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1. Ich habe Architektur studiert – darf ich mich jetzt Architekt nennen?

Der Studienabschluss alleine reicht nicht. Verbraucherschutz ist hier das Stichwort. Deshalb haben Architektinnen und Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner in der Regel nicht nur studiert, sondern auch in einer mindestens zweijährigen Praxiszeit die notwendige Berufserfahrung gesammelt und sich weitergebildet. Damit können sie die Eintragung bei der Kammer beantragen und haben danach das Recht, die geschützte Berufsbezeichnung (oder Wortverbindungen) im Geschäftsverkehr zu führen.

Die geschützten Berufsbezeichnungen „Architekt“, „Innenarchitekt“, „Landschaftsarchitekt“ und „Stadtplaner“ (§ 2 Baukammerngesetz NRW – BauKaG NRW) sind von dem an der Hochschule / Fachhochschule erworbenen akademischen Grad (z. B. „Diplom-Ingenieur“ oder „Bachelor/Master“) zu trennen und unterscheiden sich bereits durch die Einrichtungen, von denen sie verliehen werden. Dabei ist die Hochschule nach den geltenden Hochschulgesetzen zur Verleihung des akademischen Titels "Bachelor", "Master“, "Dipl.-Ing.“ oder "Dipl.-Ing. (FH)" berechtigt; die geschützte Berufsbezeichnung (z. B. „Architekt“) wird hingegen mit einer Eintragung in die Architektenliste der Architektenkammer NRW erworben, §§ 3 ff. BauKaG NRW. (Mehr zu den Eintragungsvoraussetzungen in der Antwort zur Frage 3.)

Vor einer Eintragung in die nordrhein-westfälische Architektenliste dürfen Sie Ihrem Vor- und Familiennamen den von der Universität oder Fachhochschule verliehenen akademischen Grad / Titel (z. B. „M.-Eng.“ oder „M.-Sc.“) beifügen. Dabei ist zu beachten, dass dieser nur so verwendet wird, wie er in der von der Hochschule überreichten Urkunde bezeichnet ist.

Soweit es sich um einen im Ausland erworbenen Abschluss handelt, ist es sinnvoll, sich vorab zu informieren, in welcher Form der erworbene Abschluss auch in Deutschland anerkannt ist und geführt werden darf. Die Befugnis zur Führung akademischer Grade ist in § 119  Hochschulgesetz geregelt. Das Ministerium für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen (www.innovation.nrw.de) stellt außerdem auf Antrag eine förmliche Bescheinigung über das Recht zum Führen ausländischer Grade aus.

Wenn Sie sich eine Visitenkarte oder Briefpapier drucken lassen wollen, prüfen Sie bitte vorher den genauen Wortlaut Ihres akademischen Titels / Grades anhand der von der Hochschule verliehenen Urkunde sehr sorgfältig. Eigenmächtige sprachliche Kürzungen und Veränderungen des verliehenen Grades sind generell nicht zulässig und können unter Umständen sogar strafbar sein (§ 132a StGB: Missbrauch von Titeln).

Generell wettbewerbsrechtlich unproblematisch sind Begriffe wie z. B. „Planung“, „Planungsbüro“, „Design“ etc. Ohne Eintragung in die Architektenliste unzulässig sind jedoch die Formulierungen „Dipl.-Ing. Architekt“, „Dipl.-Ing. (FH) Architekt“, „M. Eng. Architekt“, „M. Sc. Architekt“, „B. Eng. Architekt“ oder „B. Sc. Architekt“ – da dies eindeutig gegen § 2 BauKaG verstoßen würde. Auch Begriffe oder Wortverbindungen wie „Architekturbüro“, „Architektur“, „Atelier für Architektur“, „Architekturwerkstatt“, „Archdesign“ etc. dürfen nicht verwendet werden.

Für Absolventen der Fachrichtungen Landschaftsarchitektur, Innenarchitektur und Stadtplanung gilt das oben Genannte auch für die auf sie zutreffenden geschützten Bezeichnungen.

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