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Ludwig Freitag (1888-1973) und die Park-Stadt

Wer heute den Namen der Stadt Oberhausen hört, denkt vermutlich an den Gasometer, das CentrO und die A42, auf der man schnell an der Ruhrgebietsstadt vorbei fahren kann. Dabei hat Oberhausen eine dichte und faszinierende Backstein-Architektur des frühen 20. Jahrhunderts zu bieten, die im Verbund mit Parks und Grünzügen die Innenstadt bis heute zu einem Erlebnis macht. Anlässlich der Ausstellung „Park-Stadt Oberhausen - Wiedergeburt eines historischen Stadtzentrums moderner Architektur“ im Schloss Oberhausen erinnern wir an Ludwig Freitag, dem es als Stadtbaumeister in den 20er und 30er Jahren gelang, eine wuchernde Montanstadt zu einer Park-Stadt zu entwickeln.

Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert erlebten die Städte entlang der Ruhr ein gewaltiges Wachstum, das mit gravierenden Eingriffen in die Landschaft einherging. Die teilweise rücksichtslose Zerstörung der Natur versuchte man schon früh durch das Anlegen von Parks und Wirtschaftsgärten für die Wohnhäuser der Beschäftigten der Montanwirtschaft auszugleichen. Ludwig Freitag kam zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Mitarbeiter des Darmstädter Architekten Friedrich Pützer nach Oberhausen. Wenige Jahre zuvor hatte die Stadt 1904 mit der Anlage des Grillo-Parks im Stadtzentrum eine grüne Lunge geschaffen, an deren Rand Pützer nun den Hauptsitz der Sparkasse realisieren sollte. Pützer entwirft ein klar strukturiertes Gebäude, das dem Geist der architektonischen Moderne in Oberhausen zum Durchbruch verhilft. Ab 1920 entstehen in rascher Folge eine Vielzahl neuer Bauwerke, die sich im Umkreis weniger Kilometer um den Grillo-Park gruppieren und welche die Montanstadt im westlichen Ruhrgebiet zu einem Katalysator des modernen Bauens machen.

Backstein-Expressionismus
Peter Behrens gestaltet 1920 die Hauptverwaltung III und das Lagerhaus der Gutehoffnunghütte (GHH). Bruno Möhring entwirft für den gleichen Auftraggeber die Manager-Siedlung Grafenbusch und verschiedene Werkssiedlungen. Ludwig Freitag, inzwischen unter der Fürsprache von Oberbürgermeister Otto Havenstein zum Stadtbaumeister Oberhausens ernannt, realisiert beinahe im Jahresrhythmus Gebäude, die bis heute das Stadtbild Oberhausens prägen: 1922 konzipiert der damals 34-jährige Architekt die Berufsschule; es folgen Entwürfe für die Reichsbank (1923), das Polizeipräsidium (1924/26), das Arbeitsamt (1929/30). Alle Gebäude nutzen den Backstein als zentrales Element und vereinen die gestalterische Klarheit der Moderne mit Einflüssen des Jugendstils und des Expressionismus.

Von der Alleen- zur Park-Stadt
Internationales Renommee verschafft Ludwig Freitag die Planung des Oberhausener Rathauses, das er 1927/28 kongenial in den nördlichen Bereich des Grillo-Parks implementiert. Freitag fügt dabei Park und Rathaus zu einer Einheit zusammen, deren Dialog das Rathaus zu einer Bühne werden lässt. Freitag knüpft damit an eine Tradition an, die es in Oberhausen seit der Jahrhundertwende gab: Das Bestreben, die Stadt durch Grünzüge zu strukturieren und damit den Bürgern einer durch die Emissionen von Kohle- und Stahlindustrie belasteten Stadt Erholungsräume zu bieten.

Beeinflusst von der englischen Gartenstadtbewegung waren in Oberhausen seit Beginn des 20. Jahrhunderts gezielt Alleen und Parks angelegt worden. Stadtbaumeister Ludwig Freitag entwickelte in den 20er Jahren das Konzept weiter, indem er die Stadt als Ganzes zum Park machen wollte. Die Stadt sollte atmen können, durch Verbindung von Gebautem und Gewachsenem, durch neue Parkideen und intensive Baumpflanzungen, durch Anlage von Sport- und Freizeitstätten. Ein Konzept, dem (Alt-)Oberhausen bis heute eine aufgelockerte, überraschend grüne Innenstadt verdankt.

Objekte von Ludwig Freitag auf baukunst-nrw:
Friedensplatz in Oberhausen
Ehemaliges Arbeitsamt in Oberhausen
Rathaus in Oberhausen

Ausstellung "Park-Stadt Oberhausen - Wiedergeburt eines historischen Stadtzentrums der modernen Architektur. Fotografien von Thomas Wolf." Ludwig Galerie Schloss Oberhausen, 7. Februar bis 18. April 2004.

Autor: Christof Rose