Baukunstarchiv NRW, Foto: D. Podehl

Auf fotografischen Spuren der Moderne

Teheran und Tel Aviv zwischen 1930 und 1940: Persien und Israel; der Schah und die Siedler. Zweimal Aufbruch in die Moderne, einmal in einer Monarchie, das andere Mal in einem jungen Mandatsgebiet.

04. August 2022Autor*in: Christof Rose

In beiden Ländern arbeiteten bedeutende Planerinnen und Planer sowie Künstlerinnen und Künstler im Auftrag des Staates sowie privater Bauherren, und zwar im Zeichen und Stil der Moderne. Wie sich die Bauwerke dieser Epoche über die folgenden Jahrzehnte entwickelt haben, und ob und inwieweit sich Vergleiche zwischen Teheran und Tel Aviv ziehen lassen, beleuchtet vom 12. August bis zum 9. Oktober 2022 eine Ausstellung im Baukunstarchiv NRW. Die Fotografin Irmel Kamp und Fotograf Andreas Rost blicken mit sehr individuellen Ansätzen auf Bauwerke der Moderne im heutigen Iran und in Israel. Eine spannende und inspirierende Gegenüberstellung.

Dabei könnten die Voraussetzungen unterschiedlicher kaum sein. Während die Teheraner Baukunst nahezu unbekannt (und unerforscht) ist, scheint die Moderne von Tel Aviv (unter der falschen Zuschreibung des „Bauhauses“) längst legendär geworden. Gemeinsamkeiten und Unterschiede: Darauf macht die Ausstellung im Baukunstarchiv NRW in Dortmund aufmerksam.

Irmel Kamp (Aachen) und Andreas Rost (geboren in Weimar; lebt in Berlin) spüren mit ihren fotografischen Inszenierungen von mehr als 50 Bauten historischen Zusammenhängen nach, stellen kulturelle Kontexte her und werfen aktuelle Fragen auf. Etwa nach dem Umgang mit den Bauwerken, nach ihrer Weiternutzung und baulichen Entwicklung. Es stellt sich aber auch die Frage, inwieweit Architektur politische Aussagen und Haltungen reflektiert - und wie die Architektur auf wechselnde politische Systeme reagiert.

Ist das Tel Aviver Modell von Vermarktung und Weiterbau ein Vorbild zur Rettung der modernen Architektur in Teheran – und andernorts? In mancher Hinsicht erinnert der Zustand iranischer Bauten heute an die Situation der späten 1980er Jahre in Tel Aviv: Besonderheit und Wert erkennen bisher nur ein kleiner Kreis von Fachleuten; viele Häuser stehen leer und harren der Sanierung; erst allmählich etabliert sich ein breiteres Bewusstsein.

Gegenübergestellt werden die Bilderserien zweier international renommierter Fotokünstler. Irmel Kamps Aufnahmen von Tel Aviv entstanden in einem mehrjährigen Projekt Ende der 1980er Jahre. Sie zeigen die Bauten in einem regelrechten Dornröschenschlaf vor ihrer Wiederentdeckung – die durch diese Fotoserie maßgeblich mit eingeleitet worden war. Andreas Rost fuhr 2018 in den Iran, um die Bauten der Moderne fotografisch zu erkunden. Das Projekt ist ein erstes Herantasten an einen Baubestand, der weitaus größer ist, als vielfach angenommen wurde, und dessen systematische Erforschung, Dokumentation und Veröffentlichung aussteht.

 

Die Vernissage findet am 11. August um 19.00 Uhr statt. Um verbindliche Anmeldung wird gebeten unter info(at)baukunstarchiv.nrw. Weiterführende Infos zur Vernissage finden Sie hier.

Führungen und Rahmenprogramm

Das Baukunstarchiv NRW beteiligt sich mit der Ausstellung am 10. September am „Tag des offenen Denkmals“. Christos Stremmenos, Gestalter der Ausstellungsarchitektur, wird drei Führungen anbieten.

Am 17. September wird Ausstellungskurator Christian Welzbacher anlässlich der „Dortmunder DEW21-Museumsnacht“ ebenfalls drei Führungen anbieten (jeweils ca. 30 Minuten; 16.45 Uhr; 18.45 Uhr; 20.45 Uhr). Info und Anmeldung unter www.baukunstarchiv.nrw.

„TEHERAN – TEL AVIV. Irmel Kamp – Andreas Rost. Experiment International Style 1930-1940. Eine fotografische Begegnung“.

Ausstellungszeitraum: 12.8. – 9.10.2022.

Baukunstarchiv NRW (Ostwall 7, Dortmund).

Öffnungszeiten: Di. - So. 14.00 - 17.00 Uhr.

Eintritt frei.

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