Unser erstes großes Projekt, die Stadtbibliothek Münster, folgte dem ersten Preis in einem Wettbewerb – bundesweit, zweistufig, anonym. Einzige Voraussetzung zur Teilnahme: Die Kammermitgliedschaft. Unser Team bestand aus zwei Architekten plus zwei Studenten. Heute völlig undenkbar, beauftragte die Stadt Münster uns damals sehr junge Architekten dann auch mit der Planung. Das Team verstärkte sich daraufhin zügig mit Mitarbeitern und Partnern für Werkplanung bis Bauleitung. Die Bibliothek wurde termingerecht zum 1200 Stadtjubiläum eröffnet, die Kosten blieben 2 Mio. DM unter dem Kostendeckel.

Es ist kein Hexenwerk auch für junge ArchitektInnen, Projekte verantwortungsvoll und erfolgreich durchzuführen auch ohne bereits Erfahrung bei Bibliotheken s.o. oder welcher anderer Bauaufgabe auch immer zu haben. Leider werden die Hürden, überhaupt an einem Wettbewerb teilnehmen zu dürfen, kontinuierlich hochgeschraubt. Dabei geht es nicht um Architekturqualität, es geht allein um Quantität: Anzahl der Mitarbeiter, Höhe des Umsatzes, Höhe der Bausummen, Anzahl der Planung gleichartiger Bauaufgaben innerhalb einer kleinen Anzahl von Jahren.
Wir alle kennen die Beispiele und geforderten Zahlen, die dazu noch häufig in keiner Relation zur Aufgabe stehen, d.h. viel zu hoch sind. Ja, mitunter werden auch Referenzen, einziges Kriterium für Qualität, gefordert, aber wer beurteilt deren Qualität? Der Wettbewerbsbetreuer, der zur wertfreien Beurteilung verpflichtet ist? Der Auslober? Wohl kaum. Das Preisgericht könnte hier bereits involviert werden, das ist aber hierzulande nicht üblich.
Die gegenwärtige Praxis, die quantitativen Hürden zur Teilnahme an Wettbewerben möglichst hoch zu setzen, schließt junge und kleine wie auch mittelständische Architekturbüros weitgehend schon zur Vorstufe zum eigentlichen Wettbewerb aus. Ich plädiere daher für mehr offene, gerne auch zweistufige Wettbewerbe. Das macht vorne vielleicht mehr Arbeit für die Jury, beschert dem Auslober aber eine Vielzahl an Optionen, führt schneller zum Ziel und erhält die kreativen und innovativen Spielräume, die Architektur früher einmal hatte und wieder haben könnte.
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