu lauschen.

  • Bild 4 von 6

    Annabelle Eicker sprach über Wohnkonzepte für demenzkranke Patienten...

  • Bild 5 von 6

    ... und konnte mit ihrem Vortrag das Publikum am besten von sich überzeugen: Sie gewann die Abstimmung des Publikums und wurde zur "Siegerin des UrbanSlam3" gekürt.

  • Bild 6 von 6

    Das Publikum erlebte eine inhaltlich vielfäl-tige und kurzweilige Baukultur-Veranstaltung in thematisch passendem Ambiete. Die Balloni-Hallen waren früher Produktionsstätte für die Kranfabrik Voss.

"Also machen wir die Augen auf für die ungenutzten Räume der Stadt - damit Kreativität in Zukunft eine Zukunft hat!" Natürlich ging es auch poetisch zu beim 3. UrbanSlam der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen. Julius Esser, Dichter, Autor und Poetry Slammer aus Brühl, lieferte als Gast außer Konkurrenz seine Gedanken zum Thema des Abends "Stadt - Land - Fluss". Sein gereimter Vortrag rief dazu auf, ungenutzte Orte in der Stadt aufzuspüren, um an vergessenen Orten neues urbanes Leben zu wagen. Ein Ansatz, den auch die vier UrbanSlammer des Abends am 18. Mai in den Kölner Balloni-Hallen folgten.

Gleich die erste Gruppe stellte ein Projekt vor, das auf künstlerische Weise Wohnen in der Baulücke inszenierte: Das Projekt BLOON war von Studenten mit der Düsseldorfer Künstlerin Agnes Brigida Giannone im Bochumer Bermudadreieck umgesetzt worden. "Was braucht ein Student? Schlafplatz, Laptop, Internetzugang", fasste Alexander Rakow die Ausgangsüberlegung der Gruppe zusammen. Gemeinsam mit seinen Kommilitonen Franziska Stasch und David Keuer stellte er die Realisierung einer großen, begeh- und bewohnbaren Plastikblase vor, die auf einer alten Telefonzelle zwischen zwei Brandwänden installiert wurde. "Es ging uns auch um das Verhältnis von Wohnraum und Öffentlichkeit, von Kommunikation und Abschottung", erklärte Franziska Stasch.

Neue Raumnutzungen untersuchte auch Claus Christian Lehnert. Er hatte in einem Auslandsjahr in Dublin zur Vorbereitung auf seine Master-Arbeit die basement areas der typischen Gregorianischen Einfamilienhäuserreihen untersucht; ehemalige Kohlenkeller im Souterrain, die heute meist leer stehen. In seinem Beitrag zu UrbanSlam stellte er neue Nutzungsideen vor, die auch in Deutschland für ähnliche Räume Anwendung finden könnten: Gemeinschaftsküchen, öffentliche Spielräume, urban gardening-Projekte oder auch Flächen für die Champignon-Zucht - der Feuchte der Räume sei Dank.

Mit untergenutzten Räumen hatte sich auch Annabelle Eicker befasst. Für ihre Masterarbeit hatte sie ein Konzept für die Erdgeschosszone von Plattenbauten in Berlin-Marzahn entwickelt. Ihr Vorschlag: Statt Waschküchen, Fahrradabstellräumen und Gerätekammern sollte in die Erdgeschosszonen der großen Wohnriegel lieber barrierefreie Wohnungen eingezogen werden, die in ihrem Vorschlag speziell für demente Bewohner konzipiert wurden: Mit klarer Orientierung statt Türenwirrwarr; mit Rundgängen statt Sackgassen; mit der Öffnung eines gestalteten Gartens statt des diffusen Abstandgrüns.

Das Verhältnis von Landschaft und Stadtraum war schließlich Thema des vierten Beitrags von Landschaftsarchitekt Johannes Böttger. Sein Fazit lautete: "Wir müssen mehr Überlagerung wagen, mehr Funktionsmischung ermöglichen. Arbeit und Freizeit, Wohnen und Erholung ergänzen sich. Das sollten sie auch in unseren stadträumlichen Planungen tun!"

Alle Slams waren auf maximal zehn Minuten beschränkt. Moderatorin Patrycja Muc ließ am Schluss das Publikum per Applaus-Intensität über den Gewinner abstimmen. Es gewann Annabelle Eicker. "Mit Demenz, wer hätte das gedacht", schmunzelte die Siegerin des Abends.

"Die Aufgaben in der Stadtplanung sind heute vielfältig und drängend", hatte Prof. Christl Drey, Architektin und Stadtplanerin aus Köln, in ihrem Einführungsstatement erklärt. In Köln dränge das Wohnproblem, das vor allem in der Agglomeration zu lösen sei. Außerdem die Verkehrsfrage und der Ausbau der Infrastruktur. "Wir müssen heute in größeren Räumen denken und zugleich die Potenziale im Detail erkennen", rief die und Vorsitzende des "Haus der Architektur" in Köln das Publikum auf. Das Kölner Zentrum für Baukultur war Kooperationspartner des 3. UrbanSlam der Architektenkammer NRW.

AKNW-Vizepräsident Dr. Christian Schramm zog ein mehr als positives Fazit nach zwei intensiven, inhaltlich abwechslungsreichen und dabei überaus unterhaltsamen Stunden. "Wir haben viele junge, frische Ideen kennengelernt, über die sich trefflich diskutieren lässt", resümierte Dr. Schramm. Das Ziel des UrbanSlam der AKNW sei es, Fragen der Architektur und der Stadtplanung mit einem jungen, urbanen Kulturpublikum zu diskutieren. Dieser Einladung wurde in Köln-Ehrenfeld auch im anschließenden Get together noch ausgiebig gefolgt.

Autor: Christof Rose