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Haus der Architekten

Gatekeeper im Medienhafen

Dr. Frank Maier-Solgk

Am Eingang des Düsseldorfer Medienhafens, quasi an seinem der Stadt zugewandten Portal, erhebt sich seit Ende des soeben zu Ende gegangene Jahres ein siebenstöckiger Solitär, dessen prägnante, trotz seiner geschwungenen Fassaden eher streng wirkende Dreiecksform ihn merklich von der neuen, wild bewegten baulichen Umgebung des ehemaligen Handelshafens abhebt. Auch die in waagrechte Fenster- und Brüstungsbänder gegliederte, geheimnisvoll dunkelgrün changierende Glasfassade fällt aus dem von Transparenz bestimmten Rahmen. Die Architektenkammer NRW, die zuvor in einem repräsentativen Gründerzeitbau unmittelbar am Düsseldorfer Hofgarten residierte, hat im Medienhafen, einem von Werbeleuten, Medien und Unternehmensberatern bevorzugten In-Standort, quasi als dessen Gatekeeper, ein modernes und zugleich distinguiertes Domizil erhalten (Architektenbüro werk.um, Darmstadt).

Seit rund fünf Jahren in der Umwandlung vom Industrie- zum Dienstleistungsstandort begriffen, ist der Düsseldorfer Medienhafen nicht eben arm an spektakulärer Büroarchitektur. Die Stars der Zunft, viele aus der Ferne an den Rhein geholt, William Alsop, David Chipperfield, Frank O. Gehry, Stephen Holl, Pritzker-Preisträger Fumihiko Maki, haben neben lokalen Größen wie Ingenhoven/Overdiek, Döring und Petzinka entlang der Kaianlagen des ehemaligen Handelshafens ihre viel diskutierten, zuweilen fulminanten Marksteine gesetzt. Zum Jahreswechsel 2002/2003 ist der begehrte Standort nun um einen weiteren prägnanten architektonischen Akzent reicher - und zugleich eine der letzten verleibenden Baulücken in dem eng bebauten Areal gefüllt.

Mag auch die Form des neuen Gebäudes des Darmstädter Architektenbüros sich nicht ganz so spektakulär geben wie die der Nachbarn - allen voran das dekonstruktivistische Ensemble von Gehrys drei Bürotürmen - so ist es doch keineswegs weniger markant. Die drei Seiten, die bei gleichem Radius in elegantem Schwung konkav gewölbt sind, bilden nur auf den ersten Blick ein gleichseitiges Dreieck. In Wirklichkeit ist alles bewusst ein wenig verzerrt (33m, 29m, 28,40m) in asymmetrischer Grundrissform gehalten. Die Spitzen des Dreiecks wirken, aus der Nähe betrachtet, wie der hoch aufragende Bug (Bauhöhe bis zur Attika 27 Meter) eines mächtigen Ozeandampfers – eine angesichts der Hafenlage nahe liegende Assoziation, die nicht nur in diesem Fall die Architekten beeinflusst hat. Die Mehrheit der neuen Gebäude beiderseits des Hafenbeckens suchen, sei es mit vorkragenden, kranartigen Dachelementen, sei es wie das „Grand Bateau“ von Claude Vasconi mit stark angeschrägten, sich nach unten verjüngenden Fassaden, durch auffallende formale Elemente mithin, das einstige industrielle Ambiente mehr oder weniger plausibel zu erinnern. Die Stadt, die den Bauherren viel Freiheit ließ, auf einen einheitlichen Bebauungsplan verzichtete, aber gleichwohl eine dichte Bebauung bevorzugte, erneuerte ihrerseits die alten Gleisanlagen, beließ Poller, Lastkräne und andere Requisiten der ehemaligen Nutzung. Der Künstler Günther Uecker hat wenige Meter vom Neubau der Architektenkammer entfernt den Kies für seinen „Medienplatz“ symbolisch mit einer Ablagerung des Rheins begründet. In diesem Potpourri der Eindrücke, das insgesamt von der Konkurrenz einzelner, um Aufmerksamkeit bemühter Kubaturen bestimmt ist, betont das kompakte Dreieck der Architektengemeinschaft werk.um eine gewissermaßen distanzierte, körperhafte Eigenständigkeit, passt sich mit seinen geschwungenen Glasfassaden in verhaltener Dynamik der Umgebung an, vor allem etwa dem unmittelbaren Gegenüber, dem Kai-Center von Döring/Dahmen/Joeressen, dessen „stählerner Schiffsrumpf“ seinerseits der gekrümmten Straßenführung folgt.

Eine Reduktion der Form war die erklärte Intention der Architekten angesichts des baulichen Umfelds. Sie haben sie zusätzlich durch die strenge, klar strukturierte Ganzglasfassade unterstrichen, die durch die Fensterbänder und Brüstungen in regelmäßige Streifen gegliedert ist, eine einheitliche Rasterung von 1,65 m aufweist und rückseitig gefärbt ist, was sie zusätzlich von der im Hafen dominierenden farblichen Kombination von Beton und transparentem Glas unterscheidet. Ein weiterer Pluspunkt ist die unmittelbare städtebauliche Einordnung des Solitärs. Angesichts des begrenzten Platzes - das Grundstücks ist das sich verjüngende Endstück eines zwischen zwei parallel verlaufenden Straßen gelegenen Terrains, das über weite Strecken überaus eng bebaut ist - wurde das Beste aus den Gegebenheiten gemacht: Die Architekten haben dem Dreiecksbau gegenüber der Grundstücksgeometrie eine leichte Drehung gegeben, wodurch eine der Längsseiten mit dem Haupteingang sich der Stadt bzw. der Zufahrtsstraße zuwendet und eine - im übrigen leicht erhöhte - Eingangssituation entstanden ist. Diese Andeutung eines Vorplatzes lässt in wohl tuender Weise ein wenig Luft zum Atmen und erinnert an die Möglichkeit einer Architektur, die sich auch Gedanken um ihre unmittelbare Umgebung macht.

Man betritt das Innere des neuen Architekturzentrums der Stadt durch eine niedrige Drehtür und befindet sich sodann in seinem Herzen: einem Atrium, das sich über einer Fläche von gerade einmal 50 qm zu einer Höhe von 26 m erhebt, angesichts dieser Begrenztheit den Eindruck eines Schachtes erzeugt und in dem die Dreiecksform des Gebäudes sich dem Raumgefühl noch deutlicher einprägt als von außen. Abgeschlossen wird es von einem Glasdach, das von einer filigranen Stahlkonstruktion in einzelne dreieckige Felder unterteilt ist. Beherrschendes Element ist die gekrümmte Wandscheibe aus Sichtbeton dem Eingang schräg gegenüber, die sich gebäudehoch erstreckt und in ihrer herben, ihre Porigkeit demonstrierenden Ästhetik fast schon Züge eines Ausstellungsstückes annimmt. Sie soll als Hänge- bzw. Projektionsfläche bei Ausstellungen genutzt werden, wobei die Montagelöcher zur Aufhängung von entsprechenden Arbeiten dienen. In Kombination mit der schwarzen Treppenstahlkonstruktion, die das Erdgeschoss mit den ersten vier Etagen an der Innenseite der seitlichen Wände des Atriums verbindet, lässt sie eine fast industrielle Atmosphäre entstehen - abgeschwächt durch die weit ausholende, futuristisch wirkende gläserne Empfangstheke, einen eleganten Natursteinboden und Akustik-Lochplatten in warmem Buchenholz, die für Wandverkleidungen und Garderobenschränke verwendet wurden. In diesem Atrium ist der Zeitensprung der Architektenkammer NRW von der vormaligen Gründerzeitresidenz mit bürgerlichen Repräsentationshabitus zu einem Industriebau in modernistischer Eleganz am entschiedensten vollzogen.

Dass sich das neue Haus der Architektenkammer als „Informations- und Kommunikationszentrum“ versteht und verstanden werden will, als „open house“ der Architektur, lässt sich vor allem an der Aufteilung des Inneren ablesen. Die 1.600 qm Nutzungsfläche ist entsprechend dem Nutzungsprogramm dreigeteilt: Erdgeschoss und die gesamte 1. Etage sind der öffentlichen Vermittlung von Architektur vorbehalten. Mit dem Atrium und einem Foyer, das auch als Veranstaltungsfläche genutzt werden kann, präsentiert sich die Architektur gewissermaßen selbst; seitlich wird im Erdgeschoss eine der drei Randzonen des Dreiecks ein auch extern zugängliches Bistro beziehen, das im übrigen das rückseitige Zwischenstück zum Nachbargebäude als Terrasse nutzen kann. Auf der ersten Etage gruppieren sich beiderseits einer 60 qm großen, offenen und hellen Galerie zwei Seminarräume, der größere von beiden durch eine mobile Trennwand in zwei separate Einheiten unterteilbar – in dieser Kombination eine ebenso effiziente wie repräsentative Aufteilung. In diesen Räumen also soll die Architektur eine stärkere Vermittlung finden und durch das nun hausinterne Angebot von rund 400 (vormals zwangsweise ausgelagerten) Seminaren im Jahr auch die 29.000 Mitglieder der Kammer in Nordrhein-Westfalen enger an die Standesorganisation gebunden werden. Neben Fortbildungskursen – die vom Bauzeichnen über baupraktische Themen bis zu Rechtsfragen reichen - sollen Werkberichte von Architekten sowohl Studenten als auch eine an Zahl offenbar zunehmende architekturinteressierte Öffentlichkeit in das neue Haus der Architekten locken.

Der mittlere Bereich von der 2. bis zur 4. Etage ist der Architektenkammer vorbehalten, deren Büroräume (Standardgröße 20 qm) mit Ausnahme des Konferenzsaales auf der 4. Etage an Flure grenzen, der ihrerseits entlang des offenen Atriums verlaufen. Auf diese Weise sind die Büros, durch teilbedruckte Ganzglastüren geschützt, räumlich wie optisch aufeinander bezogen; eine kommunikationsförderliche, fast intime Arbeitsatmosphäre ist die Folge. Von diesem Bereich wiederum optisch wie auch akustisch getrennt sind die 5. und 6. Etage, die für Fremdnutzer zur Verfügung stehen und vermietet werden. Der Bereich ist durch einen separaten Aufzug zugänglich und schließt sich im Unterschied zum Kammerbereich durch eine durchgehende Verglasung vom Atrium ab. Vor allem die 6. Etage offenbart zugleich aber die Schwäche der unteren Etagen: Gegenüber diesen erlaubt es jene Etage als einzige, gewissermaßen die Nase über die bebaute Umgebung zu heben. Der Mehrzahl der Mitarbeiter (und Besucher) ist durch zum Teil nur wenige Meter entfernten Nachbarn fast jede Aussicht versperrt, schmerzlich vor allem die nach Westen in Richtung Rhein. Einzig nach Norden in Richtung WDR, Fernsehturm, Landtag und Staatskanzlei gewährt die Straße den Durchblick und ermöglicht es, die wichtigen Entscheider des Landes am Horizont und quasi im Auge zu behalten.


Architektenkammer Nordrhein-Westfalen | Zollhof 1 | 40221 Düsseldorf | Telefon: (02 11) 49 67-0 | Telefax: (02 11) 49 67-99 | Internet: www.aknw.de | E-Mail: info@aknw.de
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