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Wohnraum für alle entwickeln

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    Die Ausstellung „Alle wollen wohnen. Gerecht. Sozial. Bezahlbar“ läuft bis zum 04.03.18 - Foto: Christof Rose

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    Diskutierten über die Qualitäten im geförderten Wohnungsbau (v. l.): Dr. Ursula Kleefisch-Jobst (M:AI NRW), Kay Noell (MHKBG), Xander Vermeulen Windsant (XVW architectuur) und Ernst Uhing (Präsident AKNW) - Foto: Christof Rose

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    Die Ausstellung „Alle wollen wohnen. Gerecht. Sozial. Bezahlbar“ läuft bis zum 04.03.18 - Foto: Christof Rose

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    Das Sonder-Modul der AKNW zur Ausstellung thematisiert die Entwicklung der europäischen Stadt und formuliert 20 Thesen und politische Positionen zum Umgang mit städtebaulichen Fragen – Fotos: Christof Rose

Ausstellung des M:AI NRW auf Zollverein diskutierte am 7. Februar die Zukunft der Wohnraumförderung in NRW. „Wir brauchen den Mut zu Experimenten!“ Davon zeigte sich Xander Vermeulen Windsant am 7. Februar in einer Diskussion zur Qualität im geförderten Wohnungsbau auf der Zeche Zollverein überzeugt.

Der Architekt aus s‘Hertogenbosch hatte mit seinem Sanierungs- und Erneuerungsprojekt „Kleiburg“ in Bijlmermeer den Mies van der Rohe-Award 2017 gewonnen. Er stellte das Projekt im Rahmen der Ausstellung „Alle wollen wohnen. Gerecht. Sozial. Bezahlbar“ des Museums für Architektur und Ingenieurkunst NRW (M:AI) vor, die noch bis zum 4. März auf Zollverein zu sehen ist. Anschließend diskutierte der junge Niederländer mit AKNW-Präsident Ernst Uhing und Kay Noell, im NRW-Bauministerium u.a. für den experimentellen Wohnungsbau zuständig, über Wege zu qualitätvoller Architektur im geförderten Wohnungsbau.

Das Projekt sei zweifellos einmalig und auch keines des geförderten Wohnungsbaus in den Niederlanden, leitete Dr. Ursula Kleefisch-Jobst, Kuratorin der Ausstellung „Alle wollen wohnen“ und Direktorin des M:AI NRW, die anschließende Diskussion ein.

Der Präsident der Architektenkammer NRW, Ernst Uhing, gratulierte Vermeulen Windsant zu dem gelungenen Experiment, verwies aber auf die Qualitätsstandards, die es im deutschen geförderten Wohnungsbau zu erreichen gelte. „Zu Recht, denn wir wollen jede Ghettobildung vermeiden!“ Die in der Kleiburg erzielten Baupreise von 1100 €/m2 seien in Deutschland nicht zu erreichen - schon allein, weil die energetischen Standards für das Bauen im Bestand hier viel höher seien. Dennoch sprach sich auch Uhing für den Mut zum Experiment aus, wie es die AKNW mit dem NRW-Bauministerium in den „Landeswettbewerben“ regelmäßig bewiesen. Uhing rief auch Bauherren und Investoren dazu auf, ungewöhnliche Projekte - als Experiment - zu wagen.

Kay Noell, der im NRW-Heimat- und Bauministerium das Referat Experimenteller Wohnungsbau leitet, verwies auf die schlechten Erfahrungen, die man in NRW mit großen Bauvolumina im geförderten Wohnungsbau gemacht habe. Auch er hielt die „Kleiburg“ für ein architektonisch äußerst gelungenes Projekt, das „auch sozial ein Experiment bleibt“. Denn die Frage sei, wann Investoren die Wohnungen übernähmen, wie dann Eigentümergemeinschaften über das künftige Schicksal des Großobjektes befinden könnten und wie lange gute Nachbarschaften Bestand hätten. Solche Fragen hätten nichts mit Schwarzmalerei zu tun, sondern mit langjähriger Erfahrung, betonte Noell.

In einem kompakten Vortrag stellte Kay Noell Beispiele aus dem geförderten Wohnungsbau in Nordrhein-Westfalen vor. „Anders als viele denken, haben wir schon seit 30 Jahren hier Qualitäten schaffen können, die keinen Unterschied mehr zwischen gefördertem und frei finanziertem Wohnungsbau erkennen lassen“, unterstrich Noell. Das sei auch richtig, denn heute hätten vier Millionen Haushalte in NRW (jeder zweite) theoretisch Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein. „Es ist deshalb wichtig, den Wohnungsbau weiter öffentlich zu fördern und dazu hohe Qualitäten anzustreben“, waren sich die Diskutanten auf dem Podium in Essen einig.

Bijlmermeer: Der auf Polderland im Südosten Amsterdams geplante und bis 1975 realisierte Stadtteil war auf bis zu 100 000 Einwohner angelegt. Schon kurz nach der Fertigstellung rutschte der gesamte Stadtteil in die soziale Schieflage. Wie Xander Vermeulen Windsant darstellte, wurden schon in den 1990er Jahren weite Teile der großen Bauten, die sich wabenförmig über die Fläche ineinander verschränkten, wieder abgerissen und durch typisch holländische Familienhäuser ersetzt. Die „Kleiburg“ war einer der verbleibenden Riegel mit vier Eingängen für 400 Wohneinheiten. „Im Auftrag unseres Investors haben wir alle Wohnungen in einen ausbaufähigen Zustand versetzt, der den künftigen Eigentümern einen Individualausbau anbot“, berichtete der niederländische Architekt. Für Preise von 75 000 - 99 000 Euro konnten die Wohneinheiten erworben und ausgebaut werden - im Großraum Amsterdam ein äußerst attraktives Angebot zur Eigentumsbildung, das rasch genutzt wurde. „Heute wohnen dort Angehörige der Mittelschicht, aber auch urbane Hipster und Kreative“, resümierte Xander Vermeulen Windhorst.


Ausstellung „Alle wollen wohnen. Gerecht. Sozial. Bezahlbar“. UNESCO-Welterbe Zollverein, Essen. Schacht XII, Halle 5. Läuft bis zum 04.03.18.


 Autor: Christof Rose

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