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Tag der Architektur lockte mehr als 33 000 Besucher

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    Drei Generationen gaben WDR-Redakteur Sven Kroll Auskunft über den Umbau eines historischen Melkerhauses in Datteln: Bauherrin Beatrix Beforth-Peveling (2. v. r.), ihre Tochter Simone Oberhag, Oma Annelise Beforth, Tochter Anna-Katharina Oberhag. Mit am Tisch Innenarchitektin Caroline Olk (l.) und Anika Müller (r.) - Fotos: Christof Rose

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    Medien berichteten umfassend über den TdA: Im WDR liefen verschiedene Berichte, u. a. in der Lokalzeit Dortmund über ein EFH in Datteln

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    Ganz aus Holz: Das Haus von Laura Löhrer und Luis Belsken in der Eifel wurde von Architekt Helmut Lorenz (l.) gebaut - für eine wachsende Familie

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    Am „Westzipfel“: Markus Ulrich (l.) und Joachim Schmidt freuten sich über viele Besucher im Selfkant an der Grenze zu den Niederlanden

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    Innenarchitektin Edda Sührig (2. v. r.) präsentierte die neuen Büroräume von Manfred Pauer (r.) in einer Hofanlage in Münster. Besucher Jan Lippmann (l.) war interessiert

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    Auf der Suche nach Inspiration in Neuss: Kirsten und Wilfried Hauk (l.) dankten Monika und Herwarth Reuter für ihre Offenheit am Tag der Architektur

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    Großzügige Empfangshalle in der neuen Hochschule für Gesundheit in Bochum: Architekt Hans Matt (r.) von Léon Wohlhage aus Berlin und Rainer Pötschke von der Hochschule führten mehrere Gruppen

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    Nach Brandschaden schöner als zuvor: Mathias Paulssen (l.) und Axel Maria Schlimm stellten in Geilenkirchen die Neugestaltung von St. Mariä Himmelfahrt vor

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    Feuerwache in Bielefeld: Architekt Thomas Daum (l.) erläuterte AKNW-Vizepräsident Klaus Brüggenolte (r.) sein Bauwerk - Foto: AKNW

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    AKNW-Präsident Ernst Uhing (2. v. l.) besuchte die Phänomenta in Lüdenscheid und ließ sich von Geschäftsführer Dr. Johannes Pöpping (3. v. l.) und Architekt Linus Wortmann (4. v. l.) den Umbau und die Erweiterung des Science Centers erläutern - Foto: Jakob Salzmann

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    Wohnhaus in Bielefeld-Jöllenbeck: (v. l.) AKNW-Vizepräsident Klaus Brüggenolte mit den Bauherren Ehepaar Gehring und Architekt Daniel Sieker - Foto: AKNW

„Wir sind alle sehr glücklich mit diesem Haus!“ Ein schöneres Lob als das von gleich drei Generationen der Familie Beforth-Peveling im westfälischen Datteln konnten Innenarchitektin Caroline Olk und Architektin Anika Müller kaum erhalten. Aus einem alten Melkerhaus schufen die Planerinnen gemeinsam mit der Baufrauenfamilie ein 210 qm großes, modernes Wohnhaus, das im Erdgeschoss vollständig barrierefrei ist und auch in technischen Fragen höchsten Ansprüchen genügt. „Wir haben hier im Außenbereich gebaut“, erläuterte Caroline Olk die besondere Herausforderung, „und dazu noch in einem Landschaftsschutzgebiet.“ Das komplexe Genehmigungsverfahren habe man aber in guter Zusammenarbeit mit den Behörden erfolgreich durchlaufen. - Ein Beispiel für insgesamt 325 Objekte, die am 25. und 26. Juni am „Tag der Architektur“ in Nordrhein-Westfalen wieder zahlreiche Besucher anlockten.

Unter dem bundesweiten Motto „Architektur für alle!“ waren in NRW in 146 Städten und Gemeinden wieder Hochbauten aller Bauaufgaben,  Quartiere, Gärten und Parks sowie Innenraum- und Bestandsarbeiten  für Besucher geöffnet. „Wir erleben ein wahres Architekturfestival, bei dem das Gespräch zwischen Architekten und interessierten Laien ganz im Vordergrund steht“, erläuterte Ernst Uhing, Präsident der Architektenkammer NRW, bei einem Besuch der Erweiterung des Science Centers „Phänomenta“ in Lüdenscheid. Architekt Linus Wortmann führte den Kammerpräsidenten und viele Architekturfans durch den Umbau der Phänomenta, die u. a. einen markanten neuen Turm zur Aufhängung eines Foucaultschen Pendels erhalten hatte.

Besser Wohnen mit Architekten

Ein deutlicher Schwerpunkt lag auch in diesem Jahr wieder auf dem Thema „Wohnen“, wobei die Spanne von der Modernisierung älterer Wohngebäude über zeitgenössischen Geschosswohnungsbau und den Neubau eleganter Wohnhäuser bis hin zum technisch ambitionierten Einfamilienhaus reicht. „Wir wollen auch bauen und gucken uns gezielt neue Wohnhäuser an“, erzählten Kirsten und Wilfried Hauk, die aus Hilden nach Neuss gefahren waren, um das neue Haus der Familie Reuter zu besichtigen. Architekt Jürgen Gebhardt führte über 100 Besucher durch den Neubau.

Gedrängelt voll war es auch im neuen Wohnhaus von Laura Löhrer und Luis Blesken. Das junge Paar hat sich im kleinen Eifelort Roetgen-Rott auf schmalstem Grundstück ein Haus aus Holz realisiert. „Uns ist unser ökologischer Fußabdruck schon wichtig“, erklärte die junge Bauherrin Laura Löhrer. Architekt Helmut Lorenz ergänzte, dass auch die regionalen Bezüge des Baumaterials und der Bauweise zum Gelingen des Bauwerks beigetragen hätten. „Der Tag der Architektur ist eine wichtige Chance, unser Know-how zu präsentieren und deutlich zu machen, was im Wohnhausbau mit Architekten möglich ist“, erläuterte Helmut Lorenz seine Motivation zur Teilnahme am TdA.

Bauen für Bildung und Glauben

Spannende Projekte gab es auch unter den Hochschul- und Bildungsbauten zu sehen, etwa das neue Berufskolleg im Dortmunder U-Viertel (Gerber Architekten, Dortmund). In Krefeld stellten Karzel Will Karzel Architekten die Campuserweiterung der Hochschule Niederrhein vor. Der Campus Süd wurde eng mit der Stadt vernetzt und erhielt zum Obergath eine repräsentative Adresse. Viele Besucher zeigten sich erfreut über die öffentlichen Räume, u. a. eine mehrfunktionale Rasenfläche, die als Liegewiese dienen, aber auch Raum für Ballspiele oder Gartenfeste bieten kann. „Krefeld hat eine lange Tradition als Web- und Seidenstadt“, erläuterte Architektin Sonja Karzel. „Wir haben das in Analogie aufgegriffen, indem nun ein feiner Metallschleier die Obergeschosse umfasst. Das Gewebe übernimmt die Funktion des Sonnen- bzw. Wärmeschutzes und symbolisiert den Raum für eine konzentrierte Lehr-, Lern- und Forschungsatmosphäre.“

In Bochum stellte Hans Matt von Leon Wohlhage Architekten aus Berlin die neue Hochschule für Gesundheit vor. „Wir haben 2010 den städtebaulichen Wettbewerb gewonnen und sind stolz darauf, mit diesen Gebäuden einen Beitrag zum neuen Gesundheitscampus hier in Bochum leisten zu können“, so Hans Matt, der zum Tag der Architektur eigens aus Berlin angereist war. Die Besucherinnen und Besucher zeigten sich beeindruckt von der Großzügigkeit des zentralen Bauwerks, das Mensa, Bibliothek und Audimax umfasst.

Die thematische Vielfalt der präsentierten Objekte war in diesem Jahr am Tag der Architektur in NRW wieder sehr groß. Zu besichtigen waren auch verschiedene Kirchensanierungen und -umnutzungen. In Geilenkirchen stellten die Architekten Axel Maria Schlimm und Mathias Paulssen die Neugestaltung von „St. Mariä Himmelfahrt“ vor. Nach einem Brand konnte die Kirche nun in moderner Farbigkeit und Konzeption aufgewertet werden. „Wir haben das Raumkonzept der Liturgie des 2. Vatikanums angepasst“, erläuterte Axel Maria Schlimm. Die Kirche entspreche nun wieder in Mobiliar und Gestaltung ihrem eigentlichen, klassizistischen Charakter. „Wir sind froh, dass die Gemeinde diesen Weg mitgegangen ist“, betonte Axel Maria Schlimm.

Eine deutliche Aufwertung, die schon mit dem Architekturpreis der Evangelischen Kirche im Rheinland ausgezeichnet wurde, erfuhr der Willibrordi-Dom in Wesel. Architektin Jutta Heinze hatte vor drei Jahren den Wettbewerb für die neuen Prinzipalstücke des Doms gewonnen. „Wir haben vom Entwurf bis zur Realisierung sehr eng mit der Gemeinde und dem Dombauverein zusammengearbeitet“, erklärte Jutta Heinze den Besucherinnen und Besuchern. Nach nur viermonatiger Planungs- und Bauzeit wurden die neuen Prinzipialstücke schließlich fertiggestellt und am Reformationstag eingeweiht.

Zukunft im Bestand

Die Arbeit im Bestand ist auch für Innenarchitektin Edda Sührig in Münster ein großes Thema. Sie hat sich mit ihrem Büro auf die Umnutzung landwirtschaftlicher Gebäude spezialisiert - und stieß damit am Tag der Architektur auf gewaltiges Interesse. Mehr als 100 Besucher kamen auf die ehemalige Hofanlage, in der die Neugestaltung der Büroräume von Manfred Pauer vorgestellt wurden. „Meine Familie hat eine ähnliche Anlage, und wir überlegen, was wir mit drei nicht mehr benötigten Stall- und Wirtschaftsgebäuden tun sollen“, beschrieb Jan Lippmann den Grund seines Besuchs. „Es ist toll, dass man sich am Tag der Architektur konkrete gebaute Beispiele anschauen kann.“

Spektakulärer ging es in der Landeshauptstadt Düsseldorf zu, wo es diesmal u. a. eine neue Großskulptur zu sehen gab: kadawittfeldarchitektur aus Aachen stellte den neuen Block „Fortuna“ am Kraftwerk Lausward vor. Eine Fassade aus Stahlrahmen hüllt den Block samt Aussichtsplattform ein und stellt - insbesondere in der Dunkelheit mit seinen beleuchteten Fugen - ein neues „Stadtfenster“ unmittelbar im Rheinbogen dar.

Neues vom Westzipfel

Auch die Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten, die sich am Tag der Architektur in NRW beteiligt hatten, konnten sich über mangelndes Besucherinteresse nicht beklagen - trotz des regnerischen Wetters. Bis zum westlichsten Punkt Deutschlands kamen die Besucher: Markus Ulrich hatte mit seinem Büro „archigraphus“ den Grenzpunkt zu den Niederlanden, der mitten im Rodebach liegt, neu in Szene gesetzt. „Bisher fand dieser markante Punkt kaum Beachtung. Jetzt hat sich der ‚Westzipfel‘ unseres Landes innerhalb kürzester Zeit zu einem touristischen Highlight der Region entwickelt“, freute sich Ulrich. Die Französin Claire Anselme, die mit deutschen Freunden am Tag der Architektur unterwegs war, zeigte sich begeistert: „Ein tolles Projekt! Nach den Erläuterungen des Architekten sieht man einfach viel mehr!“

Insgesamt waren am „Tag der Architektur“ am 25. Und 26. Juni in Nordrhein-Westfalen 325 neue und erneuerte Bauwerke sowie Objekte der Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung vor Ort und hautnah erlebbar. Für viele Besucherinnen und Besucher lag der besondere Reiz des Tags der Architektur darin, dass ihnen auch viele Gebäude offenstanden, die normalerweise für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind – das galt für private Wohnhäuser ebenso wie für viele Büro- und Wirtschaftsbauwerke. In diesem Jahr machten 33 000 Besucherinnen und Besucher den Tag der Architektur in NRW wieder zu einem großen Architekturfestival.

Bilddatenbank zum TdA

Fernsehberichte zum Tag der Architektur (Auswahl)

WDR-Lokalzeit Bonn

WDR-Lokalzeit Dortmund

WDR-Lokalzeit Düsseldorf

WDR-Lokalzeit Ruhr

ZDF-Volle Kanne

 

 

Autor: Christof Rose