Das „Neue Europäische Bauhaus“: Nachhaltigkeit gemeinsam gestalten

Das Projekt „Neues Europäisches Bauhaus“ (NEB) der Kommission der Europäischen Union regt gegenwärtig europaweit die Phantasie an. Am 27. Mai diskutierte die Präsidentin der Bundesarchitektenkammer mit Ruth Reichstein von der EU-Kommission und weiteren Gesprächspartner*innen darüber, wie Deutschland auf den Vorstoß der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen reagieren könne.

08. Juni 2021Autor: Christof Rose

In einer Videogrußbotschaft unterstrich Ursula von der Leyen zunächst die entscheidende Rolle der Planerinnen und Planer für das Gelingen des Green Deals: „Wer, wenn nicht Ihr Berufsstand, kann entscheidend zur Reduktion unseres CO₂-Ausstoßes beitragen?“ Architektinnen und Architekten hätten immer schon innovative Wege eingeschlagen. „Sie sind die Pionierinnen und Pioniere des Neuen Europäischen Bauhauses“, sagte von der Leyen. Ihr Konzept für das NEB ziele auf einen ganzheitlichen Ansatz und interdisziplinäres Arbeiten. „Wir müssen erreichen, dass Abriss zur Ausnahme und Renovieren zur neuen Norm wird“, führte die EU-Kommissionspräsidentin ihre Gedanken aus. Vor allem müsse „die grüne Transformation“ für die Menschen erfahrbar sein. „Das NEB will Projekte fördern, die nicht nur den Verstand ansprechen, sondern auch Herz und Emotion.“

Der Wandel hin zu einer echten nachhaltigen Gestaltung unserer gebauten Umwelt könne nur gelingen, wenn wir die Erreichung der Klimaziele nicht allein als technische, sondern auch als gemeinsame kulturelle Aufgabe verstünden, hob Barbara Ettinger-Brinckmann, die scheidende Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, hervor.
Ruth Reichstein vom Stab der EU-Kommissionspräsidentin berichtete, dass sich europaweit ein „gewaltiges Interesse“ abzeichne. Einige Mitgliedsstaaten hätten bereits konkrete Vorschläge avisiert: Portugal entwickelt ein „New European Bau-haus by the seas“, Schweden wolle ein neues, vollständig aus Holz errichtetes Wissenschafts- und Kulturzentrum mit Europas höchstem Holzhochhaus als Symbol und Forschungsstätte errichten. „Im Moment genießen wir das Einsammeln der vielfältigsten Ideen“, erklärte Ruth Reichstein. Es werde aber auch den „Moment des Verengens“ geben.
Prof. Hans Joachim Schellnhuber, bis 2018 Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, warb für ein neues Verständnis: „Wer mit nachwachsenden Rohstoffen plant, muss in Jahrhunderten denken.“ Auch Anne Katrin Bohle, Staatssekretärin in Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, unterstrich: „Wir können es uns überhaupt nicht erlauben, nicht nachhaltig zu denken und auch zu planen.“
Für die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen verwies Kammerpräsident Ernst Uhing in einer Videobotschaft auf die Wurzeln des Bauhauses im Hagener Impuls, aber auch auf die aktuellen Transformationsprozesse im Bereich der Energiewirtschaft und der Infrastrukturen in NRW, die exemplarisch als Wissensnetzwerke und zu Reallaboren des Neuen Europäischen Bauhauses entwickelt werden könnten.
Alle Diskutant*innen nutzten den Abend auch, um sich bei der scheidenden BAK-Präsidentin Barbara Ettinger-Brinckmann für ihr großes Engagement für die Baukultur in Deutschland zu bedanken.

Impressionen von der Veranstaltung unter https://www.bak.de/baukultur/neues-europaeisches-bauhaus-neb/

 

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