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Haus der Architekten

„open house“ - das architektonische Konzept

Erhard Botta,
werk.um architekten, Darmstadt

Wettbewerb

Aufgabenstellung des Wettbewerbs war ein „Informations- und Kommunikationszentrum für Architektur“ an der Medienmeile Düsseldorf zu plazieren - ein Areal für Kommunikation, Kunst und Kreativität im ehemaligen Düsseldorfer Hafen. Das Gebäude soll Anziehungspunkt für Architekten und Architekturinteressierte aus ganz Nordrhein-Westfalen werden und zudem „eine dem besonderen Ort angemessene Architekturqualität“ entstehen. Zitat Auslobungstext: „Ohne modische Orientierung soll die Architektur zum sichtbaren Ausdruck des Bauens zu Beginn des 21. Jahrhunderts werden.“ Um eine anspruchsvolle, städtebauliche Konzeption zu erzielen, wurde das angrenzende, unbebaute Grundstück in die Wettbewerbsaufgabenstellung aufgenommen.
Das Raumprogramm für das Haus der Architekten umfaßt ca. 1600 qm Nutzflächen. Um flexibel auf sich ändernde Anforderungen in Nutzung und Raumbedarf reagieren zu können, war eine gewisse Nutzungsflexibilität und Lösungsvorschläge hierzu gefordert. Mietflächen sollten separat nutzbar sein und bei Bedarf den Nutzflächen der Architektenkammer zugeschaltet werden können.
Aus 297 Arbeiten wurde der Entwurf von werk.um-Architekten aus Darmstadt zur Realisierung bestimmt.

Konzeptidee

Mit der Idee des „Open house“ verfolgt werk.um das Ziel ein offenes Haus der Architekten – „mit Einblicken und Ausblicken auf die Architektur“ zu planen. Damit wurde der Vision der Bauherren ein Name gegeben und ein angemessenes architektonisches Konzept hierzu entwickelt. Die wesentlichen Aspekte des Konzeptes ziehen sich wie ein Roter Faden durch den Entwurf und lassen sich stichpunktartig zusammenfassen.

open house

Die erwähnten Ziele sind in dem nun fertiggestellten „Haus der Architekten“ wiederzufinden und werden nachfolgend genauer beschrieben.

Städtebau

Im Bebauungsplan war für das Wettbewerbsgebiet eine 4-geschossige Blockbebauung vorgesehen. Ziel des werk.um-Entwurfs war eine durchlässigere, offenere Bebauungsstruktur an dieser Stelle zu bilden um vielfältigere Wegeverbindungen und Blickbezüge zu schaffen. Die Blockstrukturen zwischen Zollhof und Kaistraße sollten in „skulpturale, durchlässige Gebäudeblöcke“ aufgelöst bzw. „transformiert“ werden, die sich in unterschiedliche Höhen staffeln. Das Gebäude der Architektenkammer bildet den Abschluß, nimmt vorhandene Bezüge auf und kann als Solitär im städtebaulichen Umfeld bestehen. Dabei wurde eine Überschreitung der zulässigen Gebäudehöhe empfohlen, damit die Neubauten sich im städtebaulichen Umfeld behaupten können. Die vorgeschlagenen 7 Geschosse für das Haus der Architekten konnten realisiert werden. Durch die Planung des Hauses der Architekten als Solitär konnte die Wegeverbindung vom Zollhof zur Kaistraße und weiter zum Rhein offengehalten werden. Die Bebauung des Nachbargrundstücks konnte nicht wie vorgesehen realisiert werden.

Die Gebäude- und Grundrißform, im Preisgericht als „Wankelmotor“ bezeichnet, nimmt Bezug auf die geschwungenen Fassaden der unmittelbar benachbarten Gebäude und behauptet sich gleichzeitig als eigenständiger, markanter Baukörper. Die gekrümmten Fassaden haben gleiche Radien, jedoch unterschiedliche Längen und bilden eine asymetrisch verzerrte Grundrissform, was dem Gebäude eine zusätzliche Dynamik verleiht. Eine reduzierte Fassadengestaltung bringt die Gebäudeform klar zur Geltung.
Durch ein leichtes Verdrehen des Gebäudes gegenüber der Grundstücksgeometrie entsteht eine Vorzone als Eingangssituation, die gegenüber Gehweg und Straße leicht angehoben ist und ein Podest bildet. Die Eingangsfassade wendet sich frontal der Straßenflucht zur Stadt zu und definiert gleichermaßen eine Eingangssituation zu Zollhof und Kaistraße.

Gebäude

Das Haus der Architekten stellt sich nach außen als Einheit dar, läßt aber gleichzeitig die unterschiedlichen und differenzierten Nutzungen im Inneren erkennen.
Diese lassen sich in 3 Bereiche gliedern.

Das Erdgeschoß wird als Foyer, Ausstellungs- und Veranstaltungsfläche genutzt. Ein Bistro – im Wettbewerb vorgeschlagen und nun realisiert - unterstützt den Öffentlichkeitscharakter und kann bei größeren Veranstaltungen der Kammer gegebenenfalls mitbenutzt werden. Eine Nutzungserweiterung des Bistros nach außen ist auf die vorgelagerte Terrasse und den angrenzenden Platz möglich.
Das 1. Obergeschoß bietet Raum für Seminare und Veranstaltungen unterschiedlicher Art und Größe. Eine Unterteilbarkeit des Veranstaltungsraums erhöht das Spektrum der Möglichkeiten zusätzlich. Die Veranstaltungsräume haben einen vorgelagerten Verteiler, der als Stahlbrücke in die 2-geschossige Halle eingehängt ist und durch eine Treppe direkt an die Eingangshalle angebunden ist.

Die Verwaltungsräume der Architektenkammer befinden sich im 2.-4. Obergeschoß. Vorstandsebene mit Präsidium, Geschäftsführer und interne Konferenzräume sind im 4. Obergeschoß untergebracht. Der Große Konferenzsaal ist durch eine Verglasung vom Atrium abgetrennt, was einerseits Einblicke ins Atrium erlaubt, ihn andererseits vom Atrium aus als Sonderraum kennzeichnet.

5. und 6. Obergeschoß sind zur Vermietung bestimmt und werden über das Treppenhaus und einen zweiten Lift unabhängig erschlossen. Eine geschosshohe Verglasung trennt diese Bereiche akustisch vom Atrium und damit von den anderen Nutzungen ab. Der visuelle Bezug bleibt erhalten. Die Mietgeschosse sind potentielle Erweiterungsfläche der Architektenkammer.

Im 1. Untergeschoß sind Lager und Archivräume für die Architektenkammer, die Mieter und das Bistro untergebracht. Im 2. Untergeschoß befinden sich die Technikräume und eine kleine, intern genutzte Tiefgarage, die über die angrenzende Tiefgarage des Nachbarn erschlossen wird.

Atrium

Ein zentrales Atrium verbindet die Geschosse funktional und visuell miteinander. Dadurch wird die „äußere Einheit“ auch im Inneren nachvollziehbar. Das Wir-Gefühl der Nutzer wird gestärkt und gleichzeitig die Offenheit des Gebäudes demonstriert. Das Atrium wird nach oben durch eine filigrane, räumlich unterspannte Stahl-Glas-Konstruktion abgeschlossen.
Eine gebäudehohe Sichtbeton-Wandscheibe, ursprünglich zur optionalen Abtrennung von separat nutzbaren Mietbereichen gedacht, bietet Orientierung, Projektions- und Aktionsfläche für Veranstaltungen und Ausstellungen. Eine Stahltreppe verbindet alle Geschosse miteinander. Bei Veranstaltungen können die internen Räume durch eine Glasschiebetür im 2. Obergeschoß abgetrennt werden.

Fassade

Die Fassade ist komplett als Glasfassade (Kalt-Warm-Fassade) mit horizontalen Abdeckleisten und vertikalen Silikonfugen ausgeführt. Durchsichtige/transparente Bereiche sind mit Klarglas als Isolierverglasung, massive Bauteile wie Brüstungen und aussteifende Wandscheiben mit E-Maillierten Gläsern bekleidet. Dadurch werden feine Differenzierungen erreicht und unterschiedliche Einblicke – in die Architektur des Gebäudes – und Ausblicke – auf die Architektur der Stadt – erreicht. Die öffentlichen Bereiche des Gebäudes, wie Ausstellungsflächen, Seminarbereiche, Konferenzbereiche sind geschosshoch verglast und sind von außen einsehbar. Sonnenschutzverglasung im erdgeschossigen Foyerbereich und Sonnenschutzjalousien in den Obergeschossen sorgen für den erforderlichen sommerlichen Wärmeschutz bzw. Blendschutz.

Innengestaltung

Markantes Bauteil im Inneren ist die Sichtbeton-Wandscheibe über die gesamte Höhe des Gebäudes. An regelmäßig angeordneten Montagelöcher können Befestigungspunkte für Leinwand, Transparente und andere Exponate befestigt werden. Vorgesehen sind Beleuchtungskörper, die verschiedenste Lichteffekte auf, an und mit der Wand erlauben. Eine balkonartige Öffnung im 4. Obergeschoß markiert die Sondernutzung dieser Etage.
Leichte Einbauten, wie Atriumstreppe oder Atriumsdach sind als filigrane Stahl-Konstruktionen ausgeführt.
Die Empfangszone im Erdgeschoß ist mit einer gläsernen – nachts hinterleuchteten – Empfangstheke mit Prospekt- und Info-Ablage akzentuiert. Ein repräsentativer Wartebereich befindet sich an der gläsernen Gebäudeecke gegenüber von Stadt und den Bürotürmen Frank o Gehry´s..
Die Bodenbeläge markieren unterschiedliche Nutzungseinheiten. Während Eingangshalle, Bistro und Eingangspodest in Naturstein mit Crailsheimer Muschelkalk ausgelegt sind, wird der Veranstaltungsbereich im 1. Obergeschoß durchgehend mit einem noblen Eiche-Räucherparkett ausgestattet. In den Büroetagen wiederum ist Teppichboden verlegt.
Die Trennwände zwischen Atrium und Büroräumen sind mit buchenfurnierten, akustisch wirksamen Holzwerkstoffplatten bekleidet. Bürotüren und Türoberlichter sind in transparenten / transluzenten Gläsern ausgeführt. So sind gezielte Blickbezüge unter Beachtung der Intimsphäre der Mitarbeiter bei gleichzeitigem, ungehindertem Lichteinfall möglich.
Die Büroräume sind neutral mit weißen Oberflächen ausgeführt und können von 1-2 Mitarbeitern genutzt werden. Ein Einbauregal bietet Stauraum für Akten und Garderobe.
Farbliche Akzente sind im Veranstaltungsgeschoß und im Fluchttreppenhaus gesetzt. Sie sind sowohl von innen als auch von außen erlebbar.
Der Innenausbau ist generell mit naturnahen Baustoffen wie Beton, Putz, Stahl, Glas und Holz gestaltet.

Tragwerk

Als Konstruktionsbaustoff wurde Beton und Stahl verwendet. Die Fassadengestaltung ist in engem Zusammenhang mit der Windaussteifung des Gebäudes entwickelt worden. Da lediglich im Bereich des Treppenhauses und der Liftanlagen durchgehende Wandscheiben zur Verfügung standen, wurden an den großen Fassadenflächen die Windlasten über ein System von Wandscheiben und Brüstungen abgeleitet.
Die vertikalen Lasten werden an der Außenwand durch Betonwandscheiben und -stützen abgetragen und innen durch eine Sichtbetonwandscheibe und eine gegenüberliegende Stahlverbundstütze. Die Decken spannen zwischen diesen Auflagern unterzugsfrei als Flachdecken. Die Geschosse bleiben dadurch frei von Unterzügen. Anschlüsse von Trennwänden, Leitungsführungen von Installationen, sowie spätere Änderungen der Raumaufteilung werden dadurch wesentlich vereinfacht.

Die Gründung des Gebäudes war sehr komplex.
Einerseits musste, aufgrund der Nähe zum Rhein, bei steigendem Hochwasserpegel die Baustelle geflutet werden, um Schäden durch Auftrieb des noch unfertigen, leichten Gebäudes zu vermieden. Andererseits befand sich tragfähiger Baugrund erst in etwa 2 Meter unterhalb der geplanten Gründungssohle. Da ein Bodenaustausch aufgrund der Hochwasserproblematik zu größeren Wasserhaltungsproblemen geführt hätte, wurde hier das relativ neue „CSV-Spezialverfahren“ angewandt. Dabei wurde der nicht tragfähige Boden durch gezieltes „Einbohren“ von Stabilisierungsmaterial (Zement) in eine tragfähige Bodensäule umgewandelt.

Technik

Die technische Gebäudeausstattung ist auf einem einfachen, praktikablen Niveau gehalten.
Alle Räume werden natürlich belüftet, lediglich innenliegende Räume werden gelüftet. Die Besprechungs- und Konferenzräume im 1. und 4.Obergeschoss werden gelüftet und gekühlt, um keine Komforteinbußen zu haben. Die Lüftung erfolgt über ein zentrales Gerät welches bedarfsabhängig, über Frequenzumformer betrieben wird und die gesamte Abluft über einen Wärmerückgewinner führt.
Auf abgehängte Decken wurde größtenteils verzichtet, um die Betondecken zur passiven Bauteilkühlung nutzen zu können. Die Installationsführungen verlaufen in einem Hohlraumboden und in der abgehängten Decke der Flurbereiche und sind damit flexibel für Nachrüstungen oder Nutzungsänderungen.
Eine natürliche Entlüftung des Atriums wird mit Zuluftöffnungen im Foyerbereich und Abluftöffnungen im Bereich der Dachlaterne ermöglicht. Im Sommer wird das Atrium nachts mit kühler Luft durchströmt, die tagsüber für ein angenehmes Raumklima sorgt.
Der Einsatz von Sonnenschutzgläsern und Verzicht auf ein Verschattungssystem ermöglichen eine filigrane Dachkonstruktion und auch hier einen ungehinderten Ausblick. Die Beheizung erfolgt über Fernwärme.

Brandschutz

Durch das offene Atrium ist die übliche Unterteilung in horizontale Brandabschnitte nicht möglich und daher ein spezielles Brandschutzkonzept erforderlich. Verschiedene Brandszenarien wurden in computergestützten Simulationsberechnungen untersucht und führten zu entsprechenden Maßnahmen zur Entrauchung und Evakuierung des Gebäudes. Das Gebäude - vom EG aufwärts ein Brandabschnitt – ist flächendeckend gesprinklert und mit einer Brandmeldeanlage ausgestattet. Die Flurbereiche werden im Brandfall durch mobile Rauchschürzen vom Atrium abgetrennt und damit als Fluchtweg gesichert. Das Atrium wird im Brandfall im Bereich der Dachlaterne auf natürliche Art und Weise entraucht. Ehemals geplante Rauchgasventilatoren konnten entfallen. Die atriumsseitige Abtrennung der Mietbereiche mit einer rauchdichten Verglasung erweist sich in diesem Zusammenhang als vorteilhaft, da sich hier der Rauch kurzzeitig stauen kann ohne die Benutzbarkeit der Fluchtwege zu beeinträchtigen. Die Entrauchungsanlage kann auch zur alltäglichen Be- und Entlüftung des Atriums genutzt werden

Resumé

Das architektonische Konzept konnte in seinen wesentlichen Bestandteilen umgesetzt werden. Es ist eine Architektur entstanden, welche die Gegebenheiten des Ortes, die Aufgabenstellung der Bauherren und den gestalterischen Willen der Architekten zu einem schlüssigen Ganzen vereint.
In der Medienmeile ist ein Gebäude entstanden, das sich in die vorhandene städtebauliche Situation einfügt, ohne an Eigenständigkeit zu verlieren. In der funktionsbezogenen, zeitlosen, ohne modische Orientierung entwickelten Architektur werden sich hoffentlich viele wiederfinden können und das Haus als Anlaufstation, Informations- und Kommunikationszentrum annehmen, ganz im Sinn des Konzeptgedankens des „Open-house“.


Erhard Botta - werk.um-Architekten

Bauherr:

Architektenkammer Nordrhein-Westfalen

Planung:

werk.um Architekten, Darmstadt

Projektleitung:

Rolf Vollmer, Köln

Bauleitung:

BDK Ingenieurgesellschaft mbH, Köln

Künstlerische Oberleitung:

werk.um Architekten, Darmstadt

Tragwerksplanung:

Professor Pfeifer und Partner, Darmstadt

Haustechnik:

Rexroth Ingenieure, Rödermark

Brandschutz:

Ziller ASS, Frankfurt/Main
Öcotec, Schwalmtal


Architektenkammer Nordrhein-Westfalen | Zollhof 1 | 40221 Düsseldorf | Telefon: (02 11) 49 67-0 | Telefax: (02 11) 49 67-99 | Internet: www.aknw.de | E-Mail: info@aknw.de
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