Referent*innen zum Thema Architekturkommunikation (v. l.): Kilian Kada, Sabine Reeh, Eric Sturm, Daniela Fink, Prof. Andreas Schümchen, Patrycja Muc (Moderation) und Christof Rose. Foto:Melina Beierle/AKNW

Geschichten hinter den Fassaden

„Es sieht nicht gut aus für das Haus“, rief BR-Journalistin Sabine Reeh den Besuchern der 6. Fach- und Forschungskonferenz „Architektur und Medien“ Ende Oktober in Düsseldorf zu. „Es ist nicht ,sexy‘, nicht ,spicy‘, nicht ,snackable. Kurzum: Das Haus hat ein Problem!“ In ihrem Beitrag zum Konferenz-Thema „Architektur bewegt – in TV, Videos und Reels“ verglich Reeh die üblichen „Spielregeln“ des Fernsehmachens mit den Möglichkeiten, die Planungsthemen zur Berichterstattung bieten. Zumindest auf den ersten Blick schienen die nicht so recht zusammen zu passen. Die Folge: „Unser Themenbereich rutscht durchs Raster“, sagte Reeh. Und doch kommt Architektur ins Fernsehen. Wie? „Indem wir die Geschichten hinter den Fassaden erzählen!“

10. November 2025von Melanie Brans

Rund 100 Interessierte kamen zu der Konferenz, zu der die AKNW in Kooperation mit dem Institut für Medienentwicklung und Medienanalyse der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) eingeladen hatte. In dem beliebten Format begegnen sich Journalist*innen, Planerinnen und Planer sowie PR-Fachleute aus Architekturbüros, um sich über aktuelle Themen der Architekturkommunikation auszutauschen. Medien- und Architekturschaffende berichten dabei von ihrer Arbeit und ihren Erfahrungen. Ziel ist ein offener Diskurs und vor allem Wissenstransfer. „Die Medienlandschaft hat sich in den letzten Jahren radikal verändert“, erklärte Christof Rose, stellv. Geschäftsführer und Pressesprecher der AKNW zur Einführung. „Kommunikation ist schneller, visueller, emotionaler geworden.“ Baukultur werde nicht mehr nur in Fachkreisen diskutiert, sondern auch auf Instagram, in YouTube-Videos, in TV-Dokumentationen. Das sei eine Chance, aber auch eine Herausforderung. „Architektur drängt sich nicht auf“, sagte Prof. Andreas Schümchen von der H-BRS. In Filmprojekten aber sei Dynamik gefragt. „Man muss sich also Gedanken machen!“

Wie können baukulturelle Inhalte am besten im Bewegtbild vermittelt werden? Wie gelingen Bilder, die Emotionen auslösen, aber auch Botschaften, die Substanz enthalten? Zur Auflösung dieser Fragen waren Impulsgeber*innen aus der Praxis eingeladen. Sabine Reeh, die u. a. die beliebte TV-Doku-Reihe „Traumhäuser“ im Bayerischen Rundfunk, aber auch das ARTE-Hochglanz-Format „Tempel der Hochkultur“ verantwortet, gab spannende Einblicke in ihre Arbeit. „Kaum ein Thema ist so emotionsgeladen wie Architektur. Es braucht aber auch Hintergründe“, so ihre These. 

Dem pflichtete Eric Sturm bei. Der Berater für Architekturkommunikation und Architekturvideoblogger gab einen Einblick in den Wandel der Bewegtbildkommunikation: Technische Aufwände für die Erstellung von Filmen sind zurückgegangen, Kamera und Tontechnik wanderten mit dem Smartphone in die Hosentasche, und Plattformen machen die direkte Verbreitung auch für Planungsbüros einfacher. Die Folge: „Aus Querformat wurde Hochformat, man muss die Leute mit schnellen Schnitten über die Baustelle ziehen; und Echtzeit-Content überzeugt am meisten“, so Sturm. Hintergründe platzieren scheine da schwer, sei aber möglich. „Nämlich indem Architekten und Planerinnen erzählen: über sich selbst, über ihre Arbeit“, erläuterte Sturm. Es gehe vom Objekt zum Subjekt. 

Dass es dabei einer strukturierten Herangehensweise bedarf, machte Architekt Kilian Kada deutlich. Die Kommunikation bei kadawittfeldarchitektur konzentriere sich darauf, nicht nur Ergebnisse zu kommunizieren, sondern schon den Weg dahin, den Prozess. Das Bewegtbild sei dabei hilfreich, jedoch nicht der Weisheit letzter Schluss. Kada: „Man muss sich klar machen, wohin man will. Es braucht ein Leitbild für die Planung, für die Architektur und letztlich auch für die Kommunikation.“ 

Die Frage nach Aufwand und Nutzen beschäftigte Stadtplanerin Daniela Fink von scheuvenswachtenplus, wo man seit einiger Zeit mit Bewegtbildkommunikation in Form von Reels für Instagram experimentiert. Reels seien nur eines von vielen Kommunikationsinstrumenten, aber ein Werkzeug, um Planung verständlich zu machen. Dem zehnköpfigen Büro gehe es dabei nicht nur um Reichweite sondern auch um Transparenz. Fink: „Wir wollen, dass die Menschen sehen, wie wir arbeiten. Partner verstehen schneller, wofür wir stehen, und wir kommen ins Gespräch.“ 

In den Netzwerkgesprächen rund um die Veranstaltung gaben die Imulsgeber*innen weitere wertvolle Tipps aus der Praxis. Das stieß bei den Zuhörerinnen auf reges Interesse - und gab vielfältige Anregungen für die eigene Kommunikationsarbeit.

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