Am 15. September führt die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen in Dortmund die „Regionalkonferenz Inklusion“ durch. Ein Interview mit dem Projektpartner Jürgen Dusel, Bundesbehindertenbeauftragter.

Jürgen Dusel, gemeinsam mit der Architektenkammer NRW wollen Sie in Dortmund über das Ziel diskutieren, wie der Gebäudebestand barriereärmer werden kann. Wie groß ist das Problem?
Die Problemlage ist sogar dramatisch. In Deutschland leben 7,9 Millionen Menschen mit Schwerbehinderungen, gleichzeitig gibt es nur rund 1,2 Mio. barrierearme bzw. barrierefreie Wohnungen. Diese Zahlen zeigen: Der Bedarf ist groß - allein der Neubau barrierefreier Wohnungen wird es nicht lösen. Wir müssen uns darum kümmern, dass im Wohnungsbestand die Barrieren reduziert werden. Davon werden wir in unserer älter werdenden Gesellschaft alle profitieren.
Gerade bei historischer oder denkmalgeschützter Architektur stellen Um- oder Anbauten zum Abbau von Barrieren bisweilen erhebliche Eingriffe dar. Welche Lösungswege scheinen Ihnen gangbar?
Ich finde es wichtig, dass Baudenkmäler (und dazu gehören auch Wohnhäuser) der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden - das schließt Menschen mit Behinderungen ein! Selbstverständlich müssen bei Um- oder Anbauten zum Abbau von Barrieren auch die Anforderungen von Denkmalschutz bedacht werden, hier ist jeder Fall anders. Die Herausforderung, Denkmalschutz und Barrierefreiheit zu vereinen, kann nur mit Kreativität, Fachwissen und Kompromissbereitschaft gelingen. Hierfür ist es gut, von Anfang an Fachleute für Barrierefreiheit und Interessenvertretungen von Menschen mit Behinderungen an der Planung zu beteiligen. Zu oft bauen oder entwickeln wir heute noch etwas, und erst am Ende fragen wir uns, wie wir das nun barrierefrei machen. Und dann wird es unnötig teuer.
Sie haben schon viele „Regionalkonferenzen Inklusion“ durchgeführt – allein mit der AKNW dreimal. Was wollen Sie mit dem Format erreichen?
Viele Architektinnen und Architekten haben mir vermittelt, dass das Thema barrierefreies Bauen in ihrer Ausbildung kaum eine Rolle gespielt hat. Deshalb möchte ich mit dieser Veranstaltungsreihe - mit der wir in diesem Herbst noch unser zehnjähriges Jubiläum feiern werden! - ein stärkeres Bewusstsein für die Relevanz des Themas schaffen. Und mit gelungenen Beispielen aus der Region überzeugen.
„Regionalkonferenz Inklusion“; 15.09.26; Zeche Zollern (Dortmund). Weitere Info und Online-Anmeldung in Kürze hier.
Teilen via